aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe November/Dezember 2016
Umarme dein Potenzial. Von Dasho

Unser Potenzial und Erbe liegen manchmal nicht nur in diesem Leben ganz eng beieinander, sondern können manchmal durch Raum und Zeit über viele Leben verbunden und unerlöst sein.

„Ich lerne, indem ich gehe, wohin ich gehen muss“, sagte einst Rumi und beschrieb damit sowohl die notwendige Hingabe - oft das Aufgeben unserer persönlichen Vorstellungen, Ideen und Pläne - als auch, dass sich uns Bestimmungen im lauschenden Gehen oder besser gesagt im Gegangen-Werden offenbaren.
Jeder von uns kennt Momente, in denen etwas nicht nach unserer Nase geht und es sich dann später herausstellt, dass dadurch etwas anderes möglich wurde oder auch glücklicherweise nicht geschehen ist. Es scheint, als wäre das Potenzial etwas, das zwar in uns als Same vorhanden ist, aber durch verschiedene Qualitäten und Bedingungen erst zum Erblühen gebracht wird.
Ein Coach hatte mir einmal ein Aha Erlebnis beschert, als er sagte „Unser Potenzial erkennen wir ganz oft nicht als unser Potenzial (an), weil es ebenso oft eine für uns sehr natürliche und selbstverständliche Gabe ist“. Das machte ganz doll klick in mir und ich spürte eine Energie, die am Forschen war, was dies sein könnte, denn zu dieser Zeit steckte ich dermaßen fest in meiner eigenen Entfaltung, wie seit meinem Hadern mit meiner Bestimmung als Seelenschmelzer nicht mehr.
Zu dieser Tatsache, dass wir manchmal wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, kommen bei vielen Menschen Prägungen und Erlebnisse auf dem Lebensweg, die, wie meine Lehrerin einst veranschaulichte, sich Schicht um Schicht über dieses Potenzial, über unseren Ur-Kern legten und uns ein unmittelbares Erleben und Zugreifen auf unser Potenzial verwehren.

Sehnsucht und Angst vor dem Potenzial
Die Arbeit beginnt also - und da gibt es aus meiner spirituellen Lebens- und Praxiserfahrung zwei ganz wichtige Seiten zu be(tr)achten. Zum Einen ist da die Seite, von der meine Lehrerin sprach, Verletzungen, Missachtung, Nichtachtung, Verstrickungen etc., die unseren inneren Schatz verdecken und dann gibt es da eine Seite, die fast genauso stark, individuell auch manchmal viel stärker in den Entfaltungsfokus gebracht werden muss und zwar ist dies die Angst vor dem Augenblick, wo sich das Potenzial voll zeigt bzw. die Angst vor dem Potenzial selbst. Das scheint paradox, Sehnsucht und Angst gehen da Hand in Hand.
Dieses Paradox hat häufig auch mit dem zu tun, was uns an Verdeckungsschichten widerfahren ist, aber vielmehr, und da kommt jetzt die schamanische und kosmische Hinwendung hinzu, ist dies ganz oft mit vergangenen Leben verknüpft, wo etwas, was mit dem Urpotenzial zu tun hatte, so traumatisch und unerlöst erfahren wurde, dass Seele einfach davor warnt. Und dieses Warnen kann so subtil geschehen, dass wir es noch nicht einmal fassen können - oder es wird deutlich offenbar durch Unfälle, durch Selbst- und Fremdsabotage, durch wiederkehrende Schleifen des Erlebens.

Tuchfühlung mit Ja und Nein
Unser Potenzial zu entfalten braucht daher ein Feld des Forschens, des Erkennens, der Weite und der Bejahung. Letzteres meint aber auch die Bejahung unserer Widerstände, Rückschläge, des Zögerns, des Nicht-Wollens - denn ALLES davon steht bereits in Tuchfühlung mit dem „Dahinter“.
Ein Beispiel aus meinem Lebens- und Entfaltungsweg: Ich hatte 2002 meine Seelenschmelze-Praxis eröffnet und arbeitete vorwiegend schamanisch oder mit Energiewegen meines Meisters Michael Barnett. Das Schamanische war nach meinem ersten großen Durchbruch zu vergangenen Leben soweit befreit worden, dass ich wieder Ja sagen konnte zu dem Dienen der Menschheit auf diese Weise. Irgendwann verwandelte sich meine Praxis, ich trennte mich innerlich und äußerlich von meinem schamanischen Weg, verschenkte fast alle meine Ritualwerkzeuge und spürte, dass ich auch ohne das ganze „Zeug“ den Seelen tief und gut dienen kann. Es lief auch einige Jahre weiterhin gut, bis ich 2012 eine schwere Depression erschuf - die berühmte Schamanenkrankheit, wie sich später rausstellte. Ich schaffte es, dass meine Praxis fast plötzlich gar nicht mehr besucht wurde. Ich war total hilflos, hatte keine Ahnung, warum dies gerade geschah, noch, was die Botschaft davon sein sollte. Als meine Verzweiflung so groß war, dass ich unter vielen Tränen mich mit dem Gedanken befasste, die Praxis schließen zu müssen, traf ich auf einen Heiler, der sich von meinen Erscheinungen und Symptomen nicht abbringen ließ. Er startete mit mir die Forschung und Potenzialentfaltung auf eine mir damals vollkommen unbekannte und noch nicht erfahrene Weise.

