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Ausgabe Mai/Juni 2015
Samadhi Einssein mit Gott. Von Christian Vanhauer



Wenn ich jemandem erzählen würde, ich hätte in einem vorübergehenden Samadhi-Zustand die Einheit mit Gott erfahren, so wäre das halb gelogen und halb die Wahrheit. Denn um Einheit mit Gott zu erfahren, muss sich der Bewusstseinsfokus, den wir „ich“ nennen, vollständig auflösen wie eine Salzfigur im Wasser. Ein Satz wie „ich war eins mit Gott“ wäre also schon deshalb nicht die ganze Wahrheit, weil auf der Ebene Gottes kein „ich“ existiert, das eine Einheit mit ihm behaupten könnte. Zudem verschwindet im Samadhi Zustand jegliche Wahrnehmung von Zeit, so dass auch die Vergangenheitsform des Wortes sein an dieser Stelle keinen Sinn ergäbe. Dennoch trifft es zu, dass das Salz der „Salzfigur“, die ich als „ich“ wahrnehme, seit der Erfahrung seiner Auflösung und erneuten Zusammensetzung eine Erinnerung an die unendliche Freiheit und Glückseligkeit Gottes in sich trägt. Als die einzelnen „Salzkristalle“ sich im göttlichen Ozean auflösten, löste sich gleich-“zeit“-ig (eigentlich müsste es heißen gleich-zeitlos) das gesamte Universum auf. In dieser Metapher besteht das gesamte materielle und spirituelle Universum aus Salz und die Erfahrung des Samadhi ist wie eine unendliche Welle, die alles mit sich fortspült und auflöst.
Alles, was übrig bleibt, ist Gott: Der Eine ohne ein Zweites. Unendlich und ewig glückselig in sich selbst. Nichts anderes existiert.

Nach der „Erleuchtung“
Die Erfahrung, durch die Wahrnehmung eines „ich“ wieder aus dem Zustand des Samadhi herauszufallen, fühlte sich an wie die Vertreibung aus dem Paradies. Mit jeder Wahrnehmung eines Gedanken, den dieses „ich“ erzeugte, wurde das Energieniveau niedriger und die Strukturen des Bewusstseins wurden enger und fester. Schließlich nahm ich meinen Körper wahr und die gesamte materielle Welt hatte sich anscheinend neu zusammengesetzt. Ich öffnete die Augen. Das erste Erlebnis dieser Art ist nun schon mehr als 4 Jahre her und die Integration dieser Erfahrung in mein Leben dauert bis heute an. Zu Beginn schien „trotz“ der Erfahrung des höchsten Bewusstseinszustands zunächst alles wie vorher zu sein. Ich hatte wohl übertriebene Vorstellungen und überzogene Erwartungen an die transformierende Wirkung einer solchen Erfahrung gehabt. Doch dann fiel mir auf, dass durch die Unfassbarkeit der Erfahrung für meinen Verstand tatsächlich eine andauernde Transformation meines Bewusstseins in Gang gekommen war.

Das Erwachen der spirituellen Kräfte
Ich habe festgestellt, dass durch meine „innige Beziehung zu Gott“ ein einziger Gedanke ausreichen kann, um bei anderen Menschen eine Heilung oder innere Verwandlung zu bewirken. Als ich 16 Jahre alt war, hatte mir ein erfahrener Hellseher aus der Hand gelesen, dass ich eines Tages „viele, viele Menschen heilen“ würde. Heute würde ich das ein wenig anders formulieren: Gott heilt die Menschen. Ich sage ihm nur, dass er es tun soll. Und unter Heilung verstehe ich nicht nur das Verschwinden von Krankheitssymptomen...
In meinen Augen hat ein gesunder Mensch mindestens einen Seelenpartner und ist grundlegend glücklich, da er hauptsächlich Dinge tut, die ihm Freude machen und seinem Leben einen Sinn geben. Ich persönlich glaube, dass jede Krankheit heilbar ist, egal in welchem Stadium. Die Voraussetzung für wundersame Heilungen ist allerdings die Bereitschaft, alles loszulassen, was der Heilung im Wege steht. Bei dem einen ist es vielleicht der blinde Glaube an „Naturgesetze“. Ein anderer muss vielleicht erst die Frau verlassen, die er gar nicht liebt, bevor Gottes Heilenergie wirken kann. Jeder Mensch ist anders...

