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Ausgabe Januar/Februar 2017
Die „Vier Schilde“ - von Armin Otto

Visionssuche und Orientierung braucht es besonders in Zeiten des Übergangs. Das Modell der „Vier Schilde“ stellt die innere Natur des Menschen in Form eines Kreises mit vier Quadranten dar. Für unsere Entwicklung ist es sinnvoll, allen „vier Schilden“ Rau

Hinter der Bezeichnung „Vier Schilde“ verbirgt sich ein transkulturelles und zugleich auch ein psychologisches Modell, das in den achtziger Jahren von Steven Foster und Meredith Little an der School of Lost Borders in den USA formuliert und angewandt wurde. Die Arbeit damit hat sich seitdem weiter entwickelt und erweitert. Als Grundlage dienten verschiedene Medizinräder indigener Völker und die Annahme, dass die äußere Natur die innere widerspiegeln könne. Insofern geht es dabei darum, uns selbst in der Natur wieder zu spiegeln und neu zu entdecken. Die Anwendung der „Vier Schilde“ orientiert sich am Lauf der Sonne und den Jahreszeiten und lässt sich entsprechend auf alle zyklisch auftretenden Abläufe anwenden. Wir Menschen haben uns über Jahrtausende mit dem Rhythmus des Lebens verbunden, ihn verinnerlicht und diese Informationen von Generation zu Generation weitergegeben.
In der nördlichen Hemisphäre legt die Sonne mit dem Sonnenaufgang den Osten, bei höchstem Stand den Süden und mit ihrem Untergang den Westen fest. Des Nachts markierte der Polarstern als Fixpunkt den Norden. Der Wechsel der Jahreszeiten von Frühling, Sommer, Herbst und Winter mit seinen vielfältigen Übergängen ist bis heute ausschlaggebend für unser Verständnis von zyklischen Geschehen in der Natur.

Sommer – Schild der Kindheit
Mit unschuldiger Neugier, spielerisch und mit kindlicher Freude wird die Welt erkundet. Alle Erfahrungen werden ohne Filter in sich aufgesogen, freudige wie traumatisierende. Es wird genau betrachtet, betastet, begriffen. Wir bewegen uns als Kind sinnlich und körperlich. Wir vertrauen auf unseren Instinkt. So wie in der Natur im Sommer unendliche Energie bereit steht und die Kräfte frei fließen, so fließen auch die Emotionen frei: Weinen und Lachen, Schmerz und Freude wechseln ohne Übergang sehr schnell. Die Qualität des Sommers lädt uns ein, unseren Körper zu nähren und zu fühlen. Es ist eine Zeit der Fülle und der Sinneseindrücke - des Fließens, Ausdehnens und der Zugehörigkeit. Die Farbe des Schildes ist Rot, so wie die Farbe unseres Blutes. Das dazugehörige Element ist das Wasser. Die Himmelsrichtung ist der Süden.

Herbst – Schild des Heranwachsens (Pubertät/Adoleszenz)
Es beginnt die große Ernte. Die Energie sinkt langsam zur Erde zurück. Die Schatten werden länger. Angst dem Tal der Dunkelheit nicht entrinnen zu können und stecken zu bleiben, treibt uns um. Welche Ressourcen haben wir aus dem Sommer-Schild mitgebracht, um die Begegnung mit den inneren Dämonen zu bestehen, unsere eigenen Schätze zu bergen und uns mit uns selbst zu versöhnen? Erst wenn wir durch unsere eigenen Tiefen gegangen sind und unsere dunkeln Seiten angeschaut haben, können wir Mitgefühl für uns und für andere Wesen entwickeln. Die Qualität des Herbst verkörpert die zentrale Thematik der tiefen Innenschau, Initiation in die eigene Urkraft und Unabhängigkeit. Die Farbe des Schildes ist schwarz, schwarz wie in einer Höhle, in die kein Lichtstrahl eindringt. Das dazugehörige Element ist die Erde. Die Himmelsrichtung ist Westen. Ein passendes Bild ist der Cocon, in dem sich die Raupe eingesponnen hat, um später als Schmetterling zu schlüpfen.

