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Ausgabe Mai/Juni 2016
Beitragsreihe 2016 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Acidum muriaticum, "Friedensarbeit"


H. Schäfer: Die europäische Welt ist entsetzt über die Terroranschläge, die uns in immer kürzeren Abständen betreffen. Kann man aus homöopathischer Sicht etwas dazu sagen?
Andreas Krüger: Es ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft für sehr viel Angst, für viel Verwirrung und auch für viel adäquate Gegenreaktion verantwortlich ist – nämlich die Angst vor Terror, die Angst vor Andersartigkeit, die Angst vor dem islamischen Staat, die Angst vor allen dunkelhäutigen Menschen und die Angst, dass in Berlin morgen 50 Bomben hochgehen. Bevor ich mich diesem Thema homöopathisch und ATA-technisch nähere, möchte ich natürlich vorausschicken, dass ich überhaupt kein Befürworter von bewaffneter Gewalt, Terror oder Fundamentalismus bin – ganz im Gegenteil habe ich gegen diese Dinge gekämpft und agitiert und entgegen geliebt. Ich bin fest davon überzeugt, dass es die Pflicht einer Gemeinschaft ist, sich gegen solche Kräfte zu verteidigen. Andererseits bin ich mir natürlich im Klaren, dass viele dieser Probleme selbst erschaffen sind wie Kolonialismus, Ausbeutung oder Waffengeschäfte, aber das wird ja von vielen kritischen Medien beleuchtet.

Was können wir tun?
Wieder mehr mit der Kraft in Kontakt kommen, von der Buddha sagt, dass sie die einzige Kraft ist, die heilt: mit der Liebe. Ich kann Gefühle wie Hass, Rache und Verzweiflung verstehen, aber sie sind eben überhaupt keine Lösung. In den letzten Wochen kamen viele Patienten, die sich kaum mehr auf die Straße trauten und für die eine Kebab-Bude ein Ort erhöhter Terrorbereitschaft darstellte. Das waren alles ganz „normale“ Menschen – wahrscheinlich eher ohne islamische Freunde – und trotzdem werden sie in diese Ängste oder reaktiven Aggressionen hineingetrieben. Wenn ich dann diese Menschen von einem meiner Medien testen lasse, komme ich in 90% aller Fälle in nachvollziehbare, aber selbst für mich als altem Schattenkrieger zu einem überraschenden Ergebnis. Die testen Schatten-ATA, Antidelegations-ATA und Schattenorientierte Homöopathie. Wenn ich mir die Fälle schattenorientiert homöopathisch angucke und im Repetitorium schaue: „Wer hat Angst vor Terror oder einem Terrorregiem, d.h. bei wem sind diese Themen in seinem Schatten vorhanden? Wer war in seinem früheren Leben Terrorist oder KZ-Aufseher?“, dann finde ich das Mittel der Salzsäure – acidum muriaticum. Das Interessante ist, dass die Menschen nach der Mittelgabe ganz oft träumen, dass sie selbst ein Terrorist sind. Und dann entsteht im außen auf einmal eine Entspannung und auch eine politische Objektivität, die dann wieder für Lösungen offen ist und nicht sofort afd wählen muss. Ich glaube fest daran, dass die Homöopathie nicht nur den Einzelnen heilt, sondern durchaus in der Lage ist, auf kollektive Systeme Einfluss zu haben. Seit der Quantenphysik wissen wir, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in China in San Franzisco ein Erdbeben auslösen kann.

Was ist der Unterschied zu natrium muriaticum?
Die meisten von uns kennen natrium muriaticum als Mittel für tiefe Trauer und bei acidum muriaticum ist das alles noch mal quadratiert: Da ist alles sauer, die Acidose zerfrisst den Leib, alles löst sich auf und alles ist brutal. Leitsymptom ist die Angst vor dem Fremden, was schattenorientiert bedeutet, dass man Angst vor dem Fremden in sich hat – mein Fremdes macht mir Angst und ich projiziere auf andere, wovor ich eigentlich Angst habe. Wir haben das Thema der Selbstzerfleischung, der Selbstbestrafung, das Thema der Liquidierung und das Thema der Folter. Fragen unter gesamtgesellschaftlichen Aspekten sind: Wo kommt der Terror her? Wo kommt die Folter her? Was hat der Westen mit diesen Ländern, wo jetzt der Terror zu uns kommt, die letzten 100 Jahre gemacht – wie viel Folter haben wir dahin gebracht? Und wenn uns heute eingehämmert wird, die Islamisten sind Schuld, dann kommen wir in einen solchen acidum muriaticum-Zustand.

