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Ausgabe Juli/August 2014
Beitragsreihe 2014 von Andreas Krüger Homöopathisches Heilmittel: Umbilicus humansu – die Nabelschnur

Andreas Krüger mit dem achtzehnten Teil seiner Beitragsreihe über wichtige homöopathische Arzneimittel.

H. Schäfer: Was haben Sie für die Doppelausgabe im Angebot?
Andreas Krüger: Heute geht es um die Nabelschnur. Eine Nabelschnur ist etwas, das verbindet. Im Grunde ist es unsere Primärbindung. Der Nabel ist die Primärbindung, die wir als Seele haben, mit dem er uns in diese Welt bringt. Gleichzeitig ist es unsere Primärverletzung. Wir alle werden verletzt und wir alle vernarben an unserem Nabel. Neuraltherapeuten arbeiten mit dem Einspritzen von Lokalanästhetika nicht nur an ganz bestimmte Körperstellen, sondern auch an Narben. Sie berichten, dass wenn sie ganz bestimmte Narben mit Procain unterspritzen, auf einmal Symptome verschwinden, die auf den ersten Blick nichts mit der Stelle zu tun haben. So verschwinden z.B. Ohrenschmerzen, nachdem eine Narbe am Knie unterspritzt wurde. Diese Neuraltherapeuten geben oft den Hinweis, dass bei vielen psychischen Beschwerden wie z.B. Verlassenheitsgefühlen, der Punkt, an dem das Procain hervorragend wirkt, der Nabel ist.
Der Nabel ist also ein ganz zentraler Punkt…
… und das wissen wir schon lange – ich sowieso, weil mein erstes aufregendes erotisches Erlebnis mit 11 Jahren stattfand, als Gabi mich einlud, mit ihr ins Freibad Mariendorf zu gehen. Wir legten uns schüchtern in die hinterste Ecke und Gabi holte eine Tüte „Ahoj-Brause“ raus und fragte mich, ob ich mal etwas besonders Tolles erleben wollte. Klar wollte ich, woraufhin sie die „Ahoj-Brause“ nahm, den Inhalt in ihren Bauchnabel schüttete und sagte: „Spuck mal rauf, Schatzi!“ Natürlich habe ich es getan und erlebte damit meine erste tantrische Grunderweckung, weil Gabi mit ihrer pulsierenden „Ahoj-Brause“ Sachen erlebte, die ich damals noch nicht mal aus der „Bravo“ kannte. Und dann sagte Gabi auch noch: „Wenn du willst, kannst du das jetzt auch noch sauberlecken.“ Das habe ich mich aber nicht getraut und bin lieber aufs Klo gegangen.

Was können Sie unserer Leserschaft mitgeben?
Wir haben ja schon oft besprochen, dass Menschen Fülle verleugnen. Kein Mensch, der in Berlin wohnt, müsste unglücklich sein. Berlin ist das absolute Mega-Paradies. Meiner Meinung nach sollten Menschen, die in Berlin chronisch unglücklich sind, Bildungsreisen nach Nairobi, nach Dakar oder in die Bronx unternehmen und dann wieder zurückkehren und diese paradiesische Stadt wertschätzen. Auch wenn man nicht in Charlottenburg wohnt, ist diese Stadt im Verhältnis zu anderen ein einziges Paradies. Und trotzdem sind wir umgeben von Menschen, die depressiv sind, die unglücklich sind und ständig aus der falschen Richtung gucken, die ständig nur den Mangel sehen, weil sie keinen Porsche fahren und die Russen gleich zwei davon haben. Man ist umgeben von Fülle, man ist umgeben von Liebe, man ist umgeben von Wohlstand und trotzdem gibt es das Gefühl, nichts damit zu tun zu haben. Herr Riemann beschreibt in seinem Buch „Die Grundformen der Angst“ die Struktur der schizoiden Persönlichkeitsstörung. Er sagt, der Schizoide kriegt die Fixierung auf die Struktur, weil sein Grunderlebnis die Kontaktlosigkeit als Neugeborener ist. Das passiert Kindern, die in Brutkästen gelegt oder sofort in eine Krippe wegegeben werden. Bei der Leibarbeit erleben wir, dass die Fähigkeit, Kontakt aufzunehmen – ob menschlich, sexuell, sozial oder ökonomisch – Rezeptoren und Kontaktstellen bedarf. Wenn diese Kontaktstellen nicht aktiviert wurden, weil sie in frühster Kindheit keine Bildungsreize hatten, dann fällt es dem Erwachsenen schwer, sich streicheln zu lassen. Wer nie liebkost worden ist, kann nicht liebkosen. Wer nie gesegnet wurde, kann nicht segnen.