Winter – Schild des Erwachsenseins
Es ist eine Zeit der Prüfung, ob wir bereit sind, das eigene Potential zu entfalten und für unsere Ziele mit allen Konsequenzen selbstständig einzutreten. Ein weiterer Aspekt ist, durch vorausschauendes Handeln die Gemeinschaft durch den Winter zu bringen. Wir sind soweit gereift, dass wir unsere Pflichten erfüllen, obwohl wir eigentlich etwas Besseres vorhaben. So wie ein König, der sich fürsorglich um sein Reich, seine Untertanen und sein Land (Mutter Erde) kümmert. Die Farbe des Schildes ist Weiß, wie das Funkeln des Polarsterns in einer klaren Winternacht. Das dazugehörige Element ist die Luft. Die Himmelsrichtung ist Norden.

Frühling – Schild des Mysteriums von Geburt und Tod
Die Qualität des Frühlings ist die Energie des Unerwarteten. Überall wird aus Tod geglaubtem Neues geboren. Wir dürfen staunen und uns am ersten zarten Grün erfreuen. Dieses Schild verkörpert die Energie des Aufbruchs, des Durchbruchs und der Zuversicht. Wie schon Hermann Hesse erwähnte, dass jedem Anfang ein Zauber inne wohne. Dieser Anfängergeist steht symbolisch für die Erneuerung des Alten. Die zentralen Themen des Frühlings-Schildes sind das Loslassen, Erwachen und Hingabe. Ein passendes Bild ist die Knospe, die den Winter überdauert hat und jetzt anfängt zu blühen. Die Farbe des Schildes ist Gold (Gelb) wie das Symbol der aufgehenden Sonne. Das Element ist Feuer.

Gleichgewicht in allen vier Schilden
Wir tragen die Anteile des inneren Kindes, des Jugendlichen, des tatkräftig handelnden Erwachsenen und ebenso die Ältestenenergie in uns. Alle diese Qualitäten sollten in unserem Leben ausgewogen sein, so wie ein austariertes Floss ruhig auf dem Wasser liegt. Betrachten wir die „Vier Schilde“ als einen Kreis mit vier Quadranten, so ruhen wir im Idealfall in der Mitte, die gegenüberliegenden Qualitäten sind im Gleichgewicht. Nehmen wir noch die vertikale Achse hinzu, so erhalten wir eine dreidimensionale Betrachtungsweise, die ein ganzheitliches Verstehen der in uns ablaufenden Prozesse in seiner ganzen Tiefe ermöglicht, wie ein Baum mit seinen Wurzeln, seinem Stamm und seiner Krone. Das Modell der „Vier Schilde“ hilft Menschen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Die Intension dieses Modelles ist eine Stärkung der jeweiligen Schilde. Sollte ein Schild überentwickelt sein, wird das gegenüberliegende Schild gekräftigt, um die Balance wieder herzustellen. Das Alleinsein in der Natur, die konkrete Erfahrung draußen, ermöglicht Hinweise auf unsere innere Verfassung und unseren weiteren Weg.



Der Autor Armin Otto war Projektmanager. Seit 2008 eigene Visionssuche auf El Hiero; anschließend Ausbildung im Eschwege Institut und School of lost borders (USA); seit 2010 selbstständig als Initiatischer Prozessbegleiter, Seminar- und Visionssucheleiter. Im März 2017 ist ein Visionssucheseminar auf Gran Canaria geplant.

Quellen:
Jack Zimmermann/Virginia Coyle: Der Große Rat - Das Council – mit dem Herzen hören und sprechen, den Kreis erweitern; Arbor Verlag
Marascha Daniela Heisig: Sinn finden in der Natur - Heilsame Rituale für Lebensübergänge; Patmos Verlag
Robert Bögle/Gesa Heiten: Räder des Lebens; Drachen Verlag
Steven Foster/Meredith Little: Die Vier Schilde - Initationen durch die Jahreszeiten der menschlichen Natur; Arun Verlag


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