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Ausgabe November/Dezember 2011
Das Lebendige lebendiger werden lassen Dr. Michael Schneider

Wovor haben wir Angst? Warum fällt uns der individuelle wie gesellschaftliche Wandel zu mehr Nachhaltigkeit so schwer? Wie ließe sich Frieden schließen, mit uns und mit unseren Mitmenschen, Frieden aber auch mit der äußeren Natur, unserer natürlichen Mitw

Die klassische Physik hat folgende Vorstellung: Außerhalb von uns existiert eine Welt, die ohne uns, als ihren Betrachter, auch existiert in Form von Objekten, Gegenständen. Die Wirklichkeit ist Realität. Realität (lateinisch res: das Ding) meint, dass die Welt aus Dingen, das heißt aus Materie besteht. Diese Materie existiert in einem dreidimensionalen Raum und in der Zeit. Das Bemerkenswerte an der Zeit ist dabei, dass diese sich anders artikuliert als die drei Raumdimensionen. Nur ein Zeitpunkt, die augenblickliche Gegenwart, ist uns zugänglich. Das JETZT, was wir unmittelbar erleben, ist kurz und wird sofort unwiederbringlich Vergangenheit. Denn schon ist eine neue Gegenwart da, ein neues JETZT, das uns aus einer vorgestellten Zukunft erreicht. Es bleibt dabei unverständlich, warum uns die Wirklichkeit nur in einem Nacheinander, Schicht für Schicht, aufgetischt wird, wo doch, was in Zukunft passiert, für unser Leben und Überleben so wichtig ist. Es gelingt uns jedoch, diese Ignoranz durch die erlebte Feststellung zu überwinden, dass die jeweiligen Gegenwarten nicht einfach aufeinander folgen, sondern dass hier ein tieferer Zusammenhang besteht, eine »kausale Verknüpfung«, bei der bestimmte »Ursachen jetzt« zu bestimmten »Wirkungen später« führen. Die Belegungen der Schichten folgen bestimmten Gesetzmäßigkeiten, Naturgesetzen. Das Zukünftige wird dadurch in seiner speziellen Ausprägung festgelegt und für uns vorhersehbar. Die Welt läuft, ähnlich wie ein mechanisches Uhrwerk, eindeutig determiniert ab.
In der Technik verwenden wir diese Gesetzmäßigkeiten, um das Zukünftige für unsere Zwecke geeignet zu gestalten. Doch diese Gestaltungsmöglichkeit funktioniert nur, wenn der Mensch als Zukunftsgestalter nicht selbst Teil des determinierten Uhrwerks ist. Wir postulieren deshalb für den Menschen eine zusätzliche geistige Dimension und mit dieser die Möglichkeit des Wissens. Die geistige Dimension soll nichts mit der mechanistischen Natur zu tun haben, sondern sie ist »Gott ähnlich«. Wir erleben uns praktisch als vom »lieben Gott« beauftragt, auf dieser Erde in seinem Namen, gewissermaßen als Mitschöpfer, einzugreifen und das Weltgeschehen möglichst in Richtung des Guten zu lenken. Daraus erwächst die Maxime: »Wissen ist Macht«.
Wir haben also im Rahmen der klassischen Beschreibung die Vorstellung einer streng determinierten Natur, die sich von einem mit Geist begabten und einsichtsvollen sowie mit erlerntem Wissen und vielfältigen Fertigkeiten ausgestatteten Menschen absichts voll manipulieren und in den Griff bekommen lässt. Er muss dazu den Zustand der Welt und ihre Gesetzmäßigkeiten möglichst genau kennen. Aufgrund der Verschiedenartigkeit der geistigen und materiellen Dimension fallen bei dieser Betrachtungsweise Mensch und Natur prinzipiell auseinander. Die Natur wird gottlos erniedrigt, der Mensch göttlich erhöht, der Trennungsstrich willkürlich gezogen. Aber warum soll der Mensch so verschieden sein von seinen näheren und entfernteren Verwandten im Tierreich, abgetrennt vom ganzen wunderbaren Reich des Lebendigen?
