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Ausgabe März/April 2006
Lebenskunst am Fuß

Tantrische Fußmassage

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Ulla Pfund ist Malerin, Schauspielerin, Sky Dancerin, Fußreflexzonen-Masseurin und Fußpflegerin. Sie hat ihre vielen Erfahrungen zu einer neuen Form der Fußmassage zusammengefasst. Haidrun Schäfer hat sie befragt und kam in den Genuss, es am eigenen Leib zu erfahren.

Haidrun Schäfer: Wie war dein Weg zur tantrischen Fußmassage?
Ulla Pfund: Vor 25 Jahren habe ich die Fußreflextherapie gelernt. Damals war diese Massageform noch verpönt, denn alles, was mit Esoterik zu tun hatte, war Humbug. Deshalb habe ich noch zusätzlich medizinische Fußpflege gelernt und mehrere Zusatzausbildungen gemacht. Später habe ich mit einem indischen Yogi eine Shiatsu-Schule aufgebaut und dort die Ölmassagen kennengelernt. Dann habe ich gute Erfahrungen mit Reiki gemacht und mich auch mit Ayurveda beschäftigt. Aber letztendlich waren es immer die Füße, die mich faszinierten. In den Füßen sitzen aufgrund der Schwerkraft die meisten negativen Energien und deshalb brauchen sie am meisten Licht und Liebe. Als Höhepunkt habe ich mir eine Tantra-Ausbildung bei Margo Anand und Aman Schröter geschenkt. Die ganzen tantrischen Massagen habe ich, für mich, auf die Füße übertragen. Die Füße bilden den Körper in einem kleinen, überschaubaren Rahmen ab und an dieser Stelle kann man auch Seele und Geist befrieden.

Was bedeutet für dich Tantra?
Tantra heißt weben. Es bedeutet, dass man verschiedenen Künste zusammenwebt – sei es Musik und Tanz oder Kochkunst, Malerei oder Massage. Hier im Westen wird es auf die erotische Schiene reduziert, was sehr einseitig ist. Tantra bedeutet für mich Lebenskunst. Für mich kann Essen tantrisch sein oder meine Kleidung, meine Wohnung. Tantra hat mit Sinnlichkeit, Genuss und Heilung zu tun. Tantra war ursprünglich ein religiöses System der Yoni-Verehrung, das vor Tausenden von Jahren in Indien von Frauen einer Geheimsekte gegründet wurde. Im Prinzip geht es darum, dass Frauen mehr spirituelle Energie als Männer haben und dass sich durch die sexuelle und emotionale Vereinigung beider das göttliche Selbst der Männer entfaltet. Also eigentlich ein matriarchalisches Prinzip, da das weibliche Prinzip als lebenserhaltende Kraft verehrt wird.
Woraus bestehen die Elemente deiner tantrischen Fußmassage?
Da ich eine Freundin von Heilbädern mit verschiedenen Substanzen bin und immer wieder festgestellt habe, dass ein Fußbad vor einer Massage eine ideale Einstimmung ist, beginnt die tantrische Fußmassage mit einem Aromafußbad, das individuell für jeden gestaltet wird. Dadurch entspannt sich der Mensch sehr schnell und wird warm.
Wie geht es weiter?
Wenn du bequem liegst, begrüße ich deine Füße und lerne sie näher kennen. Dann beginne ich mit der Fuß-Reflex-Zonen-Massage und versuche, Druck und Blockaden aufzulösen. In unseren Füßen wurzeln die Nervenbahnen aller inneren Organe und Körperteile und bilden durch die reflektorische Beziehung ein verkleinertes Abbild unseres Körpers. Mit gezielter Massage an den Reflexzonen können sowohl auf der physischen als auch auf der psychischen Ebene Verspannungen gelöst, Schmerzen gelindert und Heilungsprozesse in Gang gesetzt werden. Die anschließende Reikibehandlung ist dafür auch sehr förderlich und lädt die Füße gleichzeitig wieder energetisch mit Licht und Liebe auf.
Wo bleibt der tantrische Aspekt?
Der beginnt, wenn die Menschen in dieser Entspannungsphase sind. Es ist ein kleines, tantrisches Verwöhnritual, worüber ich gar nicht so viel verraten möchte, denn das soll für dich eine Überraschung sein. Der krönende Abschluss ist eine Ölmassage mit Rosenöl. Danach mache ich noch eine kurze Reikibehandlung und lasse die Menschen für 10 Minuten alleine, denn es ist wichtig, dass das, was in den Füßen angeregt wurde, auch wieder zurückgeleitet wird. Fußmassage ist eine indirekte Massage: Die Massageimpulse gehen zuerst in den Kopf und dann erst zu den Organen. Wer möchte, mit dem mache ich ein Nachgespräch. Während die Menschen die 10 Minuten ruhen, schreibe ich mir stichpunktartig auf, was mir aufgefallen ist. Dann sind in der Regel zwei Stunden vorbei.
Geht bei manchen Menschen nicht die Phantasie durch, wenn sie tantrische Fußmassage hören?
Es passiert immer wieder, dass Männer sich etwas Spezielles darunter vorstellen. Das kläre ich natürlich am Telefon, aber es ist trotzdem anstrengend. Ich denke aber auch, dass es wichtig ist, Tantra aus der Sexecke zu befreien. Tantra ist eine ganzheitliche Heilungs- oder Lebensart. Es geht um den ganzen Menschen. Ein Höhepunkt der tantrischen Ausbildung war für mich der Feuerlauf. Ich hatte riesige Angst davor, weil ich äußerst sensible Füße habe. Wir haben uns zwei Tage darauf vorbereitet und als ich dann letztendlich vor dieser Feuerbahn stand, zog es mich herüber. Meinen Füßen ist nichts passiert, aber ich war sehr aufgewühlt und bin nicht mit den anderen feiern gegangen, sondern alleine früh ins Bett. Gegen sechs Uhr wachte ich auf und dachte, ich träume einen wunderbaren Traum: Ausgehend von meinen Füßen verspürte ich orgiastische Wellen – es war wie ein Ganzkörperorgasmus. Ich dachte‚ jetzt bloß nicht aufwachen, ich will weiterträumen’, bis ich realisierte, dass ich wach war. Dieses Gefühl der orgiastischen Wellen hielt noch bis mittags an. Im Gesprächskreis wurde klar, dass keiner etwas ähnliches erlebt hatte. Ich denke, dass mir das so ging, weil ich meinen Füßen schon seit Jahren große Aufmerksamkeit widme und sie mir täglich massiere. Das hat mich davon überzeugt, dass man Fußmassage größere Bedeutung zukommen lassen sollte. Nach der Ausbildung habe ich viel ausprobiert und biete diese Form der Massage seit ca. 12 Jahren an.

