aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Juli/August 2016
Beitragsreihe 2016 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Barium carbonicum. Das gestörte Selbstbild


H. Schäfer: Um welches Mittel geht es heute?
Andreas Krüger: Heute geht es um Barium carbonicum oder die Wahnidee des Hässlichen oder die Wahnidee, der Penis sei zu klein oder die Wahnidee, dumm zu sein. Wirklichkeit entsteht zum großen Teil durch unsere Schöpferkraft und die Gedanken, die wir denken, und die sich dann als Wirklichkeit manifestieren. Es gibt viele Methoden, die uns beibringen, durch positive Gedanken oder Meditationen oder durch Loslösung von negativen Gedanken neue Wirklichkeiten zu erschaffen – sei es durch ATA oder EFT. Aber trotzdem erleben wir immer wieder Menschen in der Praxis, die versuchen, positiv zu denken, aber deren Wirklichkeit trotz intensivster Bemühungen unverändert statisch schlecht bleibt. Und da erleben wir oft die Gnadenwirkung der Homöopathie, die nach den rechten Symptomen, sprich nach der Seele des Patienten gegeben wird, sich wie ein Troyaner in das System des Patienten einschleicht, alle Firewalls des Patienten umgeht und irgendwann mal an den Chip gerät, der für die Verleugnungen verantwortlich ist und den einfach löscht. Ich habe es erlebe, dass ein Patient nach der Einnahme eines homöopathischen Mittels nach vier Wochen wieder kommt und sagt: „Krüger, ich verstehe das nicht. Ich habe diese Gedanken seit 30 Jahren und ich weiß, wo es herkommt, ich habe es mit ATA probiert, 17 Mal aufgestellt, 100 Stunden EFT gemacht – trotzdem half nix. Aber seitdem du mir diese Kügelchen gegeben hast, ist der Gedanke einfach weg.“

Das Wunder der Homöopathie.
Manchmal ja, manchmal auch nicht. Ich habe auch mit ATA oder EFT oder Joe Dispenza Meditationen solche Wunder erlebt, aber eben oft genug, wenn andere Methoden versagen, mit Homöopathie. Eines dieses Wundermittel ist Barium carbonicum. Es ist das wichtigste Mittel für Menschen, die entgegen allen objektiven Wirklichkeiten die Wahnidee haben, sie sind hässlich, sie sind ungenügend, sie sind dumm, sie sind ungebildet. Es ist unvorstellbar, wie viele Menschen in unserer Gesellschaft als Kernprogramm diese Überzeugung haben und deren ganzes Leben von dieser Überzeugung geprägt wird. Und das Verheerende an unserer Schöpferkraft ist ja, dass sie dann ihre Umwelt delegieren, um immer wieder zu beweisen, dass diese Überzeugung stimmt.
Ganz oft liegen diese Gründe in der Kindheit, wo die Eltern nicht ermutigend oder sogar lobend waren. Was ich auch oft erlebt habe ist, dass Eltern den Kindern vermittelten, hässlich zu sein und sowieso keinen abzubekommen: „Wer dich nimmt, hat doch einen Sehfehler.“ Das sind O-Töne von Eltern, wo ich mich frage, welche sadistischen Quälgeister müssen in diesen Eltern gesteckt haben, dass sie ihren Kindern so etwas sagen konnten. Aber meistens sind es Menschen, die selbst als Kinder keine Bestätigung erhielten und deswegen unfähig waren, ihren Kindern Liebe und Wertschätzung entgegen zu bringen.

Haben Sie persönliche Erfahrungen?
Ich habe eine Beziehung zu einem Menschen, den ich sehr liebe, den ich sehr wertschätze und den ich sehr schön finde und dieser Mensch hat genau das Gegenteil in seiner Kindheit erfahren: Du bist hässlich und du bist eine Zumutung. Solche Menschen tun sich schwer, Wertschätzung in einer Beziehung anzunehmen und gleichzeitig die Wertschätzung zurück zu geben. Das stimmt aber nicht – wir müssen Wertschätzung nicht 1 zu 1 zurückgeben. Von Bert Hellinger habe ich gelernt, dass ich für das, was ich bekomme, danke.

Barium Carbonicum hat also ein schlechtes Selbstbild…
… und wird bei Wertschätzung aggressiv und dann wird die Schuld so groß, dass man in eine Situation von Schwäche gerät, so dass aus der Schwäche Zorn wird, um aus der Schuld rauszukommen. Der Ausbruch aus diesem Dilemma ist Barium carbonicum, um diesen „ich bin es nicht wert, wertgeschätzt zu werden“-Chip zu löschen und man sich einfach über die Wertschätzung freuen kann, selbst wenn man es nicht eins zu eins zurückgeben kann. Viele Streitigkeiten, Beziehungsdramen und Distanzierungen wären vermeidbar, wenn wir uns so wert fühlen, geliebt und wertgeschätzt zu werden, wie unser Gegenüber es tun kann. Wenn ich aber den Chip habe, dass ich hässlich bin und mir jemand sagt, wie schön ich bin, komme ich in eine nicht ausgleichbare Schuld, weil ich es nicht nehmen und damit nicht danken kann und muss dem anderen eins auf den Deckel hauen.

