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Ausgabe November/Dezember 2009
Neurophysiologische Entwicklungsförderung

„In dem Moment, wo die Hirnfunktionen vollständig und ausgewogen ablaufen, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung, ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten ein ganz natürlicher Zustand.“ (A. Jean Ayres)

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„Oskars Entwicklung verläuft einfach nie gradlinig, irgendwie ist da immer Sand im Getriebe und knirscht, sind die Probleme immer größer als bei seinen Geschwistern, sind unsere Erziehungs- und Unterstützungsstrategien erfolgloser.“ So beschrieb ein Vater seinen Sohn, der sehr von der Neurophysiologische Entwicklungsförderung NDT/INPP® profitierte.


Hintergrund der neurophysiologische Entwicklungsförderung

Im Mutterleib und in den ersten Lebensmonaten werden die Bewegungen eines Babys von Reflexen, d.h. von unwillkürlichen, nicht beeinflussbaren, immer gleich ablaufenden Bewegungen bestimmt, die von konkreten Reizen ausgelöst werden. Diese frühkindlichen Reflexe werden im Zuge der Hirnreifung durch Halte- und Stellreaktionen abgelöst. So kann sich ein Kind zunehmend bewusst geplant bewegen und viele Bewegungsmuster nach einiger Übung automatisieren (z.B. Laufen, Radfahren).

Einigen Kindern gelingt die Reifung und Hemmung der frühkindlichen Reflexe nicht vollständig. Störfaktoren können schwierige Schwangerschafts- oder Geburtsverläufe, Vererbung, Frühgeburt, Impfungen, schwere Erkrankungen oder Kontakt mit Giftstoffen sein.

Leicht ausgeprägte Restmuster von frühkindlichen Reflexen sind verbreitet und können kompensiert werden. Sind sie jedoch sehr dominant, folgen motorische Entwicklungsverzögerungen oder Fehlentwicklungen. Die unwillkürlichen Reflexe stören die bewusst ausgeführten Bewegungen, so dass betroffene Kinder trotz guter Intelligenz zur Bewältigung einfacher Aufgaben viel mehr Energie aufbringen müssen und viele Bewegungen nicht automatisiert werden können.


Was macht die neurophysiologische Entwicklungsförderung?

Durch individuell abgestimmte Bewegungsübungen werden frühkindliche Bewegungsmuster quasi imitiert und das Gehirn erhält eine zweite Chance die Restreaktionen der Reflexe zu integrieren und durch reifere Reaktionsmuster zu ersetzen. In Folge verbessern sich Bewegungs-, Lern- und Erziehungsprobleme und das Kind kann seine Potentiale ungestört entfalten.

Natürlich können alle Probleme auch andere oder mehrere Ursachen haben. Deshalb steht vor dem Beginn einer neurophysiologischen Entwicklungsförderung eine sehr ausführliche Diagnostik. Häufig für betroffene Kinder ist auch, dass andere Fördermaßnahmen, wie Ergotherapie, Physiotherapie, veränderte Erziehung, Nachhilfe oder vermehrtes Üben nicht die erwarteten Effekte zeigten, da die Problemursache nicht erreicht wurde. Verläuft die neurophysiologische Entwicklungsförderung erfolgreich, profitieren die Kinder und Jugendlichen danach deutlich mehr von diesen Angeboten.


Die Autorin Birgit Pulz ist Berliner Heilpraktikerin mit einer Praxis für Klassische Homöopathie und Neurophysiologische Entwicklungsförderung

Buchtipp:
Sally Goddard Blythe, Greifen und Begreifen – Wie Lernen und Verhalten mit frühkindlichen Reflexen zusammenhängen,


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