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Ausgabe Januar/Februar 2014
Kann man Zeit kaufen? Von Dr. Gerhard Huhn

Für eine seit Jahrzehnten unter Insidern bewährte Methode zur sinnvollen Gestaltung des Tages gibt es jetzt endlich in handwerklich ansprechend gestalteter Buchform „Den Tag meistern – mit der 6-Punkte Liste“. Der Autor Dr. Gerhard Huhn erläutert den beso

Was würden Sie zahlen, wenn man wirklich Zeit kaufen könnte, einen Tag pro Monat oder gar einen ganzen Monat? Nun, Zeit ist eine wichtige Ressource, aber man kann sie nirgendwo kaufen. Und Zeitknappheit ist keine neue Erfindung. Schon Altmeister Goethe schrieb: »Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen, ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.« Sie werden wahrscheinlich auch schon die eine oder andere Zeit-Plan-Technik benutzt haben, um dem Zeit-Stress zu entkommen. Rasch stellt man fest, dass das Leben viel zu dynamisch und voller Überraschungen ist, als dass man den Tag in ein enges Planungskonzept pressen kann.
Der Soziologe und Beschleunigungsforscher Hartmut Rosa hält die herkömmlichen Zeitplantechniken sogar für sehr problematisch, da sie eher Illusionen nähren als dass sie helfen können. Im Endeffekt enttäuschen sie die Nutzer, weil sie sie an der Nase herumführen: Die Beschleunigung, die unsere Kultur auszeichnet, lässt sich so nicht aufhalten und genau diese macht lineare Zeitplanung zur Farce. Gibt es überhaupt eine Lösung, wenn Entschleunigen eine Illusion ist und das Bemühen, die Beschleunigung noch optimieren zu wollen, sogar recht gefährlich sein kann?
Aus einem solchen Dilemma des Entweder – Oder mit zwei untauglichen Alternativen kann man sich nur durch ein ganz anderes Drittes (Paul Watzlawick würde sagen „eine Veränderung 2. Ordnung“) lösen. Und die ist in diesem Fall sogar recht einfach: Die Lösung heißt »Fokussierung«. Wir müssen dem mehr Aufmerksamkeit widmen, wem und was wir unsere Aufmerksamkeit schenken. Das heißt, mehr Klarheit schaffen über das, was wichtig ist. Das Wichtige ist dann auch noch vom Dringenden zu unterscheiden und beides gilt es mit einer ganz schlichten Arbeitsweise in den Tag zu integrieren.

„Weiß irgendjemand, wo man Zeit kaufen kann? Ich könnte einen Monat gebrauchen. Zahle einen guten Preis.“ (Frage eines Freundes bei Facebook)

Es geht um eine Methode, die Ihnen einerseits die Freiheit der Gestaltung des Tages lässt, andererseits aber auch eine klare Struktur schafft und dafür sorgt, dass Sie abends – und zwar an jedem Abend – befriedigt feststellen können, dass Sie das Wichtige an diesem Tag erledigt haben. Und diese Methode gibt es. Sie ist nicht einmal neu und aufwendig, sondern sie hat sich nun schon fast ein Jahrhundert lang bewährt und ist extrem einfach zu handhaben: Zehn Minuten am Tag ist der ganze Aufwand. Es ist die »6-Punkte-Liste zur Meisterung des einzelnen Tages«. Und Meisterung heißt hier: mit weniger Stress als bisher die eigene Effektivität um mindestens 10% zu steigern, was bei einem 8 - 9 Stunden Arbeits-Tag knapp eine Stunde Zeitgewinn ausmacht. Das sind pro Monat mehr als zwei ganze Tage und aufs Jahr gerechnet mehr als 20 Tage Zeitgewinn und Zuwachs von Lebensqualität. Und das ist das Mindeste, was Sie erwarten können. Anwender berichten auch von 30 bis 50 Prozent Leistungssteigerung bei gleichzeitig entschieden größerer innerer Gelassenheit.
Das abendliche Anfertigen einer »6-Punkte-Liste« ist dem Stahlindustriellen Charles Schwab von seinem Berater Ivy Lee Anfang des letzten Jahrhunderts empfohlen worden. Schwab hat mit Hilfe dieser Methode Bethlehem Steel, eines der seinerzeit größten und erfolgreichsten Stahlunternehmen der Welt aufgebaut.