Aufgrund der klassischen Vorstellungen bedeutet mehr Wissen einen Machtzuwachs. Man möchte immer genauer beschreiben, was ist. Man stellt fest: Was ist, ist Materie. Aber die Materie hat auch noch Form. Wir sagen deshalb: Die Materie ist das Grundlegende, die Form ist eine abgeleitete Eigenschaft, die etwas mit der Anordnung der Materie zu tun hat. Gibt es Materie, die keine Form mehr hat? Um sie zu finden, zerlegen wir Materie immer weiter, um schließlich formlose Materie zu erhalten. Kleinste Teilchen, die sich nicht weiter zerlegen lassen, sollten formlos sein. Wir nennen sie »A-tome«, die Unzerlegbaren. Aber auch sie erweisen sich bei genauerer Betrachtung als zerlegbar in kleinere Einheiten: Atomkerne, Elementarteilchen usw. Kaum wähnen wir uns beim Allerkleinsten angekommen zu sein, geht es weiter und der Verdacht verdichtet sich, dass wir nie an ein Ende kommen werden. Aber wir kommen zu einem Ende, doch auf eine ganz unerwartete Weise.
Wenn wir die Materie immer weiter auseinandernehmen, in der Hoffnung die kleinste, gestaltlose, reine Materie zu finden, bleibt am Ende nichts mehr übrig, was uns an Materie erinnert. Am Schluss ist kein Stoff mehr, nur noch Form, Gestalt, Symmetrie, Beziehung.
Die moderne Physik kommt zu der überraschenden Erkenntnis: Materie ist nicht aus Materie aufgebaut! Diese Erkenntnis war und ist nach wie vor sehr verwirrend. Wenn Materie nicht aus Materie aufgebaut ist, dann bedeutet das: Das Primat von Materie und Form dreht sich um: Das Primäre ist Beziehung, der Stoff das Sekundäre. Materie ist der neuen Physik zufolge ein Phänomen, das erst bei einer gewissen vergröberten Betrachtung erscheint. Materie/Stoff ist geronnene Form. Vielleicht könnten wir auch sagen: Am Ende allen Zerteilens von Materie bleibt etwas, das mehr dem Geistigen ähnelt – ganzheitlich, offen, lebendig: Potenzialität, die Kann-Möglichkeit einer Realisierung. Materie ist die Schlacke dieses Geistigen – zerlegbar, abgrenzbar, determiniert: Realität.
In der Potenzialität gibt es keine eindeutigen Ursache/Wirkung- Beziehungen. Die Zukunft ist wesentlich offen. Es lassen sich für das, was »verschlackt«, was real geschieht, nur noch Wahrscheinlichkeiten angeben. Es gibt keine Teilchen, die unzerstörbar sind, die mit sich selbst identisch bleiben, sondern wir haben ein »feuriges Brodeln«, ein ständiges Entstehen und Vergehen. In jedem Augenblick wird die Welt neu geschaffen, jedoch im Angesicht, im »Erwartungsfeld« der ständig abtretenden Welt. Dies ist auch der Grund, warum uns die Zukunft verschlossen bleibt: Sie wird uns nicht vorenthalten, sondern sie existiert gar nicht. Die alte Potenzalität in ihrer Ganzheit gebiert die neue und prägt neue Realisierungen, ohne sie jedoch eindeutig festzulegen.
In diesem andauernden Schöpfungsprozess wird ständig ganz Neues, Noch-nie-Dagewesenes geschaffen. »Alles« ist daran beteiligt. Das Zusammenspiel folgt bestimmten Regeln. Physikalisch wird es beschrieben durch eine Überlagerung komplexwertiger Wellen, die sich verstärken und schwächen können. Es ist ein Plussummenspiel, bei dem Kooperation zur Verstärkung führt. Der zeitliche Prozess ist nicht einfach Entwicklung und Entfaltung beziehungsweise ein »Auswickeln« von bereits Bestehendem, von immerwährender Materie, die sich nur eine neue Form gibt. Es ist vielmehr echte Kreation: Verwandlung von Potenzialität in Realität, materiell-energetische Manifestation des Möglichen. Das mag eine schlechte Nachricht für diejenigen bedeuten, die Natur manipulieren und letztlich fest »in den Griff« bekommen wollen. Denn wir können prinzipiell nicht genau wissen, was unter vorgegebenen Umständen in Zukunft passieren wird. Und dies, wohlgemerkt, nicht aus noch mangelnder Kenntnis, sondern als Folge der Sowohl/Als-auch-Struktur der Potenzialität, die mehr die lose Verknüpfungsstruktur freier Gedanken besitzt beziehungsweise einer »Ahnung« gleicht.
