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Ausgabe Januar/Februar 2015
Der Schwung kommt beim Gehen. Von Jürgen Häger

Wünsche und Ideen in erfolgreiche Projekte verwandeln. Eine Ermutigung von Jürgen Häger

„Niemals wird dir ein Wunsch gegeben, ohne dass dir auch die Kraft verliehen wurde, ihn zu verwirklichen.“ Dieser schöne Satz stammt aus dem Buch „Illusionen „von Richard Bach. Für sich alleine genommen erzeugt er gleich eine positive Stimmung und macht Mut. Der nachfolgende Satz relativiert ihn schon etwas: „Es kann allerdings sein, dass du dich dafür ernsthaft anstrengen musst.“

Aus den eigenen Quellen schöpfen
Unsere Wünsche rekrutieren sich aus unseren innersten Ressourcen, Anlagen und Fähigkeiten. Sie verwirklichen zu wollen, ist ein natürlicher Impuls. Sie verwirklichen zu können, ist eine individuelle Aufgabe und Herausforderung. Jede/r von uns trägt universelle, einzigartige und vor allem reichhaltige Ressourcen in sich. Sich dieses Potentials bewusst zu sein, es aktivieren und effektiv anwenden zu können, ist einer der wesentlichen Aspekte bei der Realisierung von Projekten. Es ist von großem Vorteil, sich darüber konstruktiv und vertrauensvoll austauschen zu können und andere, neue Blicke auf sich selbst und sein Wirken zu bekommen. Seine „alten“ Quellen neu zu erleben, neu zu interpretieren und neue Zusammenhänge zu erkennen, kann sehr erfrischend und inspirierend sein.
Beispiel: Eine langjährige Verwaltungsangestellte fühlte sich in ihrem Beruf inhaltlich unbefriedigt und eröffnete mir nach anfänglichem Zögern, dass sie schon immer gerne gezeichnet hat, sich aber nie traute, dieses Talent offensiv auf dem Markt anzubieten, da das ja „Spielerei“ sei und nichts einbringe. In einer Aufstellung zeigte sich dann, dass besonders Kinder einer bestimmten Altersstufe auf ihre Zeichnungen reagierten. Das war für sie sehr überraschend und berührend. Als nächster Schritt entstand die Idee, ein fiktives Kindertagebuch zu schreiben, es mit fantasievollen Zeichnungen zu bebildern und an Verlage und Autoren zu schicken. Heute illustriert sie Kinderbücher – neben ihrem Anstellungsverhältnis.