Dem Reiz des Dringenden widerstehen
Um mit uns selbst zufrieden sein zu können, müssen wir zumindest ein paar Dinge am Tag tun, die wichtig sind. Daneben gibt es aber auch Dinge, die dringend sind. Manchmal ist das, was wichtig ist, auch dringend, manchmal ist es aber auch nur dringend und nicht wichtig. Meist ist es dann für andere wichtig und wir sollten genauer hin schauen, ob wir uns dem anschließen wollen (oder müssen?) und es auch für uns zu etwas Wichtigem werden lassen. Oder ob es nicht angemessener wäre, höflich aber klar und deutlich NEIN zu sagen. Das aber machen wir in der Regel nicht. Stattdessen reagieren wir reflexhaft und erledigen das Dringende.
Das Wort »dringend« hat etwas mit drängen, mit bedrängen zu tun. Gewisse Informationsreize wie zum Beispiel das Klingeln des Telefons, die laute Stimme eines Chefs, ein Termin, der im Kalender rot angestrichen ist, alarmieren einen emotionalen Anteil unseres Gehirns und lösen einen spannungsreichen, unangenehmen Alarmzustand aus, um unsere Aufmerksamkeit zu fokussieren und eine sofortige Reaktion auszulösen. Das sind die Momente, in denen wir die bewusste Kontrolle über unsere Aufmerksamkeit verlieren.
Insofern haben Informationen, die in unserem Gehirn die Einfärbung des Dringenden erhalten, eine innewohnende Tendenz, sofort erledigt zu werden. Wir wollen diesen unangenehmen Spannungszustand beseitigen. Entscheidungen über das, was wichtig ist, lösen dagegen keine derartige Spannung aus. Diese haben daher nicht die innewohnende Tendenz, erledigt zu werden.
Folglich passiert es zu häufig, dass vor lauter Erledigen des Dringlichen das Wichtige liegen bleibt. Bis man dann feststellt, dass einem eigentlich Wochen oder Monate fehlen und man bereit wäre, einen hohen Preis für zusätzliche Zeit zu zahlen.
Daniel Goleman stellt fest, dass sich unsere Lebensqualität genau in dem Maße verbessert, in dem wir eine Pause einlegen zwischen einem Impuls, der von außen kommt und uns zum Handeln drängt und unserer Reaktion darauf. Je stärker wir uns von einer automatischen Reaktion lösen können und uns für das wirklich Wichtige entscheiden, unsere Aufmerksamkeit also bewusst fokussieren, desto besser wird die Qualität unseres Lebens.
Doch nun ganz praktisch: Wie bekommt man nun diese Balance zwischen dem Dringenden und dem Wichtigen im Alltag hin? Die Kunst des gelungenen Selbstmanagements besteht darin, das, was wichtig ist, zu etwas Dringendem zu machen. Und das ist genau das, was Herrn Lee mit seiner Methode der 6-Punkte-Liste gelungen ist. Eine Beschreibung der Vorgehensweise finden Sie auf der Seite www.6-punkte-liste.de.
Die überraschende Einfachheit des Systems verführte bisher allerdings zu einer schlichten Zettelwirtschaft. Das ist nicht wirklich professionell. Nach Jahren der eigenen Anwendung hat eine Runde erfolgreicher Unternehmer, Coaches und Trainer unter tatkräftiger Mitwirkung eines Designers und Verlegers das schlichte Modell von Herrn Lee in die heutige Zeit übersetzt und in eine handliche Buchform, die »6-Punkte-Liste«, transformiert. Ohne Trainingsaufwand kann die 6-Punkte-Liste von einem Tag zum anderen eingesetzt werden.
Sie müssen nicht gleich einen ganzen Stahlkonzern damit retten. Wenn Sie für sich mindestens 20 zusätzliche Lebenstage „kaufen“ können, lohnt sich die Arbeit mit der »6-Punkte-Liste«.


Der Autor Dr. Gerhard Huhn ist Jurist, Coach und Trainer. Zusammen mit der Dipl.- Psychologin Laura Ritthaler Leiter der Flow Akademie Berlin (www.flowakademie.de) beschäftigt er sich seit über 4 Jahrzehnten mit der Umsetzung von Erkenntnissen der Gehirnforschung in den Alltag. Seine Anregungen und Impulse für (Selbst-)Motivation, Veränderungsprozesse, Kreativität und Führung werden von Unternehmen wie von Privatpersonen als originell und wirkungsvoll geschätzt.

Buchtipp:
G. Huhn und O. Seltmann, Kalender zum Zeitmanagement - Die 6-Punkte-Liste - Den Tag meistern, Verlag Seltmann+ Söhne, € 24,90


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