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Ausgabe September/Oktober 2014
Wer bin ich? Der spirituelle Weg des Aufwachens. Auszug aus dem Buch von Christian Meyer

Anlässlich seines neuen Buchs „Aufwachen im 21. Jahrhundert“ beschreibt der Berliner Psychologe Christian Meyer, worin seinen Erfahrungen entsprechend dem Weg des „Aufwachens“ besteht.

Ein Weg, der natürlich kein Weg ist - das Aufwachen -, ist das vollständige Loslassen in den gegenwärtigen Augenblick, in die Tiefe des Hier und Jetzt. Wie soll es da einen Weg geben? Zudem ist Aufwachen etwas, das einem geschieht, nicht etwas, das man machen kann, Aufwachen ist eine Gnade. Und dennoch: Wer je die Sehnsucht nach der Unendlichkeit und Freiheit, nach wirklichem Glück und Ganzsein gefühlt hat, den bewegt nichts so sehr wie die Frage: „Was hilft wirklich, was kann mich wirksam unterstützen, um aufzuwachen?“ Dazu habe ich alle spirituellen Wege wie auch die psychologischen und psychotherapeutischen Wege erforscht und das „destilliert“, was wirklich wirkt, was die Fähigkeit des Loslassens und des Geschehenlassens entwickelt und die Möglichkeit erweitert, aufzuwachen. Das Ergebnis sind die „7 Schritte zum Aufwachen“, die ich Anfang 2000 entwickelt habe und die seitdem die Grundlage meiner Arbeit mit zahlreichen Schülerinnen und Schülern sind. Das Wichtigste dafür habe ich bei meinem Lehrer Eli Jaxon-Bear gelernt, für den ich voller Dankbarkeit bin, niemals endend. Elis Entdeckungen stellen ganz sicher einen Meilenstein in der Entwicklung der spirituellen Wege dar.
Schon länger ist ein grundlegendes Problem bekannt: Die Meditation, hier und im Folgenden im traditionellen Sinne als wichtigstes Mittel des spirituellen Wegs, beinhaltet die Gefahr, dass sich der Meditierende aufgrund des „Beobachtens“ den Gefühlen und dem tatsächlichen Erleben noch weiter entfremdet und innerlich betäubt oder künstlich wird. Wenn in der Meditation mit dem Ziel, den Geist zu beruhigen, Körperprozesse beobachtet werden, so ist dies auch ein systematisches Training im Verdrängen von Gefühlen. Wenn Gefühle in der Meditation nur beobachtet werden, besteht die Gefahr der Dissoziation und Abspaltung der Gefühle und des Erlebens.
Dieses Problem war wie der Gordische Knoten. Alle Versuche, die Meditation wegen dieser Gefahr der Entfremdung um psychologische und therapeutische Methoden zu ergänzen, waren und sind nicht überzeugend und in der Praxis wenig wirksam. Eli Jaxon-Bear löste dieses Problem durch folgende Entdeckung: Es geht darum, alles zu fühlen – weder Gefühle zu verdrängen, noch beobachtend zu dissoziieren – also alles ganz und gar zu fühlen, ohne irgendetwas zu tun, weder äußerlich noch innerlich, nichts auszuagieren. Es ist weder traditionelle Meditation noch therapeutische Arbeit. Es ist die konkrete und unglaublich wirksame Ausgestaltung dessen, was Ramana Maharshi auf den Punkt brachte: „Die ganze Methode lässt sich zusammenfassen in dem Satz: Sei still!“ Diese Lösung, alles zu fühlen und nichts zu tun, verändert die spirituelle Arbeit mehr als alles, was in den letzten Jahrzehnten entdeckt wurde.
Viele, die heute und in Zukunft von dieser Entdeckung profitieren, werden Eli Jaxon-Bear, der durch seine konsequente und bedingungslose Hingabe und Arbeit diese Lösung fand, dankbar sein. Auch wenn es schon vollständig in der Arbeit Ramana Maharshis und seines Schülers Poonjaji, des Lehrers von Eli, angelegt war, wurde die konkrete Bedeutung und Struktur des „Anhaltens“ oder „Stillseins“ doch erst mit diesen Entdeckungen Eli Jaxon-Bears wirklich deutlich und für die konkrete Arbeit unglaublich fruchtbar.
Das zweite Problem des spirituellen Weges ist sehr viel jünger und ein Problem der Satsang-Szene: Da ein Ich gar nicht existiere, sei auch niemand da, der etwas tun könne. Oder in der platteren Version: „Du brauchst nichts – oder: Du kannst nichts tun, um aufzuwachen.“ Oder auch, man brauche gar nichts zu tun, alle Menschen seien ohnehin schon aufgewacht.
Ja, wenn man denn in der Lage wäre, nichts zu tun! Denn es kommt dabei nicht auf das äußere, sondern auf das innere Tun an. Das zu beenden und alles loszulassen, das gerade ist ja angesichts der Macht der konditionierten Verhaltensweisen und quasi automatischen Abläufe von Gedanken und Mustern, von Gefühlen und Verhalten so schwer.
Deshalb sind Übungen des Geschehenlassens und Loslassens nötig. Übungen, die eigentlich Nicht-Übungen sind, weil eben niemand da ist, der sie macht. Es geht gerade darum, dass das Ich so sehr zurücktritt, dass das Leben und die inneren Prozesse geschehen können, ohne getan zu werden. Eben auch der Prozess des Aufwachens. Natürlich ist da kein Ich, das etwas tun kann. Da ist auch kein Ich, das Französisch lernt, Brücken baut oder Brot backt. Trotzdem gibt es Brücken und Brot. Aus der Tatsache, dass es kein Ich gibt, folgt nicht, dass nichts getan wird oder werden kann. Wie der große Laotse sagte: „Der Meister tut nichts, und dennoch bleibt nichts ungetan.“
Aber weiter: Für das Aufwachen kann nichts getan werden, es kommt im Gegenteil darauf an, nichts zu tun, also alles Tun zu beenden, um sich für die Gnade zu öffnen. Das Beenden des Tuns, das das Loslassen ermöglicht, ist ein bewusster und aktiver Prozess, ein Prozess des Anhaltens und Stillseins – etwas ganz anderes, als „in die Stille zu gehen“. Da ist niemand, der irgendwohin hingehen könnte. Gemeint ist damit immer, dass alle Gefühle und der innere Aufruhr einfach beiseitegeschoben werden, statt dies lösend zu durchleben. Mit der merkwürdigen Vorstellung, dass beiseitegestellte Gefühle nicht mehr stören würden.
Immer mehr Menschen wachen in meiner Arbeit auf. Praktisch in jedem Seminar geschieht es. Manchmal geschieht es so häufig, dass es mich fassungslos und sprachlos macht, staunend und ehrfürchtig. Vor einigen Monaten gab ich ein Retreat in Wien über fünf Tage mit gut 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. In diesen fünf Tagen wachten sechs (!) Menschen auf, sechs Menschen mit sehr verschiedenen Vorerfahrungen. Zwei waren erst kurz bei mir und waren vorher Jahrzehnte mit den verschiedensten spirituellen Lehren unterwegs gewesen; sie brauchten nur noch wenige, aber entscheidende Hinweise und eine energetische Unterstützung, die direkt auf das tatsächliche Aufwachen abzielt. Zwei weitere waren neu auf ihrem spirituellen Weg und völlig offen für meine Arbeit, wie ein Schwamm sogen sie alles Wichtige auf. Zwei weitere schließlich waren schon lange bei mir und profitierten von dem regelmäßigen Üben und dem roten Faden, den das Aufwachen durch regelmäßige Teilnahme an meinen Seminaren und Retreats für sie bekommen hatte.
Auch wenn die Vorerfahrungen so verschieden sind, so stellt doch das Aufwachen im Wesentlichen denselben Prozess dar. Über diesen Prozess des Aufwachens, die konkrete Form und Bedeutung der Hingabe und des Loslassens, das Fallen in die eigene innere Tiefe und den unendlichen Grund und die Transformation der Wahrnehmung, das Stillwerden des Verstandes, und die grenzenlose Weite wird man kaum mehr und Klareres finden als in meinem neuen Buch. Sowohl darüber, was wirklich zum Aufwachen führt, als auch worin die innere Struktur des Aufwachens besteht.



