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Ausgabe November/Dezember 2006
Ethik oder Religion - Wie sollen wir entscheiden?

Carola Hempel untersucht anlässlich der aktuellen Diskussion über Ethik oder Religionsunterricht die ursprüngliche Bedeutung der beiden Begriffe.

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In der aktuellen Diskussion über Ethik oder Religionsunterricht stellt sich dem Gläubigen wie philosophischen Menschen die Frage, was mit diesen beiden Begriffen wohl gemeint ist, da sie als zwei getrennte, somit unterschiedliche Lehrangebote betrachtet werden. Betrachten wir die Begriffe im Ursprung: Religion, d.h. Re-Ligio bedeutet zurück (Führung) zum Ursprung (Logos). Der Begriff meint die erneute Wahrnehmung und Erkenntnis all dessen, was die Naturgesetze ausmachen, aus deren Verständnis die Glaubensgrundsätze entstanden, die in unserer christlichen Welt u.a. in den Zehn Geboten, dem Vater-Unser-Gebet und in der Bergpredigt allgemein bekannt sind.



Ethik

Betrachten wir die ”Werte” des Lebens, so stellen sie die praktische Umsetzung der o.g. drei Texte dar. Sie sind aus den christlichen Ursprungstexten entstanden und regeln in der äußeren Welt das menschliche Miteinander - also den Umgang untereinander, den wir im ursprünglichen Sprachgebrauch als ”Ethik” - ethische Grundlage - bezeichnen. Ethik stellt somit die praktische harmonische Umsetzung, d.h. Verwirklichung der o.g. Religionsprinzipien im täglichen Leben dar. Sie finden wir übrigens fast einheitlich in allen alten Lehren der Welt wieder, sofern die einzelnen Religionen auf den Naturprinzipien aufbauen.



Glauben und Ethik

Wie nun kann es sein, dass diese allgemein bekannten einheitlichen Tatsachen plötzlich als zwei ganz unterschiedliche Dinge angesehen werden? Die Betrachtung als zwei unterschiedliche Themenkomplexe stellen genau genommen doch die zwei Seiten einer Medaille dar, sind daher eine Einheit. Kann man denn die Ethik ohne die o.g. Religionsgrundlagen lehren, aus denen die Ethik doch erst entsteht? Ohne Glauben würde es daher gar keine Ethik geben. Ethik ist das Resultat des Miteinanders auf Grundlage des Glaubens. Somit bedingen Glauben und Ethik zwangsläufig einander; sind eins.

Wir sollten uns daher wieder den Prinzipien unseres Lebens - unserer wahren Werte - bewusst werden. Sind wir doch schon ”aus ethischen Gründen” verpflichtet, den uns nachfolgenden Generationen die Quellen mitzuteilen und zu erhalten, aus denen die Ethik sich erst entwickelte und die daher unsere Lebenswerte erst ausmachen: Den o.g. Religionsgrundlagen, deren Umsetzung wir Ethik nennen und deren Bewertung und Auswirkung im täglichen Leben wir allgemein als Moral bezeichnen. Somit kann Ethikunterricht nur bedeuten, dass wir die o.g. Glaubensgrundlagen der christlichen Prinzipien und der aller übereinstimmenden Religionen unseren Kindern deutlich vermitteln, damit Ethik im wahrsten Sinne der Bedeutung Ethik bleibt, die ja zwangsläufig erst aus Re-Ligio entsteht.



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