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Ausgabe Januar/Februar 2011
Gold - Irdisch gewordenes göttliches Licht
von Andreas Krüger


Ein Artikel über Gott als depressives Wesen und das Erlösungsmittel Gold

Es war ein weiser Alchemist, der einmal sagte, dass das stoffliche Gold irdisch gewordenes göttliches Licht ist und dass sich das Göttliche im Irdischen als Gold offenbart. In den alten Kulturen war es tatsächlich so, dass Gold ausschließlich zu spirituellen Objekten verarbeitet wurde – ob in Ägypten oder bei den südamerikanischen Urvölkern wie den Inkas oder Azteken. Gold war immer dem Göttlichen, der Sonne, zugeordnet.


Gold als irdische Sicherheit

Aber je mehr sich der Mensch von einem spirituellen Weltbild zurückzog und umso weniger er Gotteskind wurde, desto mehr fand er seine Sicherheit im materiellen Gold. Ich selbst bin das beste Beispiel. Als junger Mensch war für mich Geld und materielle Sicherheit nicht wichtig. Ich hatte gute väterliche Freunde, die mir halfen und die mich unterstützen. Und wenn ich mal mehr Geld auf dem Konto hatte, als ich brauchte, habe ich es den Bankern überlassen, etwas daraus zu machen. Aber dann habe ich vor 20 Jahren ein Kind verloren und dieser Verlust hat mein Gottvertrauen total erschüttert. Ich hatte die tiefste spirituelle Krise meines Lebens und konnte Gott nur noch verfluchen. In dieser Zeit habe ich die Wahnidee entwickelt, dass ich einige Millionen auf dem Konto haben muss, um mich sicher zu fühlen, denn auf Gott konnte ich mich nicht mehr verlassen. Dann habe ich angefangen zu arbeiten, zu arbeiten und noch mehr zu arbeiten, aber dieses Mal mit dem Fokus auf das Geld, also das irdische Gold, denn das himmlische Gold hatte ich verloren.


Gold als Heilmittel
Dann kam die Bankenkrise und damit brach meine Sicherheitskonstrukt zusammen. Das stürzte mich in eine monatelange Depression mit Burnout-Symptomen. Damals wurde ich mit homöopathischem Gold behandelt. Dieses Gold hat mir in einem langwierigen Prozess, den ich mit Schamanismus und anderen spirituellen Wegen bereichert habe, langsam wieder einen Weg nach oben eröffnet. In dieser Zeit hatte ich einen jüdischen Lehrer und lernte das Buch des jüdischen Philosophen Friedrich Weinreb „Der siebenarmige Leuchter“ kennen, in dem er den Goldcharakter des Judentums beschreibt und die besondere Beziehung des Judentums zu Gott: Der Jude ist jemand, der sich in seiner Einsamkeit nach seinem einsamen Gott sehnt. Das Leitsymptom von Aurum ist Einsamkeit. Es gibt Alchemisten, die sagen, Gott hat ein Problem, denn er ist depressiv. Deswegen hat er uns Menschen als sein homöopathisches Heilmittel erschaffen: Wir sollen sein Gold werden.
Es ist ein Kreislauf: Wir Menschen entfernen uns vom göttlichen Gold und entweihen es. Danach fixieren wir uns auf das Gold als Gottesersatz. Dann bricht das materielle Goldsystem zusammen. Und dann werden wir depressiv – Depression durch wirtschaftlichen Untergang. Im besten Falle nehmen wir homöopathisches Gold und nachdem wir dieses materielle Gold alchemistisch mit unserer Depression durcharbeitet haben, wenden wir uns wieder dem Göttlichen zu.


Homo aurealis
Den Alchemisten wurde immer unterstellt, dass sie aus unedlem Metall Gold herstellten. Ich glaube, das war eine ihrer einfachsten Schöpfungen. Ich glaube auch, dass es einfach ist, reich zu werden. Maria von Heyden sagt:
„Das Geld kommt durch die Tür,
und wer es bringt, weiß ich nicht.“
Ich glaube aber auch, dass es darum nicht geht. Die Alchemisten haben für ihre Fürsten Gold gemacht, damit die Fürsten sie vor der Inquisition bewahrten und ihnen ihre Labore zur Verfügung stellten. Aber eigentlich haben die Alchemisten versucht, Goldmenschen zu machen, indem sie aus dem gottfernen Tiermenschen einen gottnahen Goldmenschen machen wollten, den sogenannten homo aurealis oder den homo spiritualis. Gott hat mit dem Menschen etwas Unedles erschaffen, in der Hoffnung, dass wir uns veredeln und dann als Edle wieder zurückzukehren – wie Rudolf Steiner sagte: in Augenhöhe und nicht als ja-sagende Engel.
 Die Alchemisten haben versucht, den Prozess des Gottmenschenwerdens zu ermöglichen. Dann werden nicht nur wir durch Gott erlöst, sondern Gott wird auch durch uns erlöst. Wir Gold-Gott-Menschen begegnen dann unserem depressiven Gott, der nach einer jüdischen Geschichte tagtäglich in einer Kammer sitzt und in einen Becher weint und tieftraurig darüber ist, was seinem Volk passiert. Die Geschichte sagt auch, dass erst dann der Messias kommen kann, wenn der Tränenbecher vollgeweint ist. Erst wenn Gott den Becher vollgeweint hat, erlöst sich die Schöpfung. Die Goldkrankheit ist letztendlich ein Weg, um die Schöpfung zu erlösen. Homöopathisches Gold ist ein Mittel für Menschen, die durch ihre Depressionen und durch ihre Tränen die Schöpfung erlösen.


Gold als Lachen
Gold hat mit der Erlösung der Schöpfung an sich und mit dem Lachen Gottes zu tun. Der Goldpatient ist tieftraurig und depressiv und lacht nie. Auf der Schweibenalp habe ich über viele Sommer Belehrungen in chassidischer Mystik von Zalman Schachter bekommen. Er hat uns viele Übungen machen lassen und eine bestand darin, alleine in den Wald zu gehen, uns unter einen Baum zu setzen und uns vorzustellen, dass dieser Baum Gott sei. Und dann sollten wir diesem Gottbaum Witze erzählen und beobachten, wann Gott anfängt zu lachen. Und erst wenn Gott lacht, dürfen wir unsere Bitten an ihn richten.


Der Autor Andreas Krüger ist Heilpraktiker, Schulleiter und Dozent an der Samuel-Hahnemann-Schule in Berlin für Prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, Ikonographie & schamanische Heilkunst





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