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Ausgabe Januar/Februar 2009
25 Jahre Samuel-Hahnemann-Schule

Anlässlich dieses großen Jubiläums sprachen wir mit den beiden Schulleitern, Andreas und Arne Krüger, die die Geschicke der SHS seit Gründung begleitet haben - und gratulieren recht herzlich.

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KGS: Wir haben jetzt die Gelegenheit, über 25 Jahre Samuel-Hahnemann-Schule zu sprechen. Was waren denn damals die Motive, eine Heilpraktikerschule zu gründen?

Andreas Krüger: Die Vision, welche die damaligen Verantwortlichen des Fachverbandes hatten, (ich kam ja erst später hinzu) war, dass auch in Berlin endlich ein Platz entstehen sollte, an dem Heilpraktiker, Naturheilkundler und Homöopathen hoch qualifiziert ausgebildet werden können. Es gab hier einen großen Bedarf für diese Art von Heilern, denn damals arbeiteten relativ wenig Menschen in diesem Bereich.
Ich wurde von diesem Vorstand dazu gebeten und durfte meine Ideen eines Konzepts von Naturheilkunde vorstellen. Daraufhin wurde ich von diesem Vorstand damit beauftragt, diese Schule zu entwickeln.
Ich hatte dafür damals eine unglaubliche Freiheit bekommen, weil dieser Vorstand mir zu meinem freudigen Erstaunen sehr vertraute. Die Aufgabe habe ich dann mit einem kleinen Mitarbeiterstab auch umgesetzt, und dieses Konzept ist im Grunde bis heute, über 25 Jahre lang, die Grundlage der Samuel-Hahnemann-Schule.

Wo hattest du damals deine Ausbildung gemacht?

Ich hatte meine Heilpraktiker-Ausbildung an einer Abendschule gemacht, damals gab es ja noch keine Tagesschulen in Berlin, am ‚Heilpraktiker Abendseminar Schwarz’, eine wirklich gute Schule, aber eben nur eine Abendschule. Ich hätte damals allerdings auch gar keine Tagesschule besuchen können, weil ich Vollzeit arbeiten musste und von niemandem gefördert wurde. Nach der Ausbildung habe ich auch an dieser Schule zuerst unterrichtet. Relativ schnell nach meiner Praxis-eröffnung 1982 wurde 1984 die SHS gegründet und ich bin in das Team dieser Schule mit eingestiegen - erst als stellvertretender Schulleiter, als eine Art „Ideologiegeber“, und später dann auch als Schulleiter.

Und als Homöopathie-Lehrer …

Ja - Homöopathie-Lehrer war ich von Anfang an. Dann habe ich nach und nach angefangen, fast alle Dinge zu unterrichten, die ich auch in praxi ausübe. Ich habe angefangen Personale Leibarbeit zu unterrichten, später dann Trancearbeit und Aufstellungen und in den letzten Jahren, seit es an unserer Schule ein immer stärkerer Faktor wird, auch Schamanische Heilkunst.

Nach all den Jahren: was ist deine Vorstellung von den nächsten 25 Jahren, was die Zukunft der Schule betrifft?

Ein Hauptthema der Vision dieses Hauses ist ja der Begriff des Prozesses. Also ganz weg von allen Dogmen, auch denen, die in der Naturheilkunde immer noch herrschen. Auch Naturheilkundler können so etwas von dogmatisch sein, dass man sich das gar nicht vorstellen kann.
Prozess bedeutet immer Bewegung, Dynamik. Wenn jemand sagt, wie kürzlich geschehen: „Ja Herr Krüger, ich mache seit 25 Jahren streng prozessorientierte Homöopathie“ - da habe ich zu ihm in aller Freundschaft gesagt: „Lügner, das geht nicht, die Strenge widerspricht dem Prozess.“ Der Prozess ist immer milde, ist immer offen, er ist immer voller Achtung, er ist immer voller Neugier, er ist immer nomadisch, nie sesshaft. Wenn man das zugrunde legt, kann man sich vorstellen, dass die nächsten 25 Jahre mindestens so spannend werden wie die ersten. Am besten kann man es mit einem wunderschönen Hannes Wader Lied ausdrücken: „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort“. Und so werden auch die nächsten 25 Jahre sein. Wir werden offen sein für alles Neue in der Naturheilkunde und das alles wird immer wieder in unsere Arbeit einfließen, wird sich immer wieder verwandeln, neu gestalten.

