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Ausgabe November/Dezember 2014
Die Wintersonnwende. von Roswitha Stark

Seit jeher wird der Kreislauf des Jahres als Symbol für das Leben gefeiert. Die Wintersonnwende steht dabei für die Dunkelheit, Innenschau und die Geburt des Lichtes.

Die zu den Sonnen- und Mondfesten in vielen Kulturen vollzogenen Rituale für Mensch, Tier, Natur und Erde haben eine unglaubliche Kraft, unsere Seele zu heilen und zu stabilisieren. Gerade in der heutigen Zeit der Transformation, in welcher der schnelle Wandel das einzig Sichere zu sein scheint, schenken Rituale uns Durchhaltevermögen, Freude und Seelenfrieden. In Achtsamkeit und Liebe vollzogen, bereiten sie der Energie der Neuen Zeit den Weg. So vereint sich der alte Pfad des kraftvollen traditionellen Heilwissens mit dem neuen Weg der energetischen Informationsübertragung zum Wohle aller Lebewesen.
Die Wintersonnenwende am 21. Dezember fällt in eine immer düsterer werdende Zeit, die vielen Menschen so kurz vor Weihnachten so richtig aufs Gemüt schlägt. Dabei ist dies der Zeitpunkt im Sonnenjahr, der den eigentlichen Jahreswechsel begründet, wenn man sich nach den Rhythmen der Natur richten würde. Gefeiert und begrüßt wurde hier in dieser längsten Nacht zum Beispiel von den Kelten das endlich wiederkehrende Licht. Zwar sind die Menschen schon ungeduldig in Erwartung der längeren Tage, müssen aber noch geduldig warten, bis die Natur so weit ist und ihre Schätze im Frühling nach Außen bringen wird. Noch halten die Tiere ihren Winterschlaf, die Bäume sind kahl und Väterchen Frost zieht übers Land. Noch sind wir gefordert, geduldig in unseren inneren Räumen der Häuser und der Seele auszuharren und die Zeit zu nutzen, um die Kraft der Dunkelheit wertschätzen zu lernen.

Rückzug bringt Gelegenheit zur Innenschau
Rückzug und Innenschau brauchen ihre Zeit, bis wir wieder mit frischer Kraft für das neue Jahr angefüllt sind. Vielen Projekten, die wir zu hastig vorantreiben möchten, werden jetzt Steine in den Weg gelegt und alles „dauert halt seine Zeit“.
Viele von uns „zivilisierten“ Menschen haben vergessen, wie Geduld und Ausdauer funktionieren und können nicht mehr spüren, welcher Schatz an innerer Lebensenergie in dieser Zeit der Ruhe aufgebaut wird. Stattdessen lenken wir uns unter künstlichem Licht ab oder entfliehen in südliche Urlaubsländer, wartend auf „bessere“ Zeiten in Frühling und Sommer. Diese Zeit der Dunkelheit ist aber JETZT, die beste aller Zeiten für uns und für die Aufgabe unsere Energietanks aufzufüllen mit Ruhe, Entspannung, Meditation und Kontemplation und vor allem damit, dass wir es uns selbst wert sind, ein bis zwei Gänge oder mehr herunterzuschalten.

Adventszeit ist Erdenzeit
Die Adventszeit, die 4 Wochen vor dem Weihnachtsfest beginnt, hilft uns mit ihrer erdigen roten Kraft die Wartezeit zu überbrücken.
Jede Woche dürfen wir eine (rote) Kerze mehr entzünden und haben Gelegenheit, am Ende des Jahres bewusst durch das vergangene Jahr zu gehen und in der Stille und Dunkelheit dieser Zeit noch einmal bewusst jede Jahreszeit zu würdigen, die wir im alten Jahr durchschritten haben mit all den Lernprozessen und Erfahrungen, die im vergangenen Jahr für uns vorgesehen waren. Die Natur macht es vor, was jetzt sinnvoll ist: die Stärkung mit den Nährstoffen, die wir im Herbst als Ernte eingebracht haben und von denen wir jetzt in Ruhe zehren können. Regional geerntete biologische Nahrung wie Kartoffeln und Wintergemüse, Wurzeln, Eintöpfe, Äpfel, Eingemachtes, rote Beeren und auch das „gute Glas Rotwein“ oder dunkle Schokolade sind Labsal in der dunklen kalten Zeit. Unser Körper, unsere Seele und unser Geist saugen sich jetzt auch energetisch mit deren Kraft voll, um diese dann im Frühjahr in frischen schönen Knospen der Welt in aller Schönheit zeigen zu können.