Seelenpartner statt Guru
Mit Seelenpartner meine ich nicht die romantische Vorstellung einer Zwillingsseele, wie sie in esoterischen Kreisen kursiert. Außerdem muss ein Seelenpartner auch kein sexueller Partner sein, wie manche vielleicht denken. (Andersherum glaube ich aber, dass Sex mit einem Menschen, der kein Seelenpartner ist, die spirituelle Entwicklung enorm behindern kann.) Ein Seelenpartner ist ein Mensch, der mich voll und ganz versteht, so wie ich bin. Er kennt alle meine Geheimnisse, meine Schwächen und meine Sorgen, Ängste und Zweifel, behält dabei aber meine wahre Natur und mein volles Potential im Auge. Dadurch hilft er mir, mein Ego nach und nach loszulassen. Seelenpartner stellen sich gegenseitig die Frage: Bist das wirklich du? Ist es das, was du wirklich willst? Bist du dir selbst treu? Oder folgst du gerade fremden Ideen und Vorstellungen, die gar nicht deinem Wesen entsprechen?

Die Balance zwischen Dualität und Nicht-Dualität
Je mehr wir durch die Hilfe unseres Seelenpartners lernen, unser wahres Selbst wahrzunehmen und auszudrücken, desto stärker ist unser gesamtes Leben von der universellen Liebe geprägt, die uns durchströmt. Der stetig stärker werdende Strom der Liebe reißt nach und nach die Widerstände fort, die einem ungehinderten Fluss der Liebe im Wege stehen. Das Ego schmilzt also eher dahin, anstatt mit „Guru-Gewalt“ zerstört zu werden. Ein Seelenpartner kann uns außerdem davor schützen, verrückt zu werden, wenn wir spirituelle Erfahrungen machen, die unseren bisherigen Erfahrungshorizont sprengen. Ohne Seelenpartner sind Erleuchtungserfahrungen nicht sinnvoll, im Zweifelsfalle sogar gefährlich. Natürlich kann auch der Lehrer ein Seelenpartner sein. Aber wer kennt schon die Schwächen, Blockaden und Geheimnisse seines Meisters? Wenn die Seelenpartner Beziehung nur einseitig ist, besteht eine 99%ige Wahrscheinlichkeit, dass der Meister auf ein Podest gestellt wird. Die unrealistische Wahrnehmung des Meisters führt dazu, dass wir unrealistische Vorstellungen darüber entwickeln, wer wir selbst sind und wie wir uns ausdrücken wollen. Im schlimmsten Fall schadet uns eine solche Schüler-Lehrer-Beziehung mehr als dass sie uns nützt. Ein Seelenpartner hingegen ist immer auf gleicher Augenhöhe mit uns. Er erinnert uns daran, dass die göttliche Illusion dieser Welt (Maya) sehr liebens- und lebenswert ist. Wenn wir das Gefühl der Liebe für die Welt der Illusion nämlich nicht in ausreichendem Maß entwickelt haben, bevor wir die Erfahrung des Samadhi machen, kann nach dem Samadhi ein regelrechter Hass auf die Welt entstehen. Einen Seelenpartner zu haben und ein unzerstörbares Band der Liebe mit ihm zu kreieren, ist der beste Schutz vor negativen Illusionen. Einem sanften Hin- und Hergleiten zwischen Dualität und Nicht-Dualität steht dann nichts mehr im Weg.

Der Autor, Christian Vanhauer (Dayananda), Jahrgang 1980, fing mit 14 Jahren an zu meditieren und ließ sich schon als Jugendlicher in verschiedene tantrische Yogatechniken einweihen, weil er unbedingt Samadhi erleben wollte. Von seinem letzten Lehrer Sri Kaleshwar (1973-2012) wurde er autorisiert, verschiedene in Vergessenheit geratene Heil- und Erleuchtungssysteme zu lehren. Darunter die „Mutter aller Wege“. Mehr Infos unter www.shaktipat.de


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