Wenn man wirklich prozesshaft denkt und prozesshaft lebt, dann kann kein Jahr werden wie das vorige, denn sonst hätte man den Prozess verraten.
Wir werden weiter eine nomadische Schule sein, wir werden weiter umherziehen, werden uns weiter allen Einflüssen angstfrei öffnen. Auch die KGS zu lesen ist ein Stück Prozess, denn es kommt wieder etwas Neues hinein, das ist ja gerade das Spannende.
Von dieser Seite her gesehen, wird die Dynamik die selbe bleiben. Wir haben ja das ganz große Glück, dass viele unserer ehemaligen Schüler an der Schule weiter mitarbeiten. Über 90% unserer Dozenten sind ehemalige Schüler unserer Schule. Wir sind auch die einzige Schule in Deutschland, die selbst Lehrer ausbildet. Wenn unsere Schüler drei Jahre hier genossen haben, bekommen sie die Möglichkeit, sich in weiteren drei Jahren kostenlos zu Dozenten ausbilden zu lassen. An vielen Berliner Heilpraktiker Schulen unterrichten im Bereich der Homöopathie ehemalige Schüler der Samuel-Hahnemann-Schule.

Lieber Arne, auch du bist seit Ewigkeiten sowohl als Lehrer als auch leitend für die Schule tätig. Was meinst du, was ist das Besondere an der SHS?

Arne Krüger: Wir haben zwei besondere Schwerpunkte: Der eine, für den auch Andreas steht, ist der theoretische, religiöse, philosophische Überbau und der andere ist tatsächlich mehr mein Part, die fundamentale Heilpraktiker-Ausbildung.

Wir arbeiten hier mit einem großen Gewicht auf Anatomie, Pathologie, den klinischen Fächern. Unser Anspruch, auch als Verbandsanspruch, ist, dass unsere Schüler als Heilpraktiker so ausgebildet sind, dass sie auf gleichem Niveau wie ein praktischer Arzt tätig sein können. Da messen wir uns insofern mit den Ärzten, dass wir rein formal rechtlich ein Bundesgerichtshofs-urteil zur Sorgfaltspflicht haben, das festlegt, dass Heilpraktiker die gleiche Sorgfalt in ihre Aus- und Fortbildung legen müssen wie ein Arzt, nicht wie der spezialisierte Kardiologe, aber wie der Praktiker. Das ist unser Anspruch.

Nicht nur dass unsere Schüler die Heilpraktiker-Prüfung bestehen, das ist selbstverständlich, sondern unser Anspruch geht darüber hinaus. Wir möchten, dass die Schüler nach dieser Ausbildung jeden Arztbericht verstehen, den Patienten die Arzneitherapie erklären können. Ich möchte auch, dass unsere Schüler im anatomischen und pathologischen Bereich so ausgebildet sind, dass sie auch alles, was es in der Naturheilkunde gibt, kritisch reflektieren und beurteilen können. Denken Sie einmal, wie wichtig das gerade bei schwierigen Krankheitsbildern ist wie z.B. Krebsdiagnose und Krebsbehandlung, zum Wohle des Patienten in seiner jeweiligen Situation das Beste auszusuchen. Sie müssen klinisches Wissen haben, um richtig untersuchen und behandeln zu können!

Um das nicht nur zu lernen, sondern auch richtig anwenden zu können, haben wir das Ambulatorium. Hier erlernen und erleben die Schüler die Behandlung.
Sie sehen, wir haben den Anspruch fundiert auszubilden, darum gibt es eine dreijährige Vollausbildung, die in beiden, sowohl im anatomisch klinischen Teil als auch naturheilkundlichen, gut ausbildet. Klinisches Wissen, Anatomie und Pathologie, ohne die therapeutischen Möglichkeiten der Homöopathie, der Akupunktur und anderer Therapiearten zu erlernen, bleibt unseres Erachtens ein einseitiges Unterfangen. Deshalb sind diese zwei grundlegenden Bereiche bei uns an der Schule ineinander verflochten.

Ich danke euch für das Gespräch. Für die Zukunft viel Erfolg und alles Gute!

www.samuelhahnemannschule.de


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