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Ausgabe Mai/Juni 2006
Stressreduktion – die Wingwave-Methode

Wingwave ist eine Coaching-Methode, die drei bewährte Verfahren kombiniert: NLP, den kinesiologischen Muskeltest und die bilaterale Hemisphärenstimulation.

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Haidrun Schäfer war bei der Psychotherapeutin Christiane Knöß und hat nachgefragt, was sich dahinter verbirgt und wann man davon Gebrauch machen sollte.

Christiane Knöß hat eine reichianische Körpertherapieausbildung und ist NLP-Master. Mit Wingwave hat sie eine Methode gefunden, die Körper und Geist wirkungsvoll verbindet, denn es ist eine Kombination aus Kinesiologie, NLP und der bilateralen Hemisphärenstimulation, d.h. einer Stimulation der Zusammenarbeit beider Gehirnhälften.

Wieso sollte man sich coachen lassen?
Ganz einfach: um das größtmögliche Potenzial zur Verfügung zu haben und bewusst einsetzen zu können. Sportler und Führungskräfte haben schon lange erkannt, dass sie zur Optimierung ihrer Leistungsfähigkeit Tricks anwenden können, um unbewussten Hemmungen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es gibt keinen Grund, warum nicht auch andere Berufsgruppen oder sogar Kinder sich diese Unterstützung gönnen sollten.

Was kann die Wingwave-Methode?
Wingwave ermöglicht, stressauslösende Glaubensmuster gezielt zu erkennen und in wenigen Minuten aufzulösen. Oft hindert uns Gefühls-Stress daran, unser volles Potential einzusetzen.

Das klingt nach Zauberein. Wie soll das gehen?
Nehmen wir ein Beispiel. Jemand kommt zu mir, weil er demnächst ein Bewerbungsgespräch vor sich hat und Angst, aufgrund von zitternden Händen, stotterndem Kloß im Hals und hektischen Flecken im Gesicht auszuscheiden. Mit Hilfe von NLP-Techniken versuche ich dann herauszufinden, welcher unbewusste Glaubenssatz meinen Klienten veranlasst, anlässlich eines Vorstellungsgesprächs panische Symptome zu entwickeln. Er vermutet Angst, sich zu blamieren. Mit Hilfe des kinesiologischen Muskeltests untersuche ich, ob es wirklich diese Angst ist, die ihn stresst. Jetzt haben wir einen stressauslösenden Glaubenssatz gefunden. Meistens sind diese Sätze an bestimmten Stellen im Körper zu lokalisieren. Nun setze ich die Erkenntnisse über die bilaterale Hemisphärenstimulation ein. Das heißt, ich gebe dem Gehirn selbst die Möglichkeit, sich zu entspannen. Während der Klient eine Hand auf die Stelle seines Körpers legt, wo der Satz sitzt und ihn gleichzeitig denkt, mache ich mit zwei Fingern vor seinen Augen schnelle Bewegungen, so dass dadurch die rechte und linke Hälfte des Gehirns abwechselnd angeregt werden. Das dauert einige Minuten – je nachdem, wie schnell die Augen mitmachen. Danach teste ich wieder kinesiologisch, ob der Glaubenssatz immer noch Stress auslöst. In der Regel ist das nicht mehr der Fall.

Wieso löscht das Winken den Stress?
Man hat herausgefunden, dass der Mensch in der sogenannten REM-Phase die Erlebnisse und Eindrücke des Tages verarbeitet. Die REM-Phase – rapid-eye-movements – ist die Phase, in der man vom Wachzustand in den Schlaf hinübergleitet. Dabei machen die Augen diese extrem schnelle Hin-und-her-Bewegung. In der Zeit wird das, was man am Tag erlebt hat, in den Unterschubladen des Gehirns abgelegt. Der Kurzzeitspeicher wird aufgeräumt, indem das Gehirn unterscheidet zwischen dem, was ich morgen noch brauche und dem, was weiter weggeräumt werden kann. Diese Phase dauert durchschnittlich 22 Minuten. Wenn ich mit den Fingern vor den Augen winke, simuliere ich eine künstliche REM-Phase, in der beide Gehirnhälften verbunden werden. Jetzt kann das Gehirn die stressende Information neu einordnen und als neutral abspeichern, bzw. das Erlebte emotional neu bewerten.

