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Ausgabe März/April 2011
Fürchtet euch nicht! Was stützt dich von innen, wenn die Sicherheiten im Außen bröckeln? von Robert Betz

Das Wesentliche, das es zu finden gilt, ist immer unsichtbar. Es liegt immer im Bereich des Innern. Was sich im Außen zeigt, ist das, was auf das Innere folgt.
"Es interessiert mich nicht, wo und was und mit wem du studiert hast. Ich will wissen, was

Die Angst geht wieder um in Deutschland und viele Menschen fühlen sich ihr hilflos ausgeliefert. Doch Ängste gehören zu uns Menschen wie andere Gefühle, aber wir scheinen seit der Steinzeit nicht viel dazugelernt zu haben, wenn es um den Umgang mit diesen Ängsten geht. Der Normalmensch verdrängt seine Ängste und lenkt sich gerne von ihnen ab. Wenn sie stärker werden, nimmt er gerne Pillen, bis sie sich zu Panikattacken ausweiten. Der Mensch ist im Weltall schon weit vorgedrungen und entdeckt immer neue Sterne im Außen, aber bei der Suche im All seines Innern steht er ratlos vor den einfachsten Erscheinungen des Menschseins, besonders, wenn es um seine Gefühle geht wie Angst, Wut, Trauer u.a.
Doch ich möchte den Leser einladen, sich um die „Klimakatastrophe“ seines Innenlebens zu kümmern. Die meisten Menschen haben noch nicht begriffen, dass jeder sein eigener Klima-Manager ist, der aufgefordert ist, selbst für Klarheit, Ordnung, Balance, Leichtigkeit, Freude, Vertrauen u.a. in seinem Innern zu sorgen. Stattdessen macht er sich lieber zum Spielball seiner Außenwelt und des durch die Medien inszenierten Massenbewusstseins.


Äußere Krisen sind ein Segen für Individuum und Menschheit

Die Unsicherheit im Außen ebenso wie der Verlust äußerer Sicherheiten und Werte sind ein Segen für uns, auch wenn das nicht sofort sichtbar ist. Denn sie decken unmittelbar auf, wie es in uns aussieht. Sie lösen Schrecken, Angst, Panik, Ohnmacht, Wut und Trauer in uns aus. Sie verursachen diese jedoch nicht, sondern sie lösen diese Emotionen aus, die seit vielen Jahren von uns selbst erzeugt, aber immer wieder nach innen verdrängt wurden.
Unsere Emotionen wie Ängste oder Trauer sind von uns erzeugte Energien. Wie erschaffen wir sie? Durch das Denken unwahrer Gedanken. Es sind vor allem unsere hintergründigen, meist unbewussten Gedanken über uns, über die anderen und über das Leben, die unsere innere emotionale, mentale und körperliche Wirklichkeit sowie unsere Lebenswirklichkeit im Außen erzeugen. Beispiele: Wenn es tief in mir Sätze denkt wie: "Ich habe viele Fehler gemacht. Ich hätte dies und jenes nicht so machen dürfen. Ich bin nicht gut genug. Ich muss besser werden." usw, dann erzeugen solche Gedanken in diesem Menschen Gefühle wie Scham und Minderwertigkeit.
Begegnungen mit anderen Menschen, z.B. mit selbst-bewussten oder autoritären Menschen bringen in jenem Menschen jetzt dessen Scham und Minderwertigkeitsgefühle nach oben. Dies empfindet er jedoch als sehr unangenehm und er tut alles, sie schnellstmöglich wieder nach unten bzw. nach innen zu verdrängen. Hierbei erkennt er nicht einmal, dass diese Gefühle seine eigenen Schöpfungen sind, die nichts anderes von ihm wollen, als von ihm bejahend gefühlt zu werden, damit sie seinen Emotionalkörper endlich verlassen können. Solche Gefühle sind Energien, die fließen wollen, wie jede Energie fließen will und nicht blockiert werden will.
Angst wird erschaffen und genährt durch Gedanken wie: "Ich könnte scheitern. Ich könnte versagen. Ich könnte verlassen werden. Ich könnte alles verlieren. Ich könnte krank werden. Usw." Und am Ende der Angst erzeugenden Gedanken steht meist der Gedanke: "Ich könnte sterben." Obwohl wir alle wissen, dass wir irgendwann einmal, vielleicht aber schon morgen, aus diesem Körper gehen, haben wir die größte Angst davor. Darum verdrängen wir die Angst vor dem Sterben mit allen Mitteln und machen uns die Tatsache der Begrenztheit des menschlichen Lebens in diesem Körper nicht bewusst.
Ich lade Sie ein, sich gerade in diesen Zeiten sehr bewusst und mutig anzuschauen, welche emotionalen Energien in Ihnen rumoren und nach oben drängen und bitte Sie, sich ihrer endlich liebevoll anzunehmen, sie bejahend fühlen zu lernen und sie hierdurch zu transformieren.