Dies imitiert die Entstehung von unabhängigen Subsystemen, die grob wie Teile des Gesamtsystems fungieren, aus denen dieses Gesamtsystem dann als »zusammengesetzt« erscheint. Dies ist aber nie der Fall, weil der Zusammenhang viel tiefer geht, so wie etwa die sichtbar getrennten weißen Schaumkronen auf stürmischer See nicht die Behauptung rechtfertigen, das Meer sei aus Wellen und Schaumkronen zusammengesetzt. Das Sinnstiftende im Zusammenwirken der Als-ob-Teile entsteht immer aus dem Ganzen, das sie einschließt. Dieses Ganze, Eine, ist immer da, ob das Meer »leer«, glatt und ruhig sich ausbreitet oder ob es »voll«, hoch differenziert sich im Sturme wellt. Das Zusammenspiel der Wellen führt zu einer Orientierung, die so aussieht, als gäbe es ein vorgegebenes Ziel. Aber der Weg, das konstruktive Zusammenspiel, gebiert das Ziel.
Das alte Weltbild stellt den Menschen in den Mittelpunkt des Geschehens. Es ist deshalb verständlich, dass wir in unserer westlichen, betont auf schöpferisches Wirken, Handeln, Machterwerb und Machterweiterung ausgerichteten Zivilisation, trotz unserer heute besseren Einsichten, so stark daran festhalten, uns die Wirklichkeit weiterhin als objekthafte Realität vorzustellen. Denn nur in dieser materiell geronnenen und lokal »ausgeflockten« Form bekommen wir sie in den Griff und können sie zum eigenen Nutzen manipulieren.

Es gibt nur das Eine
Wenn man über die neue Physik berichtet, ist es schon deshalb schwierig, weil sie für unsere Sprache gar nicht geschaffen ist, obgleich sie sich doch an unserer täglich erfahrenen Umwelt entwickelt hat. Heisenberg hat diese Eigentümlichkeit und Schwierigkeit in seinem Buch Der Teil und das Ganze so ausgedrückt: »Die Quantentheorie ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man einen Sachverhalt in völliger Klarheit verstanden haben kann und gleichzeitig doch weiß, dass man nur in Bildern und Gleichnissen von ihm reden kann.« Die Umgangssprache versagt also, wenn es darum geht, das Neue zu beschreiben, obwohl man alles genau »verstanden« hat. Die Physiker haben es da etwas leichter. Die große Genauigkeit eines solchen »Verständnisses« von nicht unmittelbar Vorstellbarem erzielen sie dabei durch höhere Abstraktion und mit Hilfe der flexibleren Sprache der Mathematik.
Die ursprünglichen Elemente der Quantenphysik sind Beziehungen der Formstruktur. Sie sind nicht Materie. Wenn diese Nicht-Materie gewissermaßen gerinnt, zu Schlacke wird, dann wird daraus etwas »Materielles«. Oder noch etwas riskanter ausgedrückt: Im Grunde gibt es nur Geist. Aber dieser Geist »verkalkt « und wird, wenn er verkalkt, Materie. Und wir nehmen in unserer klassischen Vorstellung den Kalk, weil er »greifbar« ist, ernster als das, was vorher da war, das Noch-nicht-Verkalkte, das geistig Lebendige. Es gibt folglich gar nichts Seiendes, nichts, was existiert. Es gibt nur Wandel, Veränderung, Operationen, Prozesse.

Die Welt stellt sich somit als etwas Nicht-Auftrennbares, als etwas Ganzheitliches dar. Die Elementarteilchenprozesse sind nicht so, dass sie ursächlich sind und dann zu einer bestimmten Wirkung führen, sondern es geht ganz »lebendig« und spontan zu. Ein Teilchen verschwindet hier und entsteht wieder dort, und dann sagen wir: Es hat sich von hier nach dort bewegt.