Gibt es eine Empfehlung außerhalb der Homöopathie?
Es gibt ein wunderbares Buch für Barium carbonicum: „Die Entdeckung der Langsamkeit“. Das Buch hilft anzunehmen, nicht dumm zu sein, sondern einfach eine andere Zeitqualität zu haben. Ein passender Film ist auch „Forrest Gump“, der ja eigentlich ein Buddha ist, aber für viele galt er als dumm und geistesbehindert. Aber das war er nicht. Er hatte einfach eine andere Form von Wahrnehmung.

Haben Sie ein konkretes Beispiel aus Ihrer Praxis?
Ich hatte einen Patienten mit Potenzproblemen, der immer dafür gesorgt hat, dass ihn seine Liebespartnerin nie nackt sieht, weil er sich dafür geschämt hat, dass sein Penis im nicht erigierten Zustand zu kurz ist. Im Repetitorium finde ich als einziges Mittel Barium carbonicum. Als ich ihn fragte, wo er die Idee her hatte, kam nicht etwa heraus, dass eine Frau dahinter steckte – ich weiß, dass Frauen mit drei demütigenden Worten einen Liebhaber demontieren können – aber das war nicht der Fall. Dieser Mann war ganz jung in einer Fußballmannschaft und eines Tages war beim Duschen das Warmwasser weg. Männer haben entweder einen relativ großen Fleischpenis oder aber einen kleinen Blutpenis, der erst im erigierten Zustand relativ groß wird. Dieser Mann hatte einen klassischen Blutpenis und der verschwindet unter kaltem Wasser, so dass seine Kameraden brüllten: „Mädchen, Mädchen, Mädchen.“. Ab diesem Tag hatte dieser Mann niemandem mehr seinen Penis gezeigt. Er hatte Psychotherapie, Familienaufstellungen und auch Homöopathie hinter sich. Ich habe ihm Barium carbonicum gegeben, ohne zu glauben, dass eine Störung so schnell heilbar ist. Er kam nach vier Wochen wieder und sagte: „Was hast du gemacht? Ich war mit meiner Freundin zusammen, alles war schön, es war dunkel und auf einmal macht die das Licht an und ich lag breitbeinig in meinem Bett, postkoital oder wie Frauen manchmal sagen „lummelig“ und alles war in Ordnung.“

Treffer! Noch ein Beispiel?
Mir fällt der Fall einer jungen Frau ein, die bildschön war und zu mir kam mit dem Bild, dass ihre 20 bisherigen Beziehungen alle schrecklich waren, weil sie geschlagen und misshandelt wurde. Und dann sagt diese Frau – und mir ist fast das Herz zerbrochen – „es ist ja nicht verwunderlich, so wie ich aussehe.“ Wie bitte? Ich habe sie genommen, vor den Spiegel gestellt und gefragt: „Siehst du, was ich sehe?“ Sie sagte, dass sie alle Spiegel in ihrer Wohnung abgenommen hat, weil es so schrecklich war, sich anzugucken. Sie war eine wunderhübsche Türkin. Als ich nachforschte, kam heraus, dass ihr Vater anfing, sie zu verspotten als sie zu einer attraktiven Frau heranwuchs. Ich habe das bei Vätern erlebt, die tendenziell inzestuös sind und von der erblühenden Schönheit ihrer Töchter bedroht werden und ihnen dann erzählen, wie hässlich sie sind. Sie hatte also den Glaubenssatz „ich darf nicht schön sein, denn sonst bin ich bedrohlich.“ Ihr habe ich Barium carbonicum gegeben und vier Tage später hat sie die Spiegel wieder in ihrer Wohnung aufgehängt. Es hat eine Woche gedauert, bis sich ein Mann kopfüber in sie verliebt hat und ihr jeden Tag von morgens bis abends erzählte, wie schön sie ist.

Fazit?
Barium carbonicum, damit wir lernen, uns loben zu lassen, damit wir sehen, wie schön wir wirklich sind und um zu begreifen, dass es keine Normen von falscher oder richtiger Geschlechtlichkeit gibt, sondern dass alles individuell und in Ordnung ist. Mögen alle Menschen ihre Schönheit entdecken, denn „in Schönheit werden wir siegen“.

Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Sein Buch „Heiler und heiler werden – Gespräche über die Heilkunst“ erschien im Verlag Simon + Leutner. Weitere Informationen: www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.