Kontakt mit der Steinfrau
Die Vorstellung der Steinfrau, die sehr alt ist, wird uns von unseren Vorfahren geliefert, die noch viel mehr den Unbilden der Natur in dieser kalten dunklen Jahreszeit ausgeliefert waren.
Die Steinfrau ist knochig und gebrechlich, innen aber sehr stark und weise. Wir können sie als Frost und Eis wahrnehmen, wenn sie Eisblumen ans Fenster zaubert oder das Wasser zu Eiszapfen gerinnen lässt. Auch sie war einmal jung und eine wunderschöne Eiskristallkönigin. Sie mag zwar hart und knochig wirken, doch hat sie eine unglaubliche Tiefe in ihren Einsichten durch alle Zeiten hindurch. Sie trägt die Gaben der Ahnen in ihrem eisigen Kleid, sie weiß wie die Geschicke der Welt seit jeher gelenkt werden und sie verkündet mit ihren silbernen und grauen Farben die Gesetze von Leben und Tod, so wie sie spiralförmig unabänderlich in diesem Universum gelten. Ein meditativer Besuch bei ihr lohnt sich, wenn der Mensch wissen oder fühlen will, was die Welt zusammenhält und was die Essenz des Lebens eigentlich ist. So erweisen wir ihr jetzt wieder die Wertschätzung, die sie verdient, so wie es seit jeher die schamanischen Weisen mit dem Besuch ihres Ältestenrates getan haben. Mit dem Besuch bei der Knochenfrau holen wir auch unsere Greise und Ältesten in unsere Herzen zurück, indem wir ihnen Respekt und Ehre erweisen und den Segen für ihr Sein, ihre Reife, ihren Mut und ihren weisen Rat.

Rauhnächte
Mit dem Julfest, der Wintersonnenwende am 21. Dezember beginnen auch die sogenannten Rauhnächte, die gleichzeitig heiligen und trutzig-rauhen Nächte, die mit dem Perchtentag am 6. Januar enden.
Es ist eine Zeit voller Verbote und Furcht vor allen möglichen Geistern, die in diesen Nächten mit den Menschen ihren Schabernack treiben. Der germanische Gott Odin treibt seine wilden Pferde durch die Lüfte und die toten Seelen jagen über das Land. In diesen unruhigen Tagen und Nächten soll man lieber im Hause bleiben, keine Wäsche im Freien zum Trocknen aufhängen und überhaupt still und brav warten, bis die kalten Nächte und der Spuk vorüber sind. Um die Geister zu besänftigen und die Tage gut zu überstehen, kann man die Räume räuchern, mit den Ahnen Kontakt aufnehmen oder den Geistern Essen vor die Türe stellen. In manchen Gegenden stellt man Buchsbüsche links und rechts vor die Haustüre.
Die Geister, die eventuell des Nächtens ins Haus gelangen möchten, müssen zunächst alle kleinen Blättchen des immergrünen Busches gezählt haben, bevor sie ins Haus dürfen, was sie natürlich wegen der großen Anzahl der Blätter bis zum Morgengrauen nicht schaffen. Die drei besonderen Nächte zwischen dem 21. und 24. Dezember heißen auch „Losnächte“. In ihnen wurde viel orakelt, um die Zukunft zu erforschen und einen Blick auf das zukünftige Los zu erhaschen, in der Hoffnung man werde Glück haben. Auch das Los in der Lotterie hat damit etwas zu tun. Die drei Glücksnächte dienen auch der Vorbereitung für die Ankunft des Lichtkindes am 24. Dezember, welches die neue Zeit ankündigte. Mit dem Aufstellen des immergrünen Weihnachtsbaumes feierten die so Eingeweihten die Unsterblichkeit unserer geistigen Lichtnatur.


Die Autorin Roswitha Stark, geb. 1959, Diplom-Germanistin und Heilpraktikerin für Schwingungsmedizin, sensitive Resonanztherapien und energetische Heilweisen; zudem Kursleiterin für Informationsmedizin und Heilen mit Symbolen. Sie arbeitet für Mensch, Tier und Erde.

Buchtipp: Roswitha Stark: Rituale im Jahreskreis. Heilung für Körper, Seele und Erde im Rhythmus der Natur. 1. Aufl. Okt. 2014, Hardcover, farbig, 223 Seiten, 17,95 €, Mankau Verlag 2014


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