In dem alten materiellen Weltbild haben wir, um die Welt zu erklären, mit dem Getrennten angefangen, dann die energietragende Wechselwirkung hinzugefügt und uns erstaunt gefragt, wie es diesem wilden Gemisch aus getrennter Materie und Wechselwirkung gelang, immer kompliziertere Formen zusammenzubasteln, bis schließlich am Ende auch der Mensch möglich wurde. Konkret geschieht dies so, dass der gegenwärtige Zustand als ein Ensemble einer großen Anzahl von nicht mehr weiter zerlegbaren, strukturlosen und unzerstörbaren Bausteinen, etwa »Atomen « oder »Elementarteilchen«, aufgefasst wird. Sie bleiben mit sich identisch und verändern, aufgrund ihrer naturgesetzlich geregelten Wechselwirkungen, mit der Zeit ihre Anordnungen im Raum auf exakt determinierte Weise.
Die Zeit wird als eine lineare Abfolge und ohne weitere Deutung von Anfang an vorgegeben. Aber das zeitlich Unveränderliche spielt in unserer Wahrnehmung und Beschreibung eine besondere Rolle und wird von uns unmittelbar als »Materie« begriffen. Die zeitlich unveränderlichen Bausteine der Materie verbürgen gewissermaßen bei dieser klassischen Vorstellung die zeitliche Kontinuität unserer Welt. Sie untermauern die Vorstellung einer »Notwendigkeit« zukünftiger Existenz.
Die klassische Ansicht war doch: Die Materie ist das Primäre und das eigentlich Wichtige: Materie bleibt Materie, und sie ist deshalb so verlässlich, weil sie – im Gegensatz zur Form, die sich nach Maßgabe der Naturgesetzlichkeit ständig verändert – zeitlich gleich bleibt. Die neue Erkenntnis lautet nun: Die Form (oder allgemeiner: eine Art Gestalt) ist es, die sich im Laufe der Zeit nicht verändert. Materie gibt es im Grunde gar nicht. Diese bildet sich erst als »Als ob«-Erscheinung bei größeren Anhäufungen der atomaren Gestaltwesen auf einem räumlich höheren Niveau durch Ausmittelung heraus. Das ist der revolutionäre Anfang der modernen Physik.

Welt als Beziehung – eine neue Sichtweise
...
Vom Standpunkt der neuen Physik aus entsteht eine Beziehungsstruktur nicht nur durch vielfältige und komplizierte Wechselwirkungen der vorgestellten »Bausteine« (Atome oder Moleküle), so etwa durch die elektromagnetischen Kräfte der Atomhülle. Sie existiert darüber hinaus aufgrund der wesentlich Welt als Beziehung – eine neue Sichtweise 27 innigeren und für die Quantenphysik typischen, holistischen Beziehungsstruktur. Sie verbietet uns streng genommen, überhaupt sinnvoll von Bausteinen, also von »Teilen« eines Systems in der ursprünglichen Bedeutung zu sprechen.
Das elektromagnetische Feld, das ohne materiellen Träger (den vermuteten Äther gibt es nicht) den Raum erfüllt, ist eine solche immaterielle »Gestalt«, gewissermaßen ein formiertes Nichts, eine ganzheitliche, hoch differenzierte Formstruktur, in deren spezieller Differenzierung wir zum Beispiel die für uns bestimmten Telefongespräche, die Radio- und Fernsehprogramme, die Existenz und Beschaffenheit von Sonne, Mond und Sternen und vieles mehr »abtasten« können. Oder nehmen wir als ein anderes, vielleicht noch anschaulicheres Beispiel eine Schallplatte mit der Matthäuspassion von Bach. Wir hören eine Geige, ein Cello, einen Sopran, einen vielstimmigen Chor und ein differenziertes Orchester. Wir nehmen die Schallplatte in die Hand und fragen uns: »Wo ist dieser Sopran?« Wir sehen auf der Platte nur eine spiralförmig aufgewickelte Rille. Auch wenn wir ein Vergrößerungsglas oder ein Mikroskop zu Hilfe nehmen, werden wir den Sopran nicht finden. Der Sopran mit seinen vielfältigen Klangfarben ist nämlich in der Gestalt der Rille verborgen, in einer Beziehungsstruktur verschlüsselt. Die materielle Schallplatte ist dabei nur ein nebensächlicher, austauschbarer Träger; es könnte auch eine CD oder ein magnetisches Tonband sein.