Was passiert mit den Menschen, denen Sie acidum muriaticum geben?
Man könnte sagen, sie erleben ähnliche Gefühle wie in einem Ghetto in Beiruth, wo heute noch verkrüppelte Babys geboren werden. Außerdem kommt eine tiefe Todessehnsucht ans Licht. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Mensch, der glücklich empfangen und ausgetragen worden ist, der gewaltfrei geboren wurde und der dann berührt und gestreichelt wird, kein Mörder oder Terrorist werden kann. Das Schöne ist, dass acidum muriaticum als Leitsymptom die Besserung durch Berührung und vorsichtigem Streicheln hat. Meine Tochter erzählte einmal von ihrem Praktikum in einem Kindergarten, in dem viele Kinder fundamentalistische, arabische Eltern hatten und wo Kommunikation einfach nur über Gewalt ablief. Die Jungs hauten die Mädchen und die wichtigsten Schimpfworte waren „schwul“ und „Jude“. Sie war wohl die erste blonde Frau in diesem Kindergarten und da sie eine schöne klare Energie hat, scharten sich die Mädchen um sie, um Schutz zu suchen. Und es hat nicht lange gedauert, bis auch die Jungs kamen und sich an sie drückten und von ihr gestreichelt werden wollten. Alleine die Kultur der Berührung hat in diesem Kollektiv sehr viel Frieden geschaffen. Wenn wir zurückschlagen, zurückbomben, zurückfoltern, eskalieren wir alles und deswegen denke ich, dass es so wichtig ist, dass wir nicht verzweifeln, sondern mit dem Wissen um die Quantenmechanik bei uns anfangen und unseren Terroristen annehmen und dass wir uns die Berührungen geben, die wir brauchen.
Sie haben vorhin von Schatten-ATA gesprochen. Können Sie das näher erläutern.
Es ist eine ganz einfache Übung, bei der ich so tue, dass ich der Schöpfer meiner Realität bin und wenn ich merke, dass mich bei anderen etwas in Hass und Widerstand treibt, dass ich diejenigen delegiert habe, weil es in mir nicht so sein darf. Man könnte sich also hinsetzen – und das wäre meines Erachtens wirkliche Friedensarbeit – sich ATA-technisch klopfen und sagen: „Ihr lieben Islamisten und Terroristen, ich ehre euer schweres Schicksal und ich ehre euch zu dem, was ihr heute seid. Aber ab heute will ich für meinen Teil alle Delegationen von euch nehmen, dass ihr mir meinen Schatten spiegeln müsst, der bei mir nicht mehr da ist und darum nehme ich ihn von euch zurück, in mein System hinein und korrigiere es zu 100%: euren Hass: Ypsilon, Ypsilon, korrigiere; eure Verzweiflung: Ypsilon, Ypsilon, korrigiere; euren totalen Widerwillen gegen westliche Kultur: Ypsilon, Ypsilon, korrigiere; eure Verachtung Frauen gegenüber: Ypsilon, Ypsilon, korrigiere. Alles das, was ich dort ganz schrecklich finde, nehme ich als mein Schattenhaftes an, integriere, heile und korrigiere es.

Geht das auch mit anderen „Baustellen“?
Das geht mit dem bösen Nachbarn und das funktioniert mit dem gewalttätigen lycopodischen Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit. Und wenn man dann noch einen Schritt weiter gehen will, dann kann man etwas machen, von dem Vyvamos sagt, es ist das Schöpferischste überhaupt: Man kann eine Dankes-ATA für den Islam machen, indem man für alle Dinge dankt, die im Islam wunderbar sind: „Mein lieber Islam, ich gebe dir die Ehre und verneige mich vor dir. Ich danke dir für diesen wundervollen Rumi und seine hervorragende Liebesmystik. Ich danke dir dafür, dass du im Mittelalter der Ort Europas warst, wo Juden und Christen frei leben durften. Ich danke für die inspirierenden Impulse für Philosophie und Medizin.“ Vyvamos sagt, dass sich alles, wofür wir danken, quadratiert. Wir können also zum einen den Terror in uns annehmen und ihn in uns heilen und dann können wir das, was an dieser Religion wunderbar ist, quadratieren, indem wir dafür danken.
Diese Gedanken würde ich gerne mit den Lesern der KGS teilen, weil ich glaube, dass wir hier eine Nische haben, wo wir im besten Sinne des Wortes Friedensarbeit machen können – abgesehen davon, dass wir alle politischen Kräfte unterstützen sollten, die nicht Drohnen und Bomben auf all das Schreckliche werfen wollen, sondern dass die Probleme vor Ort gelöst werden müssen…

Abschlusssatz?
Rettet die Zärtlichkeit!


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Sein letztes Buch „Heiler und heiler werden – Gespräche über die Heilkunst“ erschien im Verlag Simon + Leutner, 2013.

Buchtipp: Tiziano Terzani: Das Ende ist mein Anfang, Goldmann Verlag


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