Wieso kommen wir überhaupt in Stresszustände?
Man geht davon aus, dass stressauslösende Situationen eine traumatische Erinnerung wachrufen können. Traumatische Erlebnisse – das können selbst alltägliche Mini-Traumata wie z.B. ein Schreck sein – führen dazu, dass das Gehirn auf einer Seite hängen bleibt und es zum sogenannten Blackout kommt, d.h. die Verbindung zu Ressourcen und Fähigkeiten ist wie abgeschnitten. Aus neurobiologischer Perspektive hinterlassen traumatische Erfahrungen oder auch Mini-Traumen Spuren im Nervensystem. Diese Spuren führen dazu, dass wir durch vergleichbare Ereignisse an die traumatische Situation erinnert werden und ähnlich reagieren. Meistens wird gleichzeitig ein Gefühl aktiviert, das dem Lebensalter entspricht, in dem das Ursprungserlebnis stattfand, so dass man sich z.B. wie ein dummes Schulkind fühlt. Wie mit einer Zeitmaschine beamt uns das Erlebnis in die entsprechende Physiologie zurück und es kommt zu einem tranceartigen Abtauchen in die Problem-Physiologie. Der Startschalter kann ein Gegenstand, ein Blick, ein Tonfall oder sogar ein Geruch sein. Durch die Stimulation der beiden Hälften beim „wingwaven“ hilft man dem Gehirn, aus dem erstarrten Zustand herauszukommen und seine Leistungsfähigkeit wieder voll zu entfalten.

Man muss das Trauma also nicht noch einmal emotional erleben?
Nein. Der in der Therapie recht häufige Retraumatisierungsaspekt ist hier so gut wie nicht vorhanden. Möglicherweise durchläuft der Klient mehr oder weniger dramatische, jedoch gut aushaltbare Gefühlsprozesse, die jedoch in der Regel nicht mehr als eine Minute dauern. Die Erinnerung an das Erlebte wird mit Leichtigkeit einfach weggewinkt.

Was ist denn eine Retraumatisierung?
Wenn wir immer wieder über schlimme Erfahrungen reden, sie hoch emotional wieder erleben und die Erfahrung so praktisch reaktivieren, signalisieren wir dem Gehirn: Das ist Realität. Es kann die Erfahrung also praktisch nicht weiterverarbeiten und im Langzeitgedächtnis ablegen.

Warum haben manche Menschen Traumata und andere nicht?
Je gestresster ein Mensch ist, umso kürzer wird die REM-Phase am Abend. Es kann also nicht alles erledigt oder aufgeräumt werden. Deshalb sind Ruhephasen im Laufe des Tages zu empfehlen, in denen man sich gezielt entspannt. Man sollte wenigstens einmal am Tag 20 Minuten Pause machen, sich hinlegen, auf den Atem konzentrieren und in die Entspannung kommen. So kann der Körper regenerieren. Wenn das fehlt und man 10 Stunden am Tag ununterbrochen in Aktion ist, kommt es zur Überforderung. Übrigens haben Raucher auch deshalb Schwierigkeiten aufzuhören, weil sie dann keine Pausen mehr machen können...

Wer hat Wingwave entwickelt?
Cora Besser-Siegmund und ihr Mann Harry Siegmund. Sie arbeiten seit vielen Jahren als Coach und haben ihre Erfahrungen zu diesem effektiven Coaching-Verfahren vereint. Sie vermitteln ihr Wissen in Ausbildungen und Büchern. Außerdem haben sie eine CD entwickelt, die vor allem bei Kindern gut eingesetzt werden kann.

