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Ausgabe Januar/Februar 2006
Astrologie und Geomantie

Der Geomant Gregor Arzt versteht Astrologie und Geomantie als Teilgebiete esoterischer Forschung und plädiert dafür, den astrologischen Blick mehr der eigenen sinnlichen und übersinnlichen Wahrnehmung zu öffnen.

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In einem Seminar in Berlin wird es darum gehen, die Planetenkräfte in der Natur wahrnehmen zu lernen.
Ich muss manchmal ein bisschen schmunzeln, wenn ich sehe, dass Astrologie in der Beratung von Menschen relativ erfolgreich angewendet werden kann, ohne dass die innere Wahrnehmung der Himmelskräfte beim Berater besonders entwickelt ist. Auch Interesse für den sichtbaren Nachthimmel ist nicht erforderlich. Das ist wohl zum einen möglich, weil sich die Astrologie in ihrem Handwerkszeug auf die Leistungen der Astronomie verlassen kann und die heute mit dem Computer bequem zugänglich sind. Zum anderen kann man sich in der astrologischen Interpretation auf Erfahrungen anderer Astrologen stützen, die in Form von Fachliteratur oder Lehrern vorliegen – auch wenn man nicht weiß, wie viel davon auf authentischen Wahrnehmungen beruht. Außerdem spielt gutes Einfühlungsvermögen in den Klienten eine so große Rolle für den Erfolg der Beratung, dass umgekehrt gelten kann: Ein guter Geistesforscher muss noch lange kein guter Berater sein.

Forschungsgebiet Astrologie
Ich verstehe die Astrologie als ein Teilgebiet esoterischer Forschung – als einen möglichen Zugang zur Begegnung mit der geistigen Welt. Auch esoterische Forschung beruht auf Wahrnehmung. Man beobachtet die Phänomene methodisch, experimentell und geleitet von Fragen – genau wie in der konventionellen Forschung, ohne jedoch im Gegensatz zur Naturwissenschaft zusätzliche Messinstrumente zu benötigen. Denn hier kommt es darauf an, eigene innere Wahrnehmungsorgane für die geistige Welt auszubilden. Wie überall in der Forschung ist es auch in der Astrologie gut, wenn jeder dort Tätige sich möglichst genaue Begriffe in Bezug auf das Metier selbst erarbeitet – Begriffe, die auf eigenen sinnlichen und übersinnlichen Erfahrungen beruhen. Hilfreiche Fragen dazu sind z.B.: Was erschließt sich mir bereits durch gute Orientierung mit dem bloßen Auge am Nachthimmel? Was empfinde ich beim Betrachten eines Planeten oder Sternbildes? Was kann ich innerlich erfahren, wenn ich mich meditativ auf einen Himmelskörper konzentriere und an ihn als Wesenheit Fragen stelle? Wie wirken diese so erfahrenen Kräfte auf die irdischen Entwicklungsprozesse in den Kreisläufen der Natur und in den Lebensläufen der Menschen?

Mikrokosmos Mensch
In der Geomantie geht es auch um das Verhältnis Mensch-Himmel-Erde, jedoch auf konkrete Orte der Erde bezogen und weniger intensiv auf Menschenbiographien (vgl. KGS 1/2006, S. 19-22). Ich verstehe die Geomantie ebenfalls als ein Teilgebiet der esoterischen Forschung. In der Anwendung geht es darum, ob das gemeinsame Leben von Bewohner und Ort noch besser gelingen kann. Der alte hermetische bzw. alchemistische Lehrsatz, dass der Mensch ein Mikrokosmos ist, erschließt sich mir durch meine geomantische Arbeit. So wie jeder Mensch mit einem vollständigen Energiekörper ausgestattet ist, zu dem neben Chakren und Meridianen die im Kronenchakrabereich individuell einstrahlenden Himmelskräfte gehören, so ist auch jeder Bereich der Erde, den man als einen einheitlichen Lebensraum ansehen kann, mit einem eigenen vollständigen Energiekörper ausgestattet. Bezogen auf den Stadtmenschen ordnen sich die einheitlichen Lebensräume folgendermaßen: Zimmer – Wohnung – Haus – Grundstück – Kiez – Stadtviertel – Stadt – Region – Land – Kontinent – Erde.