Was konkret tun?
Plötzlich ist sie da – die Idee für ein neues Projekt, Vorhaben oder Geschäftsmodell. Jetzt rattert es im Gehirn und viele Fragen rufen gleichzeitig nach Antworten: „Bringt das was?“ „Ist es den Aufwand wert?“ „Lohnt es sich, dieses Risiko einzugehen?“ Wir alle kennen diese Fragen und meist sagt das Herz „Ja!“, der Verstand „Nein!“ und unser Bauch „Vielleicht!“ Das ist menschlich und ganz normal. Nur, wem oder was folge ich jetzt? Die Beiträge aus dem Familien- und Freundeskreis sind ebenfalls überschaubar: „Kostet alles Geld!“, „Bist du dir wirklich sicher?“, „Na ja, ich weiß nicht.“ usw. Dann denkst du nach und denkst nach und denkst nach … und Stopp! – Denn hier geht es nicht wirklich weiter.
Jetzt sind Handlungen gefragt – also etwas tun! Jetzt, hier, in diesem Moment, an diesem Platz! Werde praktisch, konkret, welcher Art auch immer. Halte Stichpunkte fest, schreibe die Idee auf … überlege, wen du zur weiteren Unterstützung kontaktieren kannst, was du recherchieren solltest, welche Informationen du brauchst … oder male, skizziere erste Produkte, Titel, Überschriften, bildhafte Szenen … sammle Fotos, Bilder, Motive, die mit deiner Idee zusammen hängen, besuche fachbezogene Veranstaltungen, lege Ordner an, strukturiere deine Planungen, gestalte dir einen inspirierenden Arbeitsplatz usw. usw. … und – mache es zu DEINEM Projekt!
Es braucht ein klares Bekenntnis zum eigenen Projekt und eine gewisse Unerschütterlichkeit. Es ist unmöglich, es allen recht zu machen. Setze Prioritäten und handle danach, nach bestem Wissen und Gewissen. Es schützt dich nicht vor Kritik, macht dich aber authentisch – in dem, was du sagst und in dem, was du tust.
Es ist immens hilfreich, sich persönliche Unterstützung zu suchen und immer wieder die Möglichkeit zu haben, anstehende Aufgaben oder Schwierigkeiten mit einem Profi zu beleuchten. Die Systemische Aufstellungsarbeit hat sich hier als ein nahezu universelles und äußerst wirkungsvolles Mittel erwiesen. Neben den klassischen Feldern der Therapie und Persönlichkeitsentwicklung findet sie immer mehr Anwendung in beruflichen Kontexten, Organisationen und Unternehmen.
Beispiel: Ein Klient wusste nicht, wie er sein derzeitiges Dienstleistungsangebot gewichten bzw. strukturieren sollte. Er wollte sich mit vier unterschiedlichen Behandlungsmethoden als Körperarbeiter und Heilpraktiker selbständig machen. Alle Methoden schienen ihm gleichrangig und gleich wichtig. In der Aufstellung zeigte sich dann jedoch eine deutliche Differenzierung, aus der er sehr klar eine Gewichtung erkennen konnte. Diese hat er dann in seine Werbung übernommen und mit einem beruhigenden Gefühl seine Praxis gestartet.
„Wenn du es eilig hast, geh‘ langsam.“ Chinesisches Sprichwort
Natürlich wäre es toll, wenn du von deinem Projekt oder deiner Geschäftsidee gleich deinen Lebensunterhalt bestreiten könntest. Dann hättest du wahrscheinlich einen Hit, einen Knüller oder einen Bestseller gelandet. Das gibt’s durchaus, ist allerdings eher selten.
Es fällt uns allen leicht, uns das Ideal vorzustellen. Und eine klare Vision ist ja auch wichtig, um daraus Ziele ableiten zu können. Gehe mit kleinen Schritten auf deine Ziele zu, der Schwung kommt beim Gehen. Präferiere einfache Lösungen, Machbares, Konkretes, Direktes. Definiere erreichbare Ziele. Das Know-how wächst dabei kontinuierlich und irgendwann werden die Schritte leichter, schneller und professioneller. Du spürst auf einmal, dass du es kannst und immer lockerer wirst. Freude kommt auf, Spaß stellt sich ein und dein Vorgehen macht mehr und mehr Sinn.
In den Sitzungen mit KlientInnen stelle ich immer wieder fest, wie groß der Druck ist, in kurzer Zeit viel erreichen zu wollen. Wenn im weiteren Sitzungsverlauf dann deutlich wird, dass andere Lebensinhalte (z.B. Familie, Freizeit etc.) berechtigterweise ebenfalls Zeit und Aufmerksamkeit beanspruchen, wird schnell klar, dass es hier um ganz individuelle Prozesse geht, die ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Dynamik haben und in einem größeren Zusammenhang stehen. Dafür den Blick zu schärfen, ist nicht nur klug und ökonomisch, sondern beugt auch negativem Stress und Überforderung vor. Es freut mich, wenn ich erlebe was passiert, sobald Klienten das eigene Maß und das eigene Tempo finden und die Dinge in ihrer Zeit reifen lassen: Es wirkt sich positiv auf die Entwicklung des Projektvorhabens aus und schafft nachhaltige Substanz. Es stärkt ihre persönliche Widerstandsfähigkeit und lässt eine Beharrlichkeit entstehen, mit der sie „das eigene Schiff“ auch in stürmischen Zeiten über Wasser halten. Geduld bewahren und Gelassenheit zu kultivieren ist kein Zeichen von mangelndem Engagement, sondern zeugt von einem Blick für das „Große Ganze“.

Seine berufliche Zukunft bewusst gestalten
Nicht nur das Klima befindet sich im Wandel, auch der Berufs- und Arbeitsmarkt erlebt unruhige Zeiten. Die Zeichen stehen auf Veränderung und Neuorientierung. Warum sich also nicht gleich für das einsetzen, was uns am meisten Sinn und Freude verspricht? Warum nicht die eigenen Wünsche, Ideen und Projekte verwirklichen? Die Ressourcen sind da, die Kraft ist da und wenn wir uns „ernsthaft anstrengen“ gelingt es auch. Neue Strukturen, Innovationen, erneuerbare Energien, Bio, Wellness, alternative Heilmethoden, spirituelles Unternehmertum, Gemeinschaftssinn – all’ das ist im Kommen und die Welt braucht es mehr denn je. Warum nicht neue Branchen und Berufe entstehen lassen oder den eigenen Arbeitsplatz selbst kreieren? Vieles ist möglich – für jede/n von uns!


Der Autor Jürgen Häger lebt und arbeitet in Berlin als Unternehmensberater, Coach und Trainer. Seit 1995 begleitet er Menschen bei der Realisierung ihrer Ideen und Projekte. Ab dem 5. Februar 2015 bietet er regelmäßig (jeweils am 1. Mittwoch im Monat) einen Aufstellungs-Abend in Berlin-Charlottenburg an – vorrangige Themen: Arbeit, Beruf, Konflikte, Neuorientierung, Ideen, Projekte und andere persönliche Anliegen. Weitere Informationen unter www.projektcoaching-berlin.de


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