aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Mai/Juni 2006
Litha – Die Kraft der Sonne

Thomas Zerbst über Litha – die Sommersonnenwendeam 20. Juni, das vierte der acht Jahreskreisfeste..

art47008
Als eines der ältesten Feste der Menschheit wurde und wird die Sommersonnenwende fast auf der ganzen Welt gefeiert und männliche und weibliche Sonnengottheiten verehrt. Das Fest hatte so große Bedeutung, dass es in einigen Kulturen bis zu 12-tägige Festzeiten gab und die Germanen hielten zu Mittsommer ihre „Thing“, die großen Treffen der Volksvertretung, ab.

Macht und Überfluss
Litha ist ein Fest des Versprechens auf einen Überfluss. Die Ernte wächst heran, die Sonne hat ihre höchste Macht und Kraft erlangt, die Natur den Höhepunkt ihrer Fruchtbarkeit. Der junge Gott, der sich zu Beltane mit der Göttin vereinigte, ist nun bereit, Verantwortung für das Land zu übernehmen. Es ist die Zeit seiner Krönung als Herrscher des Landes und er strahlt seine Kraft auf die Erdgöttin hinab, so dass sie die Früchte des Landes im Überfluss gedeihen lassen kann. Wie Beltane ist auch Litha ein Fest der Liebe, aber es ist nicht mehr die brennende, leidenschaftliche Verliebtheit. Es ist die tiefere, erfülltere Liebe, die weiß, was sie hat. An Beltane hat der Jagdgott die Göttin entdeckt und ist in Liebe für sie entbrannt. Zu Mittsommer heiraten sie. Im englischen heißen die Flitterwochen ebenso wie der Vollmond im Juni „Honeymoon“-Honigmond. Dies ist auch eine gute Zeit, geleistete Schwüre wieder aufzufrischen und es heißt, wer ein göttliches Kind empfangen möchte (obwohl natürlich alle Kinder das sind), schläft in dieser Nacht mit dem Liebsten.

Die Feuer des Lebens
Litha ist als Sonnenfest natürlich auch das große Fest der Feuer. Die Tradition der Mittsommerfeuer, die überall auf den Hügeln errichtet wurden, hat sich bis heute erhalten und in Skandinavien werden große Scheiterhaufen auf Flößen errichtet, so dass sich die hoch aufschießenden Flammen im Wasser spiegeln. Um die Feuer wurde und wird getanzt, Kräuter werden hineingeworfen und natürlich darüber gesprungen, wobei der Sprung übers Feuer sowohl als Mutprobe als auch als glücksbringend und reinigend gilt. Das Hinabrollen brennender Sonnenräder über Hänge und das Schwingen von Fackeln im Kreis symbolisieren die ewige Drehung des Jahres-Rades. Brennende Fässer werden von mutigen Männer getragen und Liebespaare springen gemeinsam über die Feuer, um ihre Bande zu festigen. In Teilen Deutschlands glaubte man, dass die Felder, über die der Rauch der Mittsommerfeuer zieht, besonders ertragreich sein sollen und auch die Asche jener Feuer wurde auf die Felder gestreut, um sie fruchtbarer werden zu lassen.Doch mit der Sonnenwende tritt die Sonne auch in das Wasserzeichen Krebs ein. So ist neben dem Feuer in diesem Fest auch das Wasser dominant, denn in der folgenden heißen Zeit braucht die Erde auch Wasser. Es ist etwas in Vergessenheit geraten, dass es weit verbreiteter Brauch war, an Litha heiliges Wasser zu schöpfen oder zu sammeln, welches während der nächsten Monate dann für Heilungen oder Zeremonien verwendet wurde.

Von Kräutern und Elfen
Große Bedeutung hat an Litha das Sammeln von Kräutern und das Stecken von Sonnenwendsträußen, wobei natürlich besonders das Johanniskraut mit diesem Tag in Zusammenhang steht. Tatsächlich wurden die kräuterkundigen Frauen vielerorts Johannisweiblein genannt und man sagt, dass dieses Kraut, welches ebenso wie die christliche Version von Litha seinen Namen von Johannes dem Täufer entlehnt hat, an diesem Tag gesammelt, die größte Heilkraft entwickelt. Aber Vorsicht beim Sammeln: Wie an allen Jahreskreisfesten, ist auch an Litha die Pforte zur Anderswelt weit geöffnet. So sollte man sich vor Kreisen aus Steinen, Bäumen und Pilzen(!) hüten und es heißt, wenn man in dieser Nacht aus Versehen auf Johanniskraut tritt, wird man ins Feenreich gebracht. Wer hingegen das kleine Volk gerne einmal sehen möchte, der sollte sich einem alten Brauch folgend Farnpollen um die Augen schmieren.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.