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Ausgabe Januar/Februar 2015
Beitragsreihe 2015 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Die Flusssäure - acidum fluricum


H. Schäfer: Worüber wollen wir heute reden?
Andreas Krüger: Ich möchte heute über ein Thema sprechen, das wir auch bei den nächsten Homöopathietagen intensiv anschauen werden. Es geht um die Geburtstraumatisierung, also um alle Folgen für das Leben eines Menschen, der bei seiner Geburt oder auch schon während der Schwangerschaft traumatisiert worden ist und sein Leben lang mit den Programmen, Erfahrungen und Verleugnungen zu tun haben kann, die ihm während der Geburt oder kurz danach auf seiner Festplatte installiert wurden. Dazu möchte ich noch hinzufügen, dass in der prozessorientierten Homöopathie oft, bevor man mit einem Patienten eine Anamnese macht, getestet wird, welches homöopathische Format das System des Patienten jetzt akut braucht. Braucht er eine Homöopathie, die sich daran orientiert, ihre Mittel zu finden, indem sie die Schattenaspekte des Patienten betrachtet oder aber die Potenzialaspekte beleuchtet oder sich auf die Aspekte konzentriert, die durch eine Geburtstraumatisierung bedingt sind?

Haben Sie ein Patientenbeispiel?
Ja, ich hatte einen Patienten, dessen großes Problem darin bestand, Konflikte auszudrücken. In unserer Ellenbogen- und durchsetzungsstarken Gesellschaft kann diese Problematik der menschlichen Entwicklung sehr im Wege stehen. Besonders schwer tat sich der Patient, Konflikte mit Frauen auszutragen. Selbst wenn er sich auf einen Konflikt vorbereitet hatte, versiegte jede Form von Kritik in dem Moment, in dem er während des Gesprächs der zu kritisierenden Frau in die Augen schaute. Das geschah mit einer Heftigkeit, wie ich es in 35 Jahren Praxis noch nie erlebt hatte. Ich habe mit diesem Patienten diverse Male, wenn er Konflikte mit Frauen hatte – ob in Liebesbeziehungen oder auch in Arbeitsbeziehungen – mit ihm vorgearbeitet, wie er gewaltfrei vorgehen kann und seine Konflikte mit der betreffenden Person teilt und jedes Mal passierte das Gleiche: Er saß am Tisch, schaute die andere Person an, die schaute ihn an – schlimmstenfalls bekam sie noch eine Träne ins Auge – und sofort war er wie paralysiert und wollte nur noch der gute Retter und Beschützer sein. Ich habe mit ihm alle Mittel probiert, die wir in der Homöopathie zum Zwecke unterdrückter Aggression, Kritikunfähigkeit, oder Unfähigkeit, jemandem ein Leid zuzufügen zur Verfügung haben. Aber seine Problematik schien völlig therapieresistent.

War der Patient vorgetestet?
Nein, deshalb habe ich ihm empfohlen, sich nachtesten zu lassen, um herauszufinden, ob ich überhaupt die richtigen Methoden für ihn beherrsche.
Dann passierte etwas Phänomenales. Er ging zu einem meiner radionischen Medien und dieses Medium testete ganz klar: Ich muss ihm ein Mittel suchen, das sowohl geburtsorientiert als auch vorlebenorientiert ist. Und er sollte mit Hilfe eines Reinkarnationstherapeuten herausfinden, welches Trauma aus einem Vorleben durch seine Geburt aktiviert worden war. Dazu muss ich sagen, dass dieser Patient bei seiner Geburt real schwer traumatisiert worden war: Er war eine ungeschallte, zehnpfündige Beckenendlage und sowohl er als auch seine Mutter wären fast gestorben. Die Mutter musste geschnitten werden, er wurde mit der Zange geholt und hat wirklich ein Stück weit seine Mutter zerstört, wie er es selbst sagte. Sie hat ihm auch die Programmierung mitgegeben, dass sie anschließend mit 108 Stichen genäht werden musste. Ich habe das später einmal mit einer Freundin besprochen, die in der Gynäkologie arbeitete und die sagte: „108 Stiche – da hätte man die gute Frau einmal ringsrum nähen müssen. 18 Stiche sind realistisch, aber mehr nicht.“ Dieser Mann ist also sein Leben lang mit der Wahnidee rumgelaufen, dass er seine Mutter während seiner Geburt fast in Stücke gerissen hat und fühlte sich völlig schuldig.

