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Ausgabe März/April 2010
Ja zum Leben, ja zum Fühlen! Wie wir Angst, Wut, Trauer & Co in Freude verwandeln - von Robert Betz

Der Mensch hat in den letzten Jahrzehnten die größten Fortschritte seit Menschengedenken auf dem Gebiet der Technik gemacht, welche die sog. Industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts zu einer Kleinigkeit degradiert. Auf dem Gebiet der psychischen Gesun

Was du ablehnst, das kann sich nicht verändern

Wenn die Ablenkstrategie nicht mehr hilft, gehen wir mit Pillen zum Angriff auf Ängste oder Niedergeschlagenheit über oder ertränken sie zeitweise im Alkohol. Es wird Zeit, dass wir begreifen, wodurch diese Energien entstehen und wie der Einzelne sie verwandeln kann. Solange wir sie jedoch nur wegmachen wollen, weil sie uns stören, fehlt uns die Grundlage für eine wirkliche Verwandlung. Was du ablehnst oder bekämpfst, das ermächtigst du, dem gibst du zusätzliche Energie, heißt eines der grundlegenden Gesetze im Umgang mit jeglicher Energie.


Wie entstehen unsere Emotionen wie Angst, Wut und Trauer?

Sie sind die natürlichen Folgen unserer Gedanken, die wir bereits in früher Kindheit zu denken beginnen. Das kleine Kind erfährt vom ersten Jahr an, dass sein Wunsch, geliebt und angenommen zu werden, nur gegen Leistung erfüllt wird und das auch nur in geringem Maße. Bevor es das Lob oder die positive Aufmerksamkeit von Eltern erhält, soll es Erwartungen erfüllen wie brav, lieb, sauber, still, fleißig und angepasst sein. Erfüllt das Kind diese, kann es mit einer positiven Reaktion der Eltern rechnen. Diese Erfahrung, nicht um seiner selbst willen geliebt und angenommen zu werden, so wie es ist, ist für jedes Kind ein Schock, den ich als „die Vertreibung aus dem Paradies“ bezeichne.


Emotionen sind die Folgen von oft gedachten Gedanken

Durch diese Behandlung beginnt das Kind zu denken: „So wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung. Ich bin nicht liebenswert. Ich muss mich anstrengen, ein guter Mensch zu werden. Ich muss mir Liebe und Anerkennung durch Leistung bzw. Wohlverhalten verdienen.“ Solche Sätze machen die Kinderseele traurig und erzeugen Ängste, zu versagen und „es“ nicht zu schaffen.
Kommt ein Kind jedoch mit seinen Gefühlen wie der Angst zu seinen Eltern, heißt es von denen: „Du musst doch keine Angst haben.“ Das Kind hat aber bereits Angst und so kann es mit dieser Botschaft nichts anfangen. Im Gegenteil: Es fühlt sich hierdurch noch schlechter, denn es weiß: „Ich habe aber schon Angst.“ Im besten Fall versuchen Mutter oder Vater, das Kind von seinen Gefühlen abzulenken, zum Beispiel mit Süßigkeiten oder anderen Trostpflastern. Denn auch sie haben ja weder von ihren Eltern noch in der Schule gelernt, wie man konstruktiv mit solchen Gefühlen umgeht.


