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Ausgabe Januar/Februar 2006
Glück als Lebenseinstellung

50 % aller Menschen im deutschsprachigen Raum definieren Glück als ihr höchstes Ziel. Doch wie entstehen glückliche Gefühle? Äußere Umstände, Geld und Partner spielen nur eine Nebenrolle. Haidrun Schäfer hat “Die Glückstrainer” kennengelernt.

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Wir nehmen Gesangsstunden, um unser Stimmpotential zu optimieren. Wir haben Sport-, Tanz- und Sprachlehrer – von der Schulzeit ganz zu schweigen. Aber Hilfe beim Thema Glück in Anspruch zu nehmen – das tun bisher vergleichsweise wenige Menschen. Dabei wird kein anderer Lebensbereich von der Wissenschaft so intensiv erforscht wie das Glücklichsein. Glück ist keine nebelartige Gefühlsduselei, bei der wir realitätsfremd in einer anderen Welt weilen und anschließend mit lebenslänglichem Unglück bestraft werden. Glück ist auch nicht langweilig – im Gegenteil: Es gibt die unterschiedlichsten Glücksgefühle von Vorfreude über Begeisterung zu Geborgenheit. Da wir die einzigen sind, die Einfluss auf unsere Gefühle haben, können wir sie auch selbst bestimmen: Wir können uns entscheiden, unseren Fokus auf das Glück zu lenken. Die Konsequenzen reichen von Produktivität über Ausstrahlung bis zu einem starken Immunsystem. Glück als Lebenseinstellung heißt nicht, dass man als Dauergrinser in Karnevalsstimmung durchs Leben grölt. Im Gegenteil: Ein glücklicher Mensch ist sensibel und empathisch gegenüber seinem Umfeld, weil sein Blick nicht voller Erwartungs- und Problemgerümpel verstellt ist.

Probleme
Wer glaubt, er muss erst seine Probleme bewältigen, bevor er glücklich sein kann, der irrt – es funktioniert genau andersherum. Das heißt nicht, dass Probleme heruntergespielt oder negiert werden: Das Ziel ist eine realistische Betrachtungsweise. Das Problem an unserem Umgang mit Problemen ist oft unsere emotionale Überreaktion. Wir reagieren wie damals vor vielen 1000 Jahren, als das Überleben noch von der Unterstützung der Sippe abhing. Wenn heute jemand arbeitslos wird, ist oft das Gefühl: Oh Gott, ich finde nie wieder einen Job! Es ist Überlebensangst, die ausgelöst wird. Unsere beiden Hauptängste sind Überlebensangst und die Angst, nie wieder glücklich zu werden. Im Jahre 2005 haben wir in Deutschland das große Glück, in einer zivilisierten Gesellschaftsform leben zu dürfen, in der wir nicht mehr verhungern und in der es möglich ist, seinen Fokus auf das eigene Glück zu richten und so einen Beitrag zum Weltfrieden zu leisten. Glück führt nicht zu egoistischem und unproduktivem Verhalten, sondern ist höchst sozial und gehört in die Rubrik “Friedensarbeit”.

Zielorientiertes oder problemorientiertes Denken
Es gibt verschiedene emotionale Zustände, in denen das Gehirn unterschiedlich gut funktioniert. Es ist sinnvoll, erst einmal in einen emotionalen Zustand zu kommen, in dem das vollständige Potential nutzbar ist, bevor man anfängt, ein Problem zu lösen. Die Informationsverarbeitung in unserem Gehirn ist von unserem emotionalen Bewusstseinszustand abhängig. Die Ursache für jedes Problem liegt in einem Ziel, das zu erreichen man für notwendig hält, sich aber dazu machtlos fühlt. Die Lösung ist, ein Problem nicht als ein Problem zu definieren, sondern ein Ziel daraus zu machen. Gute Ziele sind die, die ich mir selbst erfüllen kann, während schlechte Ziele von anderen erfüllt werden müssen. Wir sollten die Zielorientierung als feste Basis des Denkens machen: das führt zu selbstsicherer und positiver Wirkung auf andere.

Wie entstehen Glücksgefühle?
Unsere Instinkte haben nicht nur einen großen Einfluss auf unsere Gefühle, sie sind es, die unsere Gefühle machen. Es gibt drei Grundinstinkte: der Überlebenstrieb, der Herdentrieb und der Vergnügungstrieb. Diese Instinkte sind auf die wichtigen Ziele im Leben vorbereitet. Von diesen Zielen oder Grundmotiven haben wir sieben Stück. Sie dienten in früheren Zeiten zur Überlebenssicherung. Frühere Zeiten heißt, dass es eine begrenzte Anzahl von Mitmenschen gab – eine Sippe oder eine Dorfgemeinschaft – von der man in höchstem Maße abhängig war. Man musste sich anpassen, um nicht ausgestoßen zu werden, denn das hätte den sicheren Tod bedeutet. Das Konzept des Glückstrainings besteht darin, sich immer wieder bewusst zu machen und es dadurch im Unterbewusstsein zu ankern, dass wir nicht mehr in einer Urwaldgemeinschaft leben, sondern dass unsere sieben Grundmotive bestens erfüllt sind.

