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Ausgabe September/Oktober 2016
Was ist Achtsamkeit? Von Patrizia Collard


Achtsamkeit heißt, jeden Moment bewusst wahrzunehmen, ohne ihn zu bewerten. Wenn wir z. B. achtsam spazieren gehen, erstellen wir unterwegs keine To-do-Listen, sondern nehmen alles genau wahr, jedes Detail – Bäume, Autos, ein Blümchen, das aus einem Riss im Asphalt wächst, die Katze, die über die Straße huscht. Indem wir uns mit diesen einfachen Dingen verbinden und buchstäblich Augenblick für Augenblick leben, entdecken wir ganz neuen Frieden, neue Freude. Und lassen uns, wenigstens für einen Moment, wieder vom Leben verzaubern. Als Therapieform ist Achtsamkeit zurzeit schwer angesagt und wird z. B. vom britischen Gesundheitsministerium empfohlen. Viele sehen darin eine günstige, effektive und leicht anwendbare Methode gegen Stress, die bei täglichem Einsatz einem Zusammenbruch vorbeugen und Krankheiten verhindern kann.
Für den Fall, dass Sie sich eingehender mit dem Thema befassen möchten, gibt es mehr als 10 000 Studien über achtsamkeitsbasierte Therapien, die Sie konsultieren können. Und im Internet finden Sie auch Videos dazu. Achtsamkeit hilft in vielen Lebenssituationen. Deshalb wird sie z. B. in der Elternberatung empfohlen, bei der Behandlung psychischer Erkrankungen sowie in Schulen eingesetzt und im Rahmen von Wellnesskuren. Auch bei der Stärkung des Immunsystems kann Achtsamkeit eine wichtige Rolle spielen; positive Auswirkungen zeitigte sie sogar schon bei Patienten mit HIV, chronischer Erschöpfung und MS.

Nutzen der Achtsamkeitspraxis
Die regelmäßige Anwendung von Achtsamkeitsübungen kann physisch und psychisch dauerhaften Nutzen bringen, zum Beispiel: mehr Ruhe und Entspannung, mehr Energie und Lebensfreude, ein höheres Maß an Selbstvertrauen und -akzeptanz, geringere Anfälligkeit gegenüber Stress, Depression, Angst, chronischen Schmerzen, Suchtverhalten und Immunschwäche und nicht zuletzt mehr Mitgefühl mit sich selbst und anderen Menschen, aber auch mit unserem Planeten

5 Minuten: Den Atem wecken
Diese wichtige Übung intensiviert das Atmen, stärkt und macht uns hellwach, damit wir dem Tag voller Selbstvertrauen und innerer Ruhe entgegensehen können. Wenn Sie mögen, dürfen Sie sie auch im Sitzen durchführen, auf einem Stuhl oder dem Fußboden.
Nehmen Sie die Berghaltung ein. Die Wirbelsäule ist aufgespannt, die Füße stehen hüftbreit auseinander. Ihre Arme hängen mit den Innenflächen nach vorn locker an den Körperseiten herab, sodass die Daumen nach außen zeigen.
Beim Einatmen heben Sie langsam die Arme, bis Ihre Handflächen über dem Kopf zusammentreffen. Während Sie langsam ausatmen, bringen Sie die Arme allmählich wieder in die Ausgangsposition zurück. Können Sie den Atemprozess vielleicht noch etwas intensivieren und verlängern? Versuchen Sie, auch die Atempausen zu erspüren.
5 – 8 Wiederholungen.


Dr. Patrizia Collard ist Psychologin, Psychotherapeutin und Lehrbeauftragte an der University of East London. Zur Achtsamkeitstrainerin wurde sie u.a. ausgebildet von Jon Kabat-Zinn. Sie hält regelmäßig erfolgreiche Achtsamkeits-Seminare in London, Wien und Slowenien ab.

Buchtipp:
Patrizia Collard, Das kleine Buch vom achtsamen Leben - 10 Minuten am Tag für weniger Stress und mehr Gelassenheit, 96 Seiten, 7,99 € , Heyne Verlag 2016


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