Der Mensch muss lernen, die Verantwortung für seine Gefühle zu übernehmen

Unsere Gefühle sind also unsere eigenen Schöpfungen, die wir von früh auf systematisch erzeugen durch Gedanken über unseren Wert und unser Nicht-angenommen-Sein und über das Leben. Der Mensch darf jetzt lernen, dass er selbst die Urheberschaft trägt für die Erzeugung dieser Emotionen. Erst wenn er sich selbst als ihr Schöpfer erkennt, wird er in die Lage kommen können, diese auch aktiv zu verwandeln. Anstatt ständig in den Keller des Unbewussten zurückgedrängt zu werden, wünschen sich diese Gefühle nur eines: Sie wollen endlich zur Kenntnis genommen und bejahend gefühlt werden. Sie wünschen sich interessanterweise genau das, was sich jedes Kind wünscht und letztlich auch das Kind in jedem Erwachsenen. Es will hören: „Du bist in Ordnung, so wie du bist. Ich liebe dich. Und ich nehme mir Zeit für dich. Ich schenke dir meine ganze Aufmerksamkeit.“
Aus dieser Erkenntnis ergeben sich verschiedene Wege, wie wir mit Gefühlen wie Angst, Wut, Ohnmacht, Trauer etc. auf eine neue Weise umgehen und diese komplett verwandeln können. Der erste Weg besteht einfach darin, sich beim Aufkommen dieser Gefühle Zeit zu nehmen oder sich am Abend in Ruhe hinzusetzen und die Augen zu schließen. Sorgen Sie dafür, dass Sie in den nächsten dreißig Minuten nicht gestört werden. Gehen Sie in einen sanften, tiefen Atemrhythmus und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit zunächst auf Ihren Körper. Denn vor den Emotionen meldet sich meist der Körper mit den unangenehmen Empfindungen, mit der die Gefühle einhergehen. So geht die Angst mit Enge oder Starre, die Trauer mit Schwere und die Wut mit Druck und Spannung einher, die schwerpunktmäßig eine bestimmte Körperregion betreffen.


„Alle Angst in mir darf jetzt da sein!“

Der erste Satz, den Sie zu den Energien in sich sprechen können, lautet „Alles in mir darf jetzt da sein!“ Diese Aussage öffnet die Tür zur Wahrnehmung von Empfindungen (Körperreaktionen) und Emotionen. Es ist das absolute Gegenteil von dem, was sie bisher von der Schaltzentrale des Menschen hörten. Geht es um eine bestimmte Emotion wie Angst, sagen Sie zu sich selbst: „Alle Angst in mir darf jetzt da sein. Ich bin jetzt bereit, dich, meine Angst, zu fühlen.“ Im Laufe der nächsten Minuten zeigt sich die Angstenergie immer deutlicher, verbunden mit Engesymptomen im Körper. Wichtig ist jetzt, dass der Mensch nicht in die Rolle des Kindes rutscht, das sich dieser Angst hilflos ausgeliefert fühlt, sondern im Bewusstsein des Erwachsenen bleibt und sich ermächtigt, diese Angst jetzt annehmend, bereitwillig zu fühlen und als seine eigene Schöpfung zu akzeptieren. Wird die Angst (oder eine andere Emotion) auf diese Weise ein, zwei Minuten in großer Intensität gefühlt, stellen Sie sich vor, dass Ihr ganzer Körper jetzt mit silbern glitzerndem Licht gebadet wird und die von Enge betroffene Region (meist Hals und Brust) besonders intensiv mit diesem Silber durchlichtet visualisiert wird. Silbernes Licht hat eine große Reinigungs- und Klärungsfunktion, so wie jede andere Farbe ihre spezifische Wirkungsweise hat. Nach einem Silberlichtbad von einer Minute bitten wir das violette Licht in den Körper, denn Violett hat eine verwandelnde, d.h. transformierende Wirkung. Und wieder nach einer Minute bitten Sie Ihre innere Führung, Ihnen jetzt eine dritte Farbe zu schicken, die Ihre Zellen jetzt benötigen, um ganz in das Gefühl von Freiheit, Frieden, Leichtigkeit und Freude zu gelangen. Abschließend baden Sie sich für ein, zwei Minuten in dieser dritten Farbe.

Robert Betz ist freier Autor, Psychologe, lebt in München. Seine Arbeit umfasst die Durchführung zahlreicher Seminare, die Ausbildung von Therapeuten und zahlreiche Vorträge. Sein zentrales Thema: die Menschen daran zu erinnern, dass sie von Natur aus göttliche Wesen voller Liebe sind und sie zu unterstützen, ganzheitliches Lebensglück zu erschaffen und aus ihren ‚alten Schuhen’ auszusteigen.

Buchtipp: Robert Betz, Zersägt eure Doppelbetten, Die „Geistige Welt“ zu Liebe, Partnerschaft und Sexualität in der Neuen Zeit, 416 Seiten, geb., mit Live-CD, Ansata Verlag, München


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