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Ausgabe November/Dezember 2012
Quellen der Kraft. Natascha von Ganski findet sie in der Natur


In einer erfolgsorientierten Gesellschaft fällt es nicht immer leicht, den eigenen Weg von Gelassenheit und innerer Stärke zu gehen. Kränkungen am Arbeitsplatz oder unvorhergesehene Ereignisse schleudern uns nur allzuschnell aus dem Alltag und der eingespielten Routine. Um so bedeutender werden Kraftquellen, die wir in schwierigen Situationen aufsuchen können. Freunde, die uns Halt und Unterstützung anbieten und familiärer Rückhalt, auf den wir zählen können.
Kraftquellen finden wir in der Natur unter einem rauschenden Blätterdach hoher Bäume oder auf einer Wiese inmitten einer Parkanlage.
Zwischen erholsamem Grün kann die Seele aufatmen und Gedanken können in Ruhe sortiert werden. Nur leider haben wir nicht immer die Möglichkeit dazu, weil schon wieder weitere Termine anstehen und der Lieblingspark nicht gerade um die Ecke liegt.

Glücklicherweise können wir Pflanzenkräfte auf vielfältige Art nutzen und es unseren Vorfahren in Sachen Kreativiät gleichtun, wenn es darum geht, sich mit Pflanzenwesen zu verbünden. Etwa in Form eines Amuletts, das wir täglich bei uns tragen. Besonders gut eignen sich hierfür Wurzeln oder Hölzer von Holunder, Haselnuß und Esche.
Die Hasel und der Holunder stehen symbolisch für Übergänge und Selbsterneuerung. Wenn wir uns von unliebsamen Angewohnheiten trennen möchten, Entscheidungen anstehen und tiefgreifende Veränderungen uns in der Nacht den herbeigesehnten Schlaf rauben, können Verbündete aus dem Pflanzenreich uns helfend beistehen.
Wer die innere Anwendung von Heilpflanzen dem Tragen von Amuletten vorzieht, dem sei Pflanzenmedizin, die alchimistisch hergestellt wurde, zu empfehlen. Spagyrische Pflanzenessenzen bestehen aus dem Wesentlichen einer Pflanze und sind sehr gut verträglich. Im alchimistischen Herstellungsprozess werden Körper, Geist und Seele der Pflanze erhöht und von unreinen Substanzen getrennt. Grobstoffliche Pflanzenanteile werden sorgsam entfernt, so dass die reine Quintessenz innerlich eingenommen werden kann. Diese feinstoffliche Pflanzenmedizin wirkt in erster Linie sehr sanft und subtil. Träume treten stärker in den Vordergrund, was allerdings wünschenswert ist, da sich hier Lösungen und Erkenntnisse für das alltägliche Leben offenbaren.

Seit Urzeiten werden die Samen der Steppenraute (Peganum harmala) in Afrika bei religiösen und magischen Ritualen wegen ihrer halluzinogenen Wirkung verwendet. Als spagyrische Essenz (z.B. von Spagyros über die Apotheke) fördert die Steppenraute die Phantasie und bringt eine Balance in den Tag-Nacht-Rhythmus. Sie hilft, das vorhandene Wissen aus den Tiefen des Unterbewusstseins in das Tagesbewusstsein zu transferieren. Kalmus (Acorus calamus) hilft bei Schlaflosigkeit, schlechten Träumen und Gedächtnisverlust. In der tibetischen Medizin wird Kalmus als eine „den Geist bewegende“ Heilpflanze bezeichnet. Weiterhin soll er vitalisierend wirken und ein Verjüngungsmittel sein. Bei den nordamerikanischen Indiandern ist er ebenfalls ein beliebtes Tonikum und Allheilmitel.

Eine recht unbewusste, aber praktische Art Pflanzenkraft zu nutzen ist, sie über die tägliche Nahrung aufzunehmen. Kluge Kräuterfrauen gehen geradezu verschwenderisch mit frischen und getrockneten Gewürzen in der Küche um. Die positiven Eigenschaften des Ingwers für die Verdauung, das Immunsystem und dem allgemeinen Wohlbefinden haben in den letzten Jahren zu einem regelrechten Ingwerboom geführt. Frisches Korianderkraut soll in der Lage sein, Quecksilber aus dem Körper zu lösen. Sinnvoll ist die Kombination mit Petersilie, die aufgrund ihrer harntreibenden Eigenschaft für die nötige Ausleitung sorgt. Beide Kräuter sollten während Schwangerschaft und Stillzeit gemieden werden, da eine Schwermetallausleitung vor oder nach dieser Zeit angebracht ist.

Für die kalten und nassen Herbsttage ist eine Suppe aus Wurzeln genau das Richtige. Sie durchwärmen den gesamten Organismus und aktivieren das Immunsystem.

Wurzelsuppe
Jeweils zwei Hände voll klein geschnittener Pastinaken, Karotten, Kartoffeln und Sellerie mit einer Tasse roter Linsen und Ingwer nach Belieben eine halbe Stunde köcheln lassen. Anschließend je einen halben Teelöffel Curcuma, Galgant, Kalmuswurzel und Engelwurz (alle in Pulverform) dazugeben und die Suppe weitere zwanzig Minuten ziehen lassen.
Dieses Süppchen verleiht uns wahre Wurzelkräfte.

Selbst hergestellte Pflanzenmedizin hat besonders große Macht. Die im Sommer gesammelten Pflanzen wie Johanniskraut, Schafgarbe, Salbei und Engelwurz können mit ein wenig Baumharz vermischt zu Räucherwerk verarbeitet werden und verteiben krankmachende Einflüsse in Wohn- oder Arbeitsräumen.
Ebenso bieten selbstgerührte Balsame und einhüllende Körperöle, die mit hautnährenden ätherischen Ölen aromatisiert werden, Schutz vor Ansteckung. Sowohl auf körperlicher Ebene als auch der seelisch-psychische Bereich werden hier gleichermaßen angesprochen.
Die Duftmoleküle eines ätherischen Öls erreichen beim Inhalieren über den Riechnerv unsere Schaltzentrale für Emotionen jeglicher Art und können so angstlösend, beruhigend, nervenstärkend oder aufmunternd wirken. Unsere Haut profitiert ebenfalls von den Wirkstoffen bestimmter Öle. Je nach Hautbeschaffenheit regulieren sie zu trockene oder stark fettende Haut und fördern das Heilen von Wunden.

Die Autorin Natascha von Ganski ist Heilpraktikerin für Natur- und Heilpflanzenkunde nach der traditionellen abendländischen Medizin mit eigener Praxis. Sie leitet die „alcimia Heilpflanzenschule“ in Berlin.


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