aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Juli/August 2001
Ein wahrer Meister will, dass du frei bist.

Madhukar, Schüler des 1997 verstorbenen indischen Meisters Papaji (H.W.L. Poonja), .

art8085
Durch Papaji verbunden mit dessen Meister Ramana Maharshi, bezeichnet er sich selbst als Diener der Wahrheit. Früher Fernsehjournalist und Yogalehrer, hatte Madhukar in den achtziger Jahren ein Erleuchtungserlebnis, in dessen Folge er erkannte, dass dies nicht die letzte Wahrheit war. Er suchte weiter und fand schließlich in Papaji seinen Meister, der ihm den Weg zur Freiheit wies. Wir veröffentlichen einen Auszug aus einem Interview von Susanne Zahn, das voraussichtlich im November in voller Länge in der Zeitschrift „Connection“ erscheint und in dem er darüber spricht, was in einem Satsang passieren kann und über die Bedeutung des Meisters auf dem Weg zur Freiheit.

Susanne Zahn: Was lehrst du?

Madhukar: Ich lehre aus der Leere. Aus einer Leere, die voll Fülle, Stille und Frieden ist. Den Menschen, die zu mir kommen, kann ich es nicht antun, sie mit einer weiteren Lehre zu belasten. Weil eine Lehre immer alt ist, ein alter Weg. Mir geht’s um die Frische des Seins, die immer da ist. Deswegen kann ich sagen: Ich lehre nichts. Ich lade die Menschen lediglich ein zu erkennen, was ihr wahres Selbst ist. Und ich kann diese wahre Existenz dem Wahrhaftigen beweisen, sofort. Ich habe keine Lehre nötig. Keinen Weg, der die Menschen irgendwann, in einer unbestimmten Zukunft zum Ziel führt. Es geht um das Erkennen deines wahren Selbst als Frieden und Stille. Hier und Jetzt. Mein Meister war kein Lehrer. Ich bin auch kein Lehrer.


Was passiert in so einem Satsang mit dir?

Was passieren kann, ist wunderbar. Täglich berichten mir dankbare Leute in E-Mails, Briefen, Anrufen, dass ihr Leid von ihnen abfällt, nachdem sie meine Hinweise befolgten. Und so sieht formal ein Satsang aus: Satsang geschieht im Jetzt, rein im Jetzt. In die Augen schauen, Stille, Dialoge. Wenn bei dir irgendeine Frage oder ein Erlebnis hochkommt, wenn du irgendwelche Zweifel hast, dann fragst du einfach, und ein Gespräch entsteht.
Das kann sehr heilig wirken, das kann aber auch sehr humorvoll, sehr lustig sein, auch hart, je nachdem, abhängig von dem Moment. Was wirklich passiert ist, dass die Gedankenstrukturen hinterfragt werden, die Belastungen und Illusionen von einem abfallen, man sich wie in einer Oase für eine Stunde ausruht.


Kann das, was in dieser Oase ist, mit in den Alltag genommen werden?

Du bist Frieden. Wenn deine Ausrichtungen und Empfindungen im Alltag anders sind, dann erscheint es so, als ob du diesen Frieden verteidigen und aus dem Satsang mitnehmen müsstest. Ich sagte aber bereits, ich beweise dir, dass dieser Frieden dein Seinsgrund ist, dein wirkliches Dasein. Ich sehe keinerlei Widerspruch zwischen Satsang und Alltag. Wenn du nur eine Stunde lang im Frieden sein kannst und nicht in deinem Alltag, dann gibt es Strukturen in dir, die verhaftet sind an etwas anderem als Frieden. Und die schauen wir uns an. Was ist dir wichtiger als Frieden und Freiheit?

Braucht es dazu einen Meister, obwohl das unser wahres Selbst ist, unsere wahre Natur?
Das Dickicht unserer Empfindungen, unserer sensuellen und intellektuellen Wahrnehmungen ist so dicht, so struppig gewachsen, dass wir uns mit dem Wahrgenommenen identifizieren. Das, was wir sehen, denken, fühlen, nehmen wir an als Wahrheit. Aber das ist nicht wirkliche Wahrheit, sondern sie ist determiniert, bestimmt durch unsere Sinne. Die sind wieder programmiert durch unsere Kultur, unsere Erziehung, unsere Lebenserfahrungen, und wenn man die Symbolik der Inkarnationen dazunimmt, von Tausenden von Leben. Und der Geist an sich ist nicht notwendigerweise interessiert, frei zu sein. Der Geist ist wie ein Affe, der glücklich sich von Ast zu Ast hangelt. Der Guru befreit dich aus diesem Labyrinth, diesem Dickicht deiner Sinneswahrnehmungen und deiner gedanklichen Verhaftungen - wenn es ein wahrer Guru ist. Ein wahrer Meister will, dass du frei bist, und zwar jetzt! Nicht im nächsten Leben, nicht im Himmel, nicht nach zehn Jahren von hartem Praktizieren. Jetzt.


Warum kommst du nach Berlin?

Berlin ist eine sehr wichtige Stadt. Vor über 10 Jahren war ich in einer anderen Mission da, in der Zeit, als die Mauer fiel, da traf ich im Tiergarten Hopi-Indianer. Die haben da ein Ritual gemacht und erklärten, dass in Berlin die Blutkraft immer noch nicht gebunden ist. Das ist eine indianische Sichtweise, dass da immer noch das Kriegsbeil unbegraben ist. Vielleicht deswegen ist Berlin eine Stadt mit einerseits sehr viel Kraft, sehr viel Potenzial, andererseits sehr viel Frustration, Depression und Traurigkeit. Berlin ist eine sehr exponierte, sehr dualistische Stadt. Dieses Kraftpotenzial habe ich immer wahrgenommen, wenn ich da war. Deswegen komme ich gerne nach Berlin, die Stadt des Bären. Der Bär war das Totemtier der Germanen. Ich komme gerne, um den Bären ein wenig zu kitzeln. Ich freu mich auf viele schöne Menschen, authentische Menschen.

Satsang ist kostbar. In meiner Kenntnis gibt es nirgendwo sonst diesen Diamanten des Friedens und der Wahrheit so unspirituell, unreligiös, unprätenziös präsentiert. Im wahren Satsang geht es nicht darum, Menschen in irgendeiner Religion oder in Philosophie einzubinden, sie zu belasten mit neuen Übungen. Es ist eine einmalige Chance, in diesem Leben herauszufinden, wer du wirklich bist. Satsang ist die Chance. Ich freue mich auf Berlin.



Madhukar gibt seit einigen Jahren Satsangs und Retreats in Europa, USA, und Asien. Satsang in Berlin findet in deutscher Sprache statt.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.