Ist er zu einem Reinkarnationstherapeuten gegangen?
Nachdem ich ihm aus der Rubrik „Folge von Geburtstrauma“ und „Beckenendlage“ 1-2 Mittel verschieben habe, die alle nichts halfen, ist er dann zu einer Reinkarnationstherapeutin gegangen. Sie hat mit ihm einerseits eine Rückführungstrance gemacht, aber darüber hinaus konnte sie anhand ihrer medialen Fähigkeiten erkennen, welches Problem aus einem Vorleben in diesem Leben zu einer Konflikthemmung führte. Sie sah ihn in einem Leben, in dem er als brutaler Mongole mit Schändungen und unendlichen Grausamkeiten Menschen gequält hat. Als er dann starb und in diese Zwischenwelt kam, von der aus man auf das geführte Leben zurückblicken kann, war er so entsetzt und von sich selbst beschämt, dass er in dieser geistigen Welt unter Herbeirufung aller Buddhas und Devas den Schwur ablegte, NIE MEHR und besonders nicht Frauen gegenüber, irgendeine Form von Gewalt auszuüben. Angeblich hat er dann in mehreren Leben diesen Schwur ganz treu befolgt, bis zu dem Moment, als er unter den eben beschriebenen Problematiken auf die Welt gekommen war, in die Augen seiner Mutter schaute und in diesen Augen all den Schmerz sah, all die Todesangst und auch die Verzweiflung, die diese Frau in dem Moment gefühlt hat. Und wieder hatte er das Gefühl, versagt zu haben und Schmerz zubereitet zu haben. Und darum hat er den Schwur, einer Frau nie mehr ein Leid zu bereiten, nie mehr Gewalt anzuwenden – und sei es nur sprachlich – um ein Vielfaches noch einmal bekräftigt.
Mit dieser Problematik bin ich erneut in die Arzneimittelfindung eingestiegen und suchte ihm jetzt ein Mittel, das mit brutaler Gewalt zu tun hat. Eines der aggressivsten und gewalttätigsten Mittel, die wir in der Homöopathie haben, ist die Flusssäure – acidum fluricum. Man könnte sagen, ein Mittel für Kinderschänder, ein Mittel für Menschen, die andere Menschen foltern, die Freude daran haben, anderen Menschen weh zu tun.

Haben Sie ihm dieses Mittel gegeben?
Ja, ich habe ihm dieses Mittel gegeben und noch einige ATA-Sitzungen mit ihm gemacht, wo ich versuchte, seine Glaubenssätze und diese Chips zu löschen, die er sich durch den Schwur, aber auch durch seine Geburt wieder erneut auf seine Festplatte geholt hatte. Und dieser Mensch, der ein zutiefst friedfertiger war, der von sich selbst sogar behauptete, er wäre der letzte Hippie, dieser Mensch träumte nächtelang, er wäre Hannibal Lecter und wer sich mit Kinofilmen auskennt, weiß, dass es der Kanibale aus „Schweigen der Lämmer“ war. Mein Patient war jedesmal völlig erschrocken nach diesen Träumen, dass er so eine innere Person in sich tragen würde. Zum Glück verschwanden diese Träume nach 14 Tagen. Und dann passierte das Wunder: Er war auf einmal in der Lage, Kritik zu äußern und selbst Menschen mit Tränen in den Augen zu sagen: „Das passt mir nicht.“ Für diesen Menschen änderte sich sein ganzes Leben.

Ein „normal arbeitender Homöopath“ könnte ja gar nicht auf Flusssäure kommen.
Das hat mir wieder gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir als Homöopathen und Therapeuten weggehen von der Idee, schon zu wissen, welcher Weg für den Patienten der richtige ist. Wichtig ist, dass wir uns immer mehr der Wahrheit öffnen, dass alles Wissen um den Patienten im System des Patienten selbst vorhanden ist. Und dass wir dieses Wissen im Grunde nur abrufen müssen, um dann mit den entsprechenden Therapien zu helfen. Diesem Menschen hat ein Mittel geholfen, das ihm normalerweise kein Homöopath anhand seiner Symptome und anhand seiner Persönlichkeit gegeben hätte, weil er einfach Themen aus früheren Leben mitgebracht hatte, die dann durch sein Geburtstrauma noch einmal aktiviert worden sind, die man ohne diese Testung und ohne diese Reinkarnationstherapie-Unterstützung niemals heraus bekommen hätte. Darum möchte ich alle therapeutisch Tätigen ermuntern, nicht ihre Patienten den Therapien anzupassen, die sie gelernt haben, sondern wirklich die Systeme der Patienten zu befragen – was wir ja im weitesten Sinne demokratische Medizin nennen – was die Systeme unserer Patienten brauchen. Und wenn dann der Patient etwas testet, was ich selbst nicht tue oder selbst nicht kann, dann die Größe zu haben und zu sagen: „Ich würde Sie gerne behandeln, aber ich habe von Fußreflexzonenmassage keine Ahnung. Ihr System sagt, es will weder Homöopathie noch Schamanismus noch Leibtherapie, sondern einfach nur Fußreflexzonenmassage und weil ich das nicht kann, schicke ich Sie jetzt zu einem Kollegen, bei dem ich weiß, dass der das kann.“
Unterm Strich kann ich sagen, der Patient ist der Träger seiner Wahrheit und der Träger aller Informationen: Warum er krank geworden ist und auch, welche Methoden er braucht, um gesund zu werden. Es gibt viel mehr Menschen, die gewalttätige und kannibalistische Tendenzen in sich tragen und die in diesem Leben die friedlichsten Hippies sind, die wir uns vorstellen können, weil sie sich irgendwann mal geschworen haben, nie wieder so zu sein, wie sie irgendwann einmal in irgendeinem Vorleben waren. Und wenn wir es schaffen, dieses Programm einmal zu löschen, dann kann alles möglich sein. Ohne dass der Patient Angst haben muss, wieder zu dem zu werden, der er einmal war. Es geht darum, dass er in Freiheit alles tun kann, aber genauso in fröhlicher Gelassenheit alles lassen kann.


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule (SHS). weitere Infos auf www.Samuel-Hahnemann-Schule.de
Sein aktuelles Buch „Heiler und heiler werden – Gespräche über die Heilkunst“ erschien im Verlag Simon + Leutner, 2013


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