Äußere Unordnung ruft nach innerer Ordnung

Je mehr unsere äußere Welt in Wirtschaft und Gesellschaft in Unordnung gerät, desto mehr ruft uns dies dazu auf, uns die Unordnung in unserem Innern anzuschauen und dort mit dem Aufräumen zu beginnen. Die Natur, das Universum ist immer in Ordnung. Die Welt des Menschen ist die einzige, die in Unordnung geraten kann, weil sie eine Scheinwelt ist und weil der Mensch das einzige Wesen ist, das die Freiheit hat, sich eine Scheinwelt der Unordnung zu erschaffen. Selbst ein Tsunami oder ein Hurrikan ist aus der Sicht des Universums vollkommen in der Ordnung und Harmonie des Ganzen. Ob es der Tsunami einer Weltwirtschaftskrise ist oder der eines Weltkrieges ist, sein erster Sinn besteht in beiden Fällen darin, alte, morsche Strukturen hinwegzufegen und einer neuen Ordnung den Weg zu bereiten. Darum empfehle ich uns allen, auch den radikalsten Veränderungen im Außen mit Zuversicht und Optimismus zu begegnen und neugierig zu beobachten, was da zu Ende geht und was da an Neuem beginnen kann…
Fragen wir uns also: Was ist es in meinem Leben, was eine ‚stabile Währung' hat, was wirkliche Sicherheit bietet und was wir dauerhaft unseren Besitz nennen können? Und was kann ich in mir und in meinem Leben finden, was schon lange seinen Wert verloren hat, was innen hohl ist.
Nehmen wir also die Zusammenbrüche im Außen nicht zum Anlass, selbst angstvoll und mutlos zusammenzubrechen, sondern als Zeichen und Aufruf zum inneren und äußeren Aufräumen, zu einem neuen Aufrichten und einer grossen Aufrichtigkeit uns selbst gegenüber und zu einem aufrechten Gang durch unser Leben.


Willst du normal sein oder glücklich?
Frei und selbstbestimmt in ein erfülltes Leben

Seit unserer Kindheit werden wir erzogen zum "Normalmenschen", der zuerst fragt, was die Anderen, der Nachbar, der Partner, die Eltern u.a. denken - und sich dann entscheidet, diesen auf ihrem Weg zu folgen in die Langeweile, die Krisen und Sackgassen des Lebens. Wir hören auf die beliebige Meinung der blinden Masse und werden bereits früh vom Löwen zum Lamm domestiziert. Diese Erziehung zur Anpassung ist eine Anleitung zum Unglücklichsein. Aber das Leiden, die Erstarrung, der Ärger, die Krankheiten und die Ängste sind so weit verbreitet, dass sie uns als völlig normal erscheinen.
In diesen Jahren findet der Niedergang eines langen Zeitalters statt, indem der Mensch nicht mehr auf die Stimme seines Herzens hört, sondern dem Ruf seines Verstandes. Jetzt wacht der Löwe im Menschen wieder auf und er lernt, dem Ruf seines Herzens zu folgen, aufrecht zu gehen und der Liebe zu sich selbst und zum Leben wieder den zentralen Platz einzuräumen, der ihm gebührt. Lebensglück, Freude, Begeisterung, Erfüllung, Gesundheit und inneren Frieden erlangt nur der Mensch, der den Mut hat, seinen ganz eigenen Weg zu gehen, ganz gleich, was die anderen über ihn sagen oder denken.