Andere Wege gehen
Bisher kannte ich „nur“ die direkte Konfrontation und Ergründung, was dem vielleicht noch an Schichten über meinem UrKern im Wege stehen könnte. Und diesen Ansatz braucht es auch ganz entscheidend bei der Potenzialentfaltung. Aber nach 20 Jahren tiefster Auseinandersetzung, Reflektion, Heilarbeit und Transformation mit meinem Wesen und den Prägungen, bemerkte er, dass jetzt damit auch endlich mal gut sein müsse und wir anders rangehen wollen. Und dann kam der entscheidende Satz von ihm, der diesen von mir anfangs erwähnten Horizont eröffnete - er sagte sinngemäß „Was für ein großes Potenzial muss in dir vorhanden sein, dass du eine seit Jahren gut laufende Praxis plötzlich fast auf Null fährst. Verstehst du, wenn da keine so immense Kraft dahinter wäre, müsstest du auch nicht so stark dagegen wirken!“ Und in mir blitzte es auf, nicht, dass ich plötzlich eine Lösung sah, noch, dass ich aus der Depression rauskam, aber es gab eine Ahnung von der Stimmigkeit, was er da sagte.

Ein zaghaftes Ahnen
Und genau diese Ahnung ist es, was ich in meiner Arbeit immer als „Du bist bereits in Tuchfühlung“ nenne. Und diese Energie, dieses Bewusstsein, was er damals in mir ankratzte, leicht erweckte, begann zu wirken. Es dauerte zwar noch ein halbes Jahr intensivster Begleitung, aber dann machte es fast plötzlich plopp. Ich erkannte, dass ich den vor Jahren verbannten Schamanismus wieder zurückholen musste - zuerst zu mir und dann auch in die Praxis. Irgendeinen Sinn hatte die Verbannung ganz sicher, denn mit wieder erwachendem Schamanenbewusstsein und Erinnern in mir merkte ich, dass die zwischenzeitlichen Jahre meine Gaben fast im Untergrund, für mich unbemerkt, verfeinert und vertieft hatten. Und der Heiler hatte ins Schwarze getroffen: Das, was ich damals in der Tat, für mich ungreifbar und unahnbar fürchtete und warum ich meine Praxis beinahe schließen musste, war eine unendliche, gebündelte Mystik ganz vieler Heiler-Vorleben, die sich durch mich ausdrücken wollte.

„Sie“ kamen zurück
Aus der heute befreiten und erlösten Sicht und Gabe kann ich erkennen, dass meine Seele so unendlich uralt ist und schon so oft auf heilerische, magische und mystische Weise wirkte und diente, dass seit dem Durchschreiten und Meistern der schweren Depression nicht nur die Arbeit wieder zu fließen begann, sondern sich auch die Gabe in einer unvorstellbaren Weise offenbarte: Ganz konkret haben in meine Seele diese Wesen(santeile) wieder heimgefunden: ein Schamane Nordamerikas, der Mongolei und Inuits, ein Sangoma aus Afrika, ein Kenpo aus dem alten Bön-Tibet, ein Heiler aus Italien und der Maoris sowie auch ein japanischer Samurai. Wenn man sich allein diese ganzen Leben vorstellt, die Erfahrungen, Gaben und das Heilwissen, was in ihnen gesammelt wurde und noch die traumatisierten, unerlösten Anteile dazu, dann wird deutlich, welch einem Erbe ich damals gegenüberstand und welches mit den Resten meiner Widerstände gerungen hat, auf dass der Same aufgehen kann. Und ich bin unendlich dankbar, dass dieses Ringen damals geglückt ist und ich heute aus diesem großen Erbe schöpfen und den Menschen dienen kann, die zu mir finden und nicht zuletzt auch mir selbst in den Abenteuern des Lebens und des spirituellen Pfades! Danke - es hat sich gelohnt!


Der Autor Dasho arbeitet mit Menschen und ihren Seelen in seiner von ihm “Seelenschmelze” genannten Arbeit. Er gibt Einzelsitzungen, Seminare und offene Seelenschmelze-Kreise in seiner Berliner Praxis. www.dasho.de


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.