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Ausgabe März/April 2007
Die Kunst der Anamnese

Die HP Anne Schadde aus München über die Weiterentwicklungen der Anamnese in den letzten Jahren.

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Die Anamnese ist das Herzstück in der Homöopathie! Sie dient dazu, alles, was für einen Menschen individuell bedeutsam ist, in Erfahrung zu bringen. Hierzu zählen natürlich alle seine Beschwerden, wegen derer er uns aufsucht, mit all ihren eigenartigen und einzigartigen Gegebenheiten. Darüber hinaus interessiert es uns auch, wie jemand Dinge erlebt, spürt, fühlt, wie er sich dabei oder darin ausdrückt, welches seine individuelle Art und Weise ist, “durch das Leben zu gehen”. In der Homöopathie möchten wir seine gesamten Lebensäußerungen in Erfahrung bringen. Denn wenn wir jemanden wirklich in der Gesamtheit seines individuellen Lebensausdrucks erfasst haben, können wir eine (individuelle) homöopathische Arznei aus dem vorhandenen Arzneimittelschatz auswählen und verordnen. Hierzu bedarf es also eines sehr einfühlsamen Geleites in der Befragung des Patienten und im Anschluss daran der Ähnlichsetzung zu einer Arznei, die am Gesunden solche Lebensäußerungen zu Tage bringt.



Vorgehensweise

Wie kann dies nun vonstatten gehen? Hahnemann riet uns, wortgetreu aufzuzeichnen, was der Patient uns mitteilt, aber auch zugleich mit allen Sinnen wahrzunehmen, was uns sonst noch an Besonderheiten an diesem Patienten auffällt. Mit deutlicher Betonung wies er uns an, wirklich alle Sinne zu gebrauchen, nämlich zu schauen, zu beobachten, zu riechen, zu tasten, zu hören und hier nicht nur auf das gesprochene Wort. Wenn man dies nun in der beschriebenen Weise praktiziert, wird relativ rasch deutlich, dass sich hier ein sehr individuelles Bild vom Patienten abzeichnen kann. In den letzten 15-20 Jahren hat sich die Klassische Homöopathie auf die Worte seines Meisters besonnen und sich in deren Befolgung stark weiterentwickelt. Federführend sind hier die indischen Homöopathen, namentlich davon bei uns am bekanntesten ist Rajan Sankaran, die über eine Fähigkeit verfügen, die uns Deutschen kulturell fremd zu sein scheint, nämlich das Analysieren von Gefühlen und von Empfindungen. Im Abendland sind wir nur gewöhnt, gedanklich zu analysieren: Etwas in seine Teile zu zerlegen und die Gesamtheit, welche ja bekanntlich mehr ist als die Summe seiner Teile, zu verlassen bzw. auf diesem Wege zu verlieren. Aber mit der neuesten, weiterentwickelten Technik der Anamneseerhebung soll es darum gehen, die tiefste Empfindung des Patienten zu erlauschen. Dies kann gelingen, indem wir Elemente der Gestik oder Mimik wahrnehmen und den Patienten auffordern, noch einmal gezielt dieselben mit Worten zu begleiten, um dieses Gefühl für beide Seiten (BehandlerIn und PatientIn) wirklich erfahrbar werden zu lassen und ihren energetischen Ausdruck, ihre Bedeutung in der Tiefe zu verstehen.



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