Lebens-Inventur

Ich empfehle jedem, in diesen Wochen, Monaten und Jahren sich grundlegenden, heißt fundamentalen Aufräum- oder Sanierungsarbeiten in seinem Leben zu stellen (Sanieren heißt übrigens ‚Heilen'). Untersuchen Sie jeden der folgenden Lebensbereiche daraufhin, ob Sie hier in der Balance, im Frieden, in Harmonie und in Freude sind oder anders gesagt: Fragen Sie sich eindringlich - mit Papier und Bleistift in der Hand: "Stimmt das, was ich hier lebe, wirklich mit meinem Herzen überein? Fühlt es sich stimmig an für mich? Bin ich mit und in diesem Lebensbereich im Frieden?" Im einzelnen:

Wie sieht meine Beziehung zu mir selbst aus? Hat diese Beziehung einen besonderen, einen hohen Stellenwert in meinem Bewusstsein? Wo begegne ich mir selbst in Ruhe und Zeit und widme mich ganz mir selbst? Habe ich eine bewusste, liebevolle, unterstützende, ermutigende Beziehung zu mir selbst? Kann ich mich auf die Liebe zu mir selbst verlassen?
Wie sieht es in meinem Körper aus? Ist er gesund, beweglich und macht er mir große Freude? Und wie sieht mein Verhältnis zu ihm aus? Liebe ich ihn?
Wie sieht es in meinem Arbeitsleben aus? Liebe ich das, was ich tue und tue ich das, was ich zu tun liebe?
Wie sieht es in meiner Partnerschaft oder Ehe aus, falls ich eine habe. Ist diese Beziehung durch Offenheit, Herzlichkeit, Liebe geprägt? Lebt diese Beziehung oder ist sie schon eingefahren in Routine und Gewöhnung?
Wenn ich keine Partner-Beziehung habe? Habe ich dies bewusst gewählt? Bin ich damit im Frieden? Oder wünsche ich mir insgeheim doch einen Menschen, mit dem ich Nähe, Vertrautheit und die Freuden des Lebens teilen kann, ob in einer Wohnung lebend oder in zwei Wohnungen.
Wie sieht meine gelebte Sexualität aus? Gönne ich mir und meinem Körper die Freuden der Berührung, der Erregung, des Feuers, der fließenden Säfte? Und wenn nicht, verzichte ich hierauf aus Mangel an Gelegenheiten oder aus Ängsten oder alten Verletzungen heraus?
Wie friedlich, wie lebendig, herzlich sehen meine Beziehungen zu meinen Mitmenschen aus? (Nachbarn, Kollegen, Chefs, und zu den Menschen, die mir tagsüber begegnen beim Einkaufen, im Straßenverkehr oder wo immer). Machen Sie bitte eine sog. Unfriedensliste und listen Sie hierin alle Menschen auf, mit denen Sie bis heute noch nicht im Frieden sind (Leichen in meinem Keller).
Wie sieht insbesondere meine Beziehung zu meiner Herkunftsfamilie aus? Zu den Eltern meiner Kindheit, meinen Geschwistern, Großeltern, Tanten und Onkeln usw.? Wieviel verdrängten Ärger, Unfrieden, Wut, Trauer etc. rumoren hier noch in meinem Innern?
Wie sieht mein Verhältnis zu meiner gesamten Biographie aus, zu meiner gesamten Lebensgeschichte? Kann ich hierauf stolz und mit Freuden und Zufriedenheit zurückblicken und sagen: Mensch, das habe ich sehr gut gemacht. Dafür kann und will ich mich loben… Wenn Sie das noch nicht können, empfehle ich sehr, einmal über eine Woche Ihre Lebensgeschichte in großen Zügen aufzuschreiben und dabei herauszufinden, wo noch Unfrieden, Groll, Hader, Scham, Schuld, Trauer, Wut oder gar Hass in Ihnen besteht - auf andere oder auf sich selbst.

All diese Fragen schriftlich zu klären, ist eine segensreiche Arbeit, deren Früchte unermesslich sein werden für die weiteren Jahre Ihres Lebens. Bring Ordnung in dein Leben! - im Innen wie im Außen.


Kernfragen:

Wer bin ich oder wer oder was glaube ich zu sein?
Was glaube ich über das menschliche Leben und wie stehe ich zu ihm?
Was soll der Sinn meines Lebens sein
Wer will ich sein hier in diesem Leben?

Vor diesen wenigen Fragen drücken sich die meisten Menschen und glauben insgeheim, hierauf keine persönliche Antwort formulieren zu müssen. Dabei übersehen, dass Sie das schon längst - auf unbewusste Weise tun und dem Leben jeden Tag gegenüber erklären, wer sie sind und wozu sie leben.


Der Autor Robert Betz ist Psychologe, Seminarleiter, freier Autor und lebt in München.
Seine Vorträge begeistern und berühren die Zuhörer.
Weitere Information unter www.robert-betz.de


Buchtipp: Robert Betz, Willst du normal sein oder glücklich?,
Aufbruch in ein neues Leben und Lieben, 271 Seiten,
Taschenbuch, € 8,99, ISBN 978-3-453-70169-4, HEYNE


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