Planeteneinstrahlpunkte
Bereits in jedem bewohnten Zimmer gibt es für jeden Planeten einen oder mehrere Resonanzbereiche. Sie werden in der Geomantie als Planeteneinstrahlpunkte bezeichnet. Sie sind säulenförmig, im Raum relativ ortsfest fokussiert und können radiästhetisch mit der Rute gemutet oder mit den Fingerspitzen getastet werden. Manchmal entstehen durch sie ring- oder kreisförmige Wachstumsstrukturen auf der Erdoberfläche. Durch die Resonanzgrifflängenmethode kann man sie gut voneinander unterscheiden und gezielt auffinden. In einem Zimmer haben sie einen Durchmesser von nur wenigen Zentimetern, während sie in größeren räumlichen Einheiten wie einer Stadt oder einer Region einige Meter bis zu fünfzig Meter groß sein können. Historische Steinkreise sind oft durch Erdakupunktur verstärkte planetarische Einstrahlpunkte.

Beispiel Merkur-Einstrahlpunkt
Wo auch immer man sich aufhält – es ist garantiert in allernächster Nähe ein Planeteneinstrahlpunkt vorhanden, in den man sich stellen und üben kann. Denn dort wird es bei guter Konzentration und gut gestellten Fragen leichter möglich, authentische eigene Erfahrungen mit Planetenkräften zu machen. Das Wissen liegt hier wie so oft gleichsam auf der Straße. Es kommt nur darauf an, es zu bemerken und geduldig einzusammeln. Das kann so aussehen: Ich stelle mich in einen kleinen Merkur-Einstrahlpunkt, schließe die Augen und bitte darum, etwas über die Eigenschaften der Kräfte dieses Planeten erfahren zu dürfen. Nach einiger Zeit formt sich vor meinem inneren Auge das Bild eines schmalen langen Schiffes aus grauglänzendem Metall, das mich an ein modernes Kriegsschiff erinnert. Es fährt mit hoher Geschwindigkeit durch ein ebenso grau-metallisch glänzendes Meer, aus dem bisweilen Flammen emporzüngeln. Eindrücklich ist mir besonders die Zielstrebigkeit der Bewegung, das energische Vorwärtsdringen des Schiffes, von dem ein eher kaltes und zugleich frohes Gefühl ausgeht. Das nächste Bild zeigt Weideland, wie es im Laufe eines trockenen kalten Winters aussieht: gelblich-grau, wie entfärbt, getötet von der Macht des Frostes. Plötzlich geht von oben ein grünlicher Hauch in die Gräser und es geschieht das Wunder, das sich im Frühling tatsächlich vollzieht: Leben erwacht wieder. Diese Imaginationen deute ich spontan und intuitiv so: In der sterilen flüssig-heißen metallischen Kraft dieses Planeten (verwandtes Metall: Quecksilber) scheint zugleich die Macht zu liegen, Totes zum Leben wiederzuerwecken. Mir war, hier zugleich einen Aspekt des Ostergeheimnisses wahrgenommen zu haben. Merkur hilft, damit dies in der Widder-Mars-Zeit des Frühlings geschehen kann. Aus dem Blick auf sein heilendes Wirken in einem irdischen Naturprozess wird so verständlicher, warum sein Stab zugleich Symbol für seine Hilfe in der menschlichen Heilkunst ist.

Erweiterte Wahrnehmung
In der geomantischen Arbeit erlebe ich seit einiger Zeit immer mehr die Möglichkeit einer bewussten Partnerschaft zwischen Mensch und Erde. Wenn sich die Astrologie noch mehr der Wahrnehmung und Forschung öffnete, könnte sich der manchmal etwas einseitige Blick auf die Biographien der Menschen vielleicht ebenso erweitern zu einer gemeinsameren Entwicklungsperspektive von Mensch, Himmel und Erde. Vielleicht würde man damit auch dem Individuellen des Klienten noch besser gerecht werden.


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