Ein tantrischer Fußmassagenbericht
Schon zwei Tage vorher habe ich angefangen, mich auf die Massage zu freuen. Ich mag es sehr, mich dort berühren und massieren zu lassen – meine Füße können mir zu ausgesprochen sinnlichen Gefühlszuständen verhelfen. Ein heißes Fußbad vor der Massage ist eine wunderbare Idee – vor allem in der kalten Jahreszeit. Dieses ist aufgrund meiner Tendenz zu kalten Extremitäten mit Ingwerstückchen versehen. Ulla erkundet mit ihren Händen und einem Waschlappen sanft reibend die Beschaffenheit meiner Füße. Danach beginnt der eigentliche Teil: Gut eingebettet und mit geschlossenen Augen überlasse ich alle Aktivität Ulla und genieße ihre warmen, kräftigen Hände an meinen schnurrenden Füßen. Sie massiert die verschiedenen Reflexpunkte, manchmal knetet sie bestimmte Stellen, manchmal ist es nur ein leichter Druck, den ich allerdings sehr intensiv wahrnehme. Ein Summen strömt durch Beine, klettert später weiter über Bauch und Rücken bis in die Haarspitzen. Die Bezeichnung “tantrische Fußmassage” finde ich sehr treffend, denn es ist äußerst erotisch und sehr sinnlich. Das hat nichts mit Sex zu tun, auch nicht mit Erregung. Es weckt die Sinne zu mehr Wachheit, Aufgeschlossenheit, Lebendigkeit. Meine Haut summt, meine Haarspitzen kribbeln und ich bin neugierig, wie sich der tantrische Teil anfühlen wird. Ich verrate nicht, mit welchen äußerst überzeugenden Hilfsmitteln Ulla über meine Füße streicht, nur dass es eine sehr angenehme und anregende Erfahrung war – schließlich kann man das auch zu Hause selber machen. Danach rieche ich den Duft von Rosenöl und fühle die schmatzende Konsistenz auf meiner Haut – einfach himmlisch. Als die Massage vorbei ist, bin ich etwas traurig, denn es ging natürlich viel zu schnell vorbei. Aber in den 10 Minuten Nachruhe spüre ich, wie das Kribbeln noch weiter anhält. Die Füße und meine ganze Haut sind völlig sensibilisiert. Beim Abschlussgespräch schreibt Ulla noch Tipps wegen meiner Kälteempfindlichkeit auf: Ingwerfußbäder, Ingwertee, Bärentraubenblättertee und Christopher’s Hot Chayenne. Die Zusammenstellung der Hilfsmittel ist natürlich individuell und auch die Massage ist immer ein Stück weit auf die Person abgestimmt. Ich verlasse leichten Fußes das Fachwerkhaus in Lichterfelde-Ost und spaziere durch Sonne und Vogelgezwitscher nach Hause. Den ganzen Tag hält dieser erotisierte Zustand an. Bis in den Abend bleibt das wohlige Kribbeln, das natürlich sexuellen Begegnungen nicht im Wege steht...


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