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Ausgabe März/April 2014
Berlin Aktuell: Bewusste Ernährung. Von Professor Dr. Shrikrishna Sharma und Dr. Kiran Naik

Ernährungswoche der Ayurveda Medizin - Vegetarismus aus der Perspektive der Ayurveda Medizin

Ayurveda hat eine große Bedeutung für eine bewusstere Ernährung. Das Niveau unseres Bewusstseins befähigt uns, die für uns am besten geeignete Nahrung auszusuchen. Das bedeutet, dass im Ayurveda eine medizinische Diät für den Erhalt des bestmöglichen Gesundheitszustandes für jeden individuell nach seiner persönlichen Konstitution bestimmbar ist. Dabei ist die Nahrung der Katalysator für verschiedene physiologische Funktionen des Körpers: Erhalt der geistigen und körperlichen Stärke, die Stabilisierung von Geweben und Organen, der Gebrauch der Sinne, einer guten Funktion der Haut, eine gute Stimme sowie Langlebigkeit und auf subtiler Körperebene auch das Empfinden von Glück, Zufriedenheit, Intelligenz und Begeisterungsfähigkeit.
Entsprechend dieser Funktionen wurde im Ayurveda ein spezielles Konzept für die Unterteilung der Einnahme entwickelt. Dabei wird zwischen Essen, Trinken, Atmen, Sensorik und Gedanken unterschieden. Schon anhand dieser Unterteilung kann man verstehen, was bewusste Ernährung bedeutet. Sie beinhaltet eine gute Auswahl an Speisen und Getränken, sie dient einer disziplinierten Atmung sowie einer vernünftigen Nutzung der Sinnesorgane und des Geistes für positive Gedanken und Wahrnehmungen. Diese Art der Ernährung geht somit weit über eine ausgewogene Ernährungsweise hinaus.

Vegetarismus im Ayurveda
Unabhängig von der Einschätzung des Wertes der Nahrungsmittel werden im Ayurveda meistens Pflanzen und Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Milch und Milchprodukte bevorzugt. Zusammenfassend können wir sagen, dass vegetarische Ernährung im Ayurveda mit dem Grundsatz empfohlen wird, dass es für den Erhalt des eigenen Lebens wichtig ist, anderes Leben zu schützen und andere Lebewesen auch als ebenso wichtig anzusehen wie sich selbst.
Ein weiterer wichtiger Grund für eine überwiegend pflanzliche Ernährung liegt darin, dass Pflanzen einen hohen Gehalt an Ballaststoffen aufweisen. Der Begriff „Ballaststoff“ steht im Allgemeinen für „Nahrungsfasern“ und bezieht sich auf die pflanzlichen Zellwände. Darüber hinaus ist eine pflanzliche Ernährung arm an gesättigten Fettsäuren, hoch an essentiellen Fettsäuren und reich an antioxidativen Nährstoffen und Phytochemikalien. Diese wichtigen Pflanzenstoffe bieten einen erheblichen Schutz vor zum Beispiel Herzerkrankungen.
Positive Effekte von Ballaststoffen sind: verminderte Darmtransitzeit, verzögerte Magenentleerung nach dem Essen, Erhöhung der Pankreas- Sekretion und die Verbesserung der Darm-Mikro Flora.
Ein gutes Ziel ist es, täglich 25 bis 35 Gramm an Ballaststoffen aufzunehmen. Dies kann leicht erreicht werden, wenn man den diätetischen Schwerpunkt auf ganze, unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel legt.
Die Vorstellungen darüber, was eine Person im Allgemeinen oder im Einzelnen essen sollte, wird im Ayurveda ziemlich genau beschrieben. Trotz unterschiedlicher Varianten gibt es im hier einige gemeinsame Leitlinien für gutes und schlechtes Essen. Die Verdauungsorgane werden als erste Verbraucher der eingenommenen Nahrungsmittel gesehen. Das heißt, was für das Verdauungssystem geeignet ist, ist gut und was nicht geeignet ist, ist natürlich schlecht.


Upyoga samstha oder die ayurvedischen Grundregeln des Essens:

- Achten Sie auf die natürlichen Bedürfnisse und erledigen Sie sie vor dem Essen.
- Baden oder zumindest waschen Sie Ihre Hände, Gesicht und Füße, bevor Sie essen.
- Setzen Sie sich in einen isolierten und sauberen Bereich.
- Beten und danken Sie der Natur für das Essen.
- Geben Sie erst Ihren Angehörigen zu essen.
- Konzentrieren Sie sich und essen Sie mit Vertrauen. Vermeiden Sie Fernsehen und Unterhaltung während des Essens.
- Nehmen Sie alles im einzelnen mit Ehrfurcht und hoher Achtung und Liebe zu sich und kauen sie gut.
- Achten Sie darauf, dass alle Geschmacksrichtungen im Menü vorhanden sind.
- Essen Sie süß- ölig zuerst, sauer und würzig in der Mitte und bitter und zusammenziehend am Ende einer Mahlzeit.
- Essen Sie immer die geeigneten Nahrungsmittel in Bezug auf Körper-Konstitution, Alter, Jahreszeit und Doshas (Bioenergien)
- Lebensmittel in der richtigen Menge gegessen stören das Gleichgewicht der Doshas nicht und die dadurch leicht funktionierende Verdauung fördert die Lebensdauer.
- Charaka empfiehlt, sich vorzustellen, den Magen in drei Teile aufzuteilen. Einen Teil des Magen mit fester Nahrung zu füllen, den zweiten Teil mit flüssigen Nahrungsmittel und den dritten Teil leer zu lassen.


Das beste Essen für den täglichen Gebrauch:
- Ushnam Ashneetat: Essen Sie frisches, warmes, gekochtes Essen
- Snigdham Ashneeyat: Verwenden Sie Ghee (geklärte Butter) für das Essen
- Verwenden Sie Reis, Weizen, Gerste, reife Früchte, im Dampf gegartes Gemüse, Trauben, Rosinen, Feigen, grüne Pflanzen, Milch, Buttermilch, Honig, Granatapfel und Triphala täglich.
- Anupana - ein wenig warmes Wasser oder Buttermilch ist hilfreich für eine leichtere Verdauung und bietet ein Gefühl der Zufriedenheit.


Der Autor Dr. Shrikrishna Sharma ist Professor und Abteilungsleiter für klinische Diagnose des National Institut of Ayurveda der indischen Bundesregierung Jaipur und Gastprofessor im Europäischen Institut für Ayurveda Medizin und Autor mehrerer Bücher und Monographien. Der Autor Dr. K. Naik leitet das Ayurveda-Care in Berlin.


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