Das wollte ich auch noch ansprechen: Kann man nicht Kindern bei Lernstörungen gut damit helfen? Welches Kind hat nicht mindestens ein traumatisches Erlebnis in der Schule, was Leistungsanforderungen betrifft.
Auf jeden Fall – je früher man die Traumen auflöst, umso leichter geht es. Was Kinder bei den alltäglichen Anforderungen, die ja oft aus einem stramm durchorganisierten Tag mit Schule, Sport oder Musik und Hausaufgaben bestehen, gut hilft, ist diese CD. Hier erfolgt die wechselseitige Stimulation der Gehirnhälften über die Ohren. Wenn mein Sohn einen anstrengenden Tag im Kindergarten hatte, kommt er von selbst zu mir und möchte die CD hören.


Praxisbeispiel
Um die theoretischen Informationen zu verdeutlichen, darf ich es mal ausprobieren. Mein Manuskript über “Eine Woche zu Gast bei den 12 Tierkreiszeichen” ist inzwischen so weit fertig, dass ich nur noch Korrektur lese: Die Ideen der 96 Spots stehen. Ich vermute Blockaden wie: “Ich finde keinen Verlag.” Christiane testet mit dem kinesiologischen O-Ringtest, ob dieser Satz wirklich Stress verursacht – tut er nicht. Also suchen wir einen Satz, der mich bei der Veröffentlichung meines Manuskriptes hemmen könnte. “Ich muss erfolgreich sein” ist das Ergebnis. Christiane fragt mich ab, mit welchem Gefühl “Ich muss erfolgreich sein” verbunden ist: Geht es um Angst, Schock, Ärger, Hilflosigkeit, Resignation, Scham oder Kränkung, Schuld oder Ekel? Jedes Gefühl wird kinesiologisch getestet. Bei mir geht es um Angst. Jetzt lokalisiere ich die Angst im Körper: Sie sitzt am Brustbein. Und dann geht’s ans Winken. Ich lege meine Hand auf die Brust, denke den Satz: “Ich muss erfolgreich sein”, während Christiane vor meinen Augen hin- und herwedelt. Das geht so schnell, dass ich das Gefühl habe, ich komme gar nicht mit. Sie fordert mich auf, jetzt diesen Satz zu sagen: “Ich komme nicht mit”, was bei mir Assoziationen zur Schulzeit auslöst. Mit dem kinesiologischen Muskeltest findet sie heraus, in welchem Alter ich diese Überzeugung aufgebaut habe: mit 11/12 Jahren. Und wen wundert es: Ich war in der 5. und 6. Klasse auf dem französischen Gymnasium und war völlig überfordert mit lauter zweisprachig aufgewachsenen Mitschülern – eine Horrorzeit mit täglichen Bauchschmerzen. Der Satz “In der Schule war ich nicht erfolgreich” sitzt also im Bauch. Ich lege meine Hand dorthin und spüre in den Satz, während Christiane vor meinen Augen winkt und diese Erinnerung im wahrsten Sinn des Wortes wegwedelt. Es ist gar nicht so einfach, drei Sachen gleichzeitig zu machen: zu denken, mit den Augen den schnellen Bewegungen zu folgen und auch noch zu atmen. Zwischendurch der Muskeltest, ob der Satz immer noch Stress macht: Nein. Triumphierendes Auflachen von uns beiden – genial. Was macht der Satz: “Ich muss erfolgreich sein”? Macht er noch Stress: Nein. Also ist der Satz gleich mitgelöscht. Wir verwedeln noch einige stressende Glaubenssätze, bevor die Zeit um ist. Eine Sitzung dauert 50 Minuten – das reicht auch, denn die ganze Zeit bin ich voll konzentriert. Im Laufe des Tages soll ich viel Wasser trinken und am besten spazieren gehen, denn die Informationen arbeiten im Körper nach.
Es ist ein herrlicher Frühlingstag und ich fahre mit dem Gefühl nach Hause: Ich schaff’ das!!!

Buchtipp:
Cora Besser-Siegmund/Harry Siegmund: EMDR im Coaching. Wingwave: Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, Junfermann, 2001


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