Im Hinblick auf die allgemeine Quantenphysik ist der Schallplattenvergleich vielleicht irreführend, da bei der Schallplatte die genaue Positionierung der Rille insgesamt alle Information für die Schwingungsform enthält, die sich dann unserem Ohr als Tongestalt erschließt. Eine genaue Position nehmen wir als eine sich lokal verstärkende Überlagerung von sehr vielen Tönen, als Kurzkrach wahr, wie ihn ein Kratzer verursacht, während ein reiner Ton aus einer über die ganze Rillenlänge verteilten Form resultiert. Hier besteht also eine Analogie zu der Partikel- und Wellenbeschreibung etwa eines Elektrons oder Photons in der Quantenmechanik.
In der allgemeinen Quantenphysik »lebt« die Gestalt in höherdimensionalen Räumen, die nichts mehr mit dem dreidimensionalen Raum unserer begreifbaren Welt gemein hat, aber sehr wohl dort »Abdrücke« (Realisierungen) hinterlässt. Da es nach den Vorstellungen der Quantenphysik das Teilchen im alten klassischen Sinne nicht mehr gibt, gibt es streng genommen auch keine zeitlich mit sich selbst identischen Objekte und damit auch nicht mehr die für uns so selbstverständliche, zeitlich durchgängig existierende, objekthafte Welt. Was bedeutet das?
Keine noch so genaue Beobachtung aller Fakten in der Gegenwart würde ausreichen, um das zukünftige Geschehen eindeutig vorherzusagen. Die Beobachtung eröffnet lediglich ein bestimmtes Erwartungsfeld von Möglichkeiten, für deren Realisierung sich bestimmte Wahrscheinlichkeiten angeben lassen. Das zukünftige Geschehen ist in seiner zeitlichen Abfolge weder bestimmt noch eindeutig festgelegt, sondern es bleibt in gewisser Weise offen.
Im Mikroskopischen lässt sich das Zukünftige nicht eindeutig vorherbestimmen aus dem, was in der Gegenwart passiert. Die Zukunft ist offen, jedoch nicht ganz offen, nicht zufällig, denn es lassen sich immer noch bestimmte Wahrscheinlichkeiten angeben für das unendlich Vielfältige, was sich in der Folge ereignen kann. Das Beispiel eines Würfels verdeutlicht dies. Ich kann nicht vorhersagen, welche Zahl ich würfeln werde. Wenn ich aber gleichzeitig eine Million Würfel auf den Tisch werfe, wird das Resultat praktisch eindeutig: Alle Augenzahlen kommen gleich oft vor, in diesem Fall mit einer mittleren Abweichung von etwa einem Tausendstel. Die Zukunft ist folglich durch gewisse allgemeine Bedingungen eingeengt, die mit den sogenannten Erhaltungssätzen zusammenhängen und aus Symmetrieeigenschaften der Dynamik resultieren. Hierzu gehört insbesondere die Erhaltung der Energie, welche – nach Einstein – die »Masse« als eine konzentrierte Form der Energie einschließt, doch auch die Erhaltung der elektrischen Ladung und anderer. Sie sorgen dafür, dass bei der Mittelung im Großen überhaupt Eigenschaften, die Kenngrößen der klassischen Physik, übrig bleiben und greifbar werden.



Auszug aus: Hans-Peter Dürr, Das Lebendige lebendiger werden lassen, Kapitel 1, S. 19-28 (von der Redaktion etwas gekürzt) mit freundlicher Genehmigung des oekom Verlags, München
Hans-Peter Dürr, „Es gibt nur das Eine“ und „Die Welt als Beziehung“.
Der Autor Dr. Manuel Schneider ist Herausgeber des neuen Buchs von Prof. Hans-Peter Dürr, seit dem Studium der Philosophie in der Ökologiebewegung als Berater, Projektentwickler, Autor und Herausgeber tätig, darunter in verschiedenen Projekten mit Hans-Peter Dürr.

Lesetipp:
Hans-Peter Dürr: Das Lebende lebendiger werden lassen - Wie uns neues Denken aus der Krise führt. Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit - Bilanz eines Vordenkers der Umweltbewegung. 268 Seiten, gebunden, 17.95 €, oekom verlag München, 2011


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