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Ausgabe November/Dezember 2016
Mit Heilpflanzen durch das Jahr 2016. 11: Johanniskraut

Beitragsreihe von Cornelia Titzmann, Heilpraktikerin und Dozentin für Phytotherapie

Hypericum, und Präparate daraus, sind wirklich eine der am häufigsten verarbeiteten und beworbenen Pflanzen in Europa. Fast jeder kennt die empfohlene Anwendung als stimmungsaufhellendes Mittel oder zum besseren Schlafen. Ich möchte ein bisschen tiefer graben. Das echte Johanniskraut, Hypericum perforatum, wird auch Sonnenwendkraut, Tüpfelhartheu oder Blutkraut genannt. Es gehört zur Familie der Guttiferaceae, der Hartheugewächse. Beim Trocknen werden die Stängel sehr hart und pieken durch die Heuballen. Von Tieren werden sie auch nicht so gerne gefressen. Die Blätter der Pflanze haben kleine Öldrüsen, die durchscheinend wirken, daher der Name perfoliatum oder perforatum (durchbohrt), wie in einigen Büchern zu finden ist. Die zur Sommer-Sonnenwende blühenden gelben Blüten liefern beim Zerquetschen einen roten Farbstoff (Hypericin). Die Pflanze ist eine stark „mythische“, mit zahlreichen Legenden und Geschichten behaftet und wird schon seit früher Zeit als Ritualpflanze verwendet. Die weiteren Inhaltsstoffe des Johanniskrautes sind vielfältig: ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Spurenelemente und mehr. Doch was macht sie nun eigentlich im menschlichen Körper? Sie verstärkt die Lichtempfindlichkeit und dadurch erklärt sich die Anwendung gegen depressive Verstimmungen. Sie bringt Licht ins Dunkel. Die Verarbeitung des Hypericin in der Leber soll auch für die Wirkungseinschränkung bei anderen Medikamenten verantwortlich sein. Neuere Studien zeigen jedoch, dass nur wenige andere Medikamente davon betroffen sind.
Früher wurde die Pflanze vorwiegend als Wundheilmittel verwendet. Äußerlich bei Verbrennungen und schlecht heilenden Wunden, innerlich bei Entzündungen des Darms (Enteritis, Colitis, Morbus Crohn, sogar begleitend bei Infektionskrankheiten wie Cholera, Ruhr und Thyphus). Als Arnika der Nerven bezeichnet, wird sie sowohl in der Homöopathie wie auch in der Phytotherapie zur Linderung von Schmerzen genutzt. Dazu zählen Ischiasbeschwerden, Migräne, Wund-und Nervenschmerzen nach Operationen, Brüche, Schock und Traumata. Schon Paracelsus lobte sie zur Heilung von „tollen Phantasien“ und empfahl sie bei nervlich bedingter Schlaflosigkeit. Auf dem Markt befinden sich vorwiegend standardisierte Präparate (empfohlene Tagesdurchschnittsdosierung: 450mg Hypericin).

Anwendungstipp
Wintertee an dunklen, kalten Tagen: 1 Teelöffel Johanniskraut (Apotheke) auf eine große Tasse kochendes Wasser 10 Min. ziehen lassen. Darf mit Honig gesüßt werden. Ist auch in einer Mischung mit Melisse, Holunderbeeren und Gänsefingerkraut (zu gleichen Teilen) sehr köstlich.


Die Autorin Cornelia Titzmann ist Heilpraktikerin mit eigener Praxis. www.corneliatitzmann.de


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