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Ausgabe Januar/Februar 2009
Hyperaktivität bei Kindern

In den vergangenen 10 bis 15 Jahren trat das Phänomen der Hyperaktivität (ADS-Syndrom) zunehmend in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Immer mehr Kinder scheinen an Problemen zu leiden, die es vorher nicht gab.

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In vielen Fällen werden Kinder behandelt, obwohl das nicht notwendig ist, denn sie sind „nur“ Symptomträger und nicht ursächliches Problem. Erfahrungen aus der Heilpraxis von HP Raimar Ocken.

Wir befinden uns etwa im Jahr 1990. Zwei wahre Geschichten.
Die erste: Es klingelt an der Tür. Ich verlasse meinen Platz am Schreibtisch und gehe, um zu öffnen. Vor mir steht eine Frau in der zweiten Hälfte der Zwanziger mit einem kleinen Mädchen an der Hand. „Guten Tag, ich möchte mich nach der Ausbildung an ihrer Heilpraktikerschule erkundigen.“ Wir sitzen im Büro zusammen und unterhalten uns über meine Schule, Heilpraktikerausbildung und so weiter.
Nachdem die wichtigsten Informationen ausgetauscht sind, lenke ich das Gespräch ins Persönliche. Ich frage die junge Frau unter anderem: „Was haben Sie bisher für sich getan? Haben Sie schon therapeutische Erfahrungen, eine eigene Therapie angefangen oder durchlaufen?“ Mir ist zu Beginn unserer Unterhaltung aufgefallen, dass die Besucherin dunkle Augenränder hat und ihre Atmung flach und trocken klingt. Ich konfrontiere sie mit meiner Beobachtung, was sie sehr überrascht, da es ihr gar nicht aufgefallen sei, wie sie sagt. Dann berichtet sie von den anstrengenden letzten Wochen und Monaten, in denen die Kleine, ihre Tochter, an Pseudo-Krupp gelitten habe und niemand helfen konnte. Die ersten Tränen brechen sich Bahn ...
Die zweite: Ich bin zum ersten Mal beim Regionaltreffen des Bundesarbeitskreises ‚Hyperaktives Kind‘. Wir reden über uns, über Schadstoffbelastungen, Blut- und Haarmineralienanalyse, Orthomolekulare Medizin, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und anderes, was im Zusammenhang mit Diagnostik und Behandlung von Bedeutung sein kann. Kurz vor Ende unseres Zusammentreffens sagt eine Mutter zu mir – es sind außer mir nur Mütter anwesend –, dass es ihr gut getan habe, auch mal über sich zu reden und nicht nur über die Symptome der Kinder und medizinische Maßnahmen.
Ein paar Wochen später sitzen wir in meiner Praxis zusammen. Sie hat ihren Sohn mitgebracht. Ich nehme Gesprächskontakt zu ihm auf, erkläre wer ich bin und zeige ihm meine Räumlichkeiten. Er ist ein recht aufgeweckter Bursche, wie ich finde, allerdings etwas schreckhaft und innerlich haltlos. Mir scheint, er weiß nicht so recht „wo es lang geht“. Es fehlt ihm, wie ich vermute, etwas an innerer Ruhe, Sicherheit und emotionaler Verbindlichkeit. Ich vereinbare mit der Dame einen zweiten Termin, an dem sie alleine zu mir kommt. Anschließend arbeiten wir etwa 1 ½ Jahre an ihrer Eheproblematik. Wie sie mir währenddessen erzählt, geht es ihrem Sohn zunehmend besser – ohne Behandlung.
Hyperaktivität (ADH) ist ein Sammelbegriff unterschiedlichster Symptomkomplexe. Deshalb kann es keine Einheitsbehandlung geben, die für alle gut ist. Jedes Kind muss individuell in seinem Mitweltbezug betrachtet und jede Behandlung kindgerecht durchgeführt werden. Und das betrifft nicht immer vordergründig die Kinder. In manchen Fällen sind es die Erwachsenen, die heilkundiger Hilfe benötigen.



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