Und kann man das „nachtherapieren“?
Vor ein paar Wochen hatte ich eine Eingebung. Wir kennen im Wolf- & Engel-Schamanismus Dank -Heidi Baatz ein Format, das wir „Cort Cutting“ nennen: Da werden Bänder einfach durchgeschnitten, die uns mit unglücklichen Lieben, mit Tod oder mit Traumata verbinden und die uns dadurch unfrei machen, weil wir ständig wieder Filme hochfahren, die uns mit den schrecklichen Geschehnissen verbinden. Heidi hat die alte Schneiderschere ihres Großvaters, ich habe eine kleine Säge, andere haben Lichtschwerter. Das alles kann man auch aktiv machen, indem der Patient alles im Bauchnabel sammelt und rausdrückt – wie bei einer Geburt – bis alle Trauer über den Bauchnabel verschwunden ist. Und danach sind diese Menschen freier: freier für eine neue Beziehung, freier für Wohlstand oder freier für Gesundheit.

Gibt es ein Beispiel?
Es war auf Mallorca: Jemand, der immer nur darüber jammerte, wie schrecklich alles sei, weil er keine Freunde hatte, sich alleine fühlte, der aber objektiv ein Leben in Fülle lebte. Dann habe ich ihn in die Mitte einer Aufstellung gestellt, mitten in seine fünf potentiellen Liebhaber samt seiner potentiellen vollen Praxis und einer potentiellen „Freundschaftsklicke“. Er kriegte aber keinen Kontakt und blieb traurig. Zum Glück war eine unserer Junghexen mit dabei und mit ihr habe ich ein neues Format kreiert: „Nabeln“. Hier knüpft sie imaginäre „cordes“ von demjenigen zu den anderen Teilnehmern. Als alle genabelt waren, stand er da und sagte: „Ja, ich spüre euch, es gibt euch, danke.“ Dieses „Corde-Building“ haben wir inzwischen mit 50 Leuten in unseren Patientengruppen gemacht. So habe ich von Rita Mayer von der Nabelschnur als homöopathisches Mittel erfahren und wollte es ausprobieren.

Und wer war das Versuchskaninchen?
Eine der begabtesten Schülerinnen, die ich habe – eine tolle homöopathisch-arbeitende Frau und eine super Hexe. Auch sie steht in einer Welt aus Fülle, aber es kommt keiner in ihre Praxis. Ich hatte schon ganz viele klassische Mittel probiert, war mittlerweile verzweifelt und auf einmal dachte ich an die Nabelschnur und gab sie ihr. Zwei Tage später sagte sie zu mir: „Andreas, ich fühle mich zum ersten Mal verbunden. Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, in Kontakt mit der Welt zu sein. Seitdem kommen Patienten, seitdem bekomme ich auf facebook fünf Freundschaftsanfragen anstatt in zwei Jahren eine, seitdem lächeln mich Männer auf der Straße an und für nächste Woche habe ich ein Date. Und seitdem habe ich das Gefühl, vernetzt zu sein.“

Wie kommen unsere Leser, die sich angesprochen fühlen, in den Genuss?
Wir haben in unserem Schwarm Hexen, die sich darauf spezialisiert haben, das in der Einzelarbeit über Bodenanker zu machen, aber man kann es auch in den Engel-Wolf-Gruppen machen oder man probiert, ein bis zwei Tage Nabelschnur in einer C 30 oder C 200 zu nehmen und guckt, was passiert – natürlich in der Hoffnung, sich verbunden zu fühlen.
Meines Erachtens leben wir in einem großen Netz von nährenden Näbeln.


Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanischer Heilkunst. Sein letztes Buch „Heiler und heiler werden – Gespräche über die Heilkunst“ erschien im Verlag Simon + Leutner, 2013.
Weitere Informationen: www.Samuel-Hahnemann-Schule.de


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