Die Sieben-Schritte-Methode nach Christian Meyer:
1. Die Wünsche und Ziele erkennen.
2. Die Bereitwilligkeit alles zu fühlen und zu erfahren. Annehmen, was jetzt ist.
3. Die Position des Zuschauers, der Zuschauerin. Du siehst das ganze Drama deines Lebens.
4. Die Muster deines Lebens verstehen durch das Enneagramm*.
5. Die Identifikation mit dem Körper beenden. Den Körper durchlässig und energievoll werden lassen.
6. Die Vergangenheit beenden. Sich aussöhnen mit dem, was war.
7. Dem Tod und der Angst begegnen und das entdecken,was keinen Anfang und kein Ende hat.

*Das Enneagramm ist ein Neuneck, bei dem spätestens seit G. I. Gurdjieff jeder Ecke bestimmte Eigenschaften zugeordnet werden, wobei jede Ecke mit jeweils zwei weiteren in einer besonderen Beziehung steht.
Weitere Infos auf http://de.wikipedia.org/wiki/Enneagramm

Mit freundlicher Erlaubnis des J. Kamphausen Verlags aus: Christian Meyer, Aufwachen im 21. Jahrhundert - Die größte Herausforderung deines Lebens, 19,95 EUR, J. Kamphausen Mediengruppe

Der Autor Christian Meyer ist Psychologe, geb. 1952, lebt mit seiner Frau Dr. Angelika Winklhofer und deren beiden Kindern in der Nähe von Berlin. Er arbeitet als spiritueller Lehrer und Therapeut. Seine Arbeit ist einfach, klar und direkt. Er nutzt das Enneagramm, Körpertherapie, NLP, Hypnose, Familienaufstellungen und die Gestalttherapie. Mehrere Jahre Lehrtätigkeit an Universitäten in Hamburg und Berlin. Als er nach vielen Jahren der spirituellen Suche 1998 seinen Lehrer Eli Jaxon-Bear - in der Tradition von Sri H.W.L. Poonjaji und Ramana Maharshi - traf, erkannte er seine wahre Natur und unterstützt seitdem Menschen, die den Wunsch nach vollständiger Freiheit und Selbstverwirklichung haben.


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