7 Grundmotive
1. Passen: In einer begrenzten Lebensgemeinschaft ist es überlebenswichtig, dass ich zu der Gruppe passe. Unser Neuzeitrudel umfasst allein im deutschsprachigen Raum 100 Millionen Menschen – da könnte der eine oder andere Freund oder Partner dabei sein...
2. Erwünscht sein: Wir wollen bei den Menschen, die zu uns passen, erwünscht sein. Heute ist es so, dass wir bei den Menschen, die zu uns passen, automatisch erwünscht sind. Wenn man die Messlatte fürs Erwünschtsein nicht auf 100 % legt, kann man leicht erkennen, dass das wirkliche Ziel bereits erfüllt ist. Das gilt besonders für Partnerschaften: Wenn man dagegen den Partner zum Rudel macht, ruft ein kleiner Streit Überlebensängste hervor.
3. Schutz vor Gewalt: Unsere Gesellschaft hat ein beruhigendes Sicherheitssystem aufgebaut, das den Schutz des einzelnen gewährleistet – Wohnung, Polizei, Rechtsverfassung usw.
4. Überlebenssicherung: Auch verhungern oder erfrieren muss keiner mehr in Deutschland – das soziale Netz ist so gut wie nie zuvor.
5. Entscheidungsfreiheit: Um etwas als Zwang zu empfinden, kennt unser Instinkt nur eine Ursache: Jemand will uns unterordnen oder zwingen, etwas zu tun, was wir nicht wollen. Die meisten Zwänge, die wir als solche empfinden, sind keine Unterordnungsmaßnahmen, sondern freie Entscheidungen, die wir aufgrund der Konsequenzen ausgewählt haben. Wir haben immer die Wahl. Aufgrund der unterschiedlichen Konsequenzen können wir abwägen. Was wir als Zwänge oder Verbote empfinden, sind im Grunde nur Konsequenzen unserer Entscheidungen. Wenn wir eine Situation als Zwang empfinden, geben wir unserem Instinkt eine Fehleinschätzung der Wirklichkeit. Dieser reagiert mit Aggressionen und Ängsten, die uns blind für die Wahlmöglichkeiten machen.
6. Macht: Wir wollen, dass andere tun sollen, was wir sagen. Wir wollen eine hohe Position im Rudel. Dieses Grundmotiv ist allen fest einprogrammiert und gibt erst Ruhe, wenn es befriedigt wird. Sobald wir unserem Instinkt die Beurteilung geben, dass jeder von sich aus instinktiv das Gleiche will wie wir – seine sieben Grundmotive erfüllen – müssen wir andere nicht mehr unterordnen, um sie dazu zu zwingen. Es ist sinnvoller, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wirkliche Macht liegt in unserem Verstand, unserer Intuition und unserem Wissen. Es gibt immer genug andere Leute, die genau das machen, was ich will.
7. Sex: Zur sexuellen Befriedigung brauchen wir keinen anderen Menschen. Probleme, die wir mit Sex haben, stammen aus der Befriedigung der anderen sechs Grundmotive. Bei unterschiedlichem Sexualtrieb in einer Partnerschaft muss daraus kein Problem entstehen, wenn beide ihre sechs Grundmotive anderweitig befriedigen. Die Probleme, die um das Thema Sex entstehen, haben selten mit dem Bedürfnis nach sexueller Befriedigung zu tun.

Belohnungsgefühle
Glückliche Gefühle entstehen, wenn ich den Fokus auf die Realität richte und erkenne, dass ich erwünscht bin, dass mein Leben gesichert ist und ich frei entscheiden kann. Wenn ich daran denke, entlocke ich meinem Herdentrieb Belohnungsgefühle. Diese Belohnungsgefühle stimmen uns wohlgemut. Da der Alltag dafür reichlich Gelegenheit bietet, liegt es an mir, wie glücklich ich sein möchte: ein Lächeln, ein Händedruck und manchmal reicht ein duftender Windhauch – wir sind so reich ausgestattet mit unseren vielfältigen Sinneswahrnehmungen, dass es leicht fällt, sie gebührend zu nutzen.
Unser Nervensystem braucht Wechsel in unserem Gefühlsleben. Es ist ihm jedoch egal, ob dieser Wechsel zwischen schlechten und guten Gefühlen oder zwischen verschiedenen guten Gefühlen wie z.B. zwischen Sex und Zufriedenheit stattfindet. Ein Wechsel zwischen glücklich und unglücklich ist daher nicht
nötig.
Erfolg
Der sicherste Weg zu Glück und Erfolg besteht darin, sich alle fünf Minuten daran zu erinnern, dass wir alles haben, was wir brauchen, um glücklich zu sein.

Glückszentren
Wir haben drei Glückszentren: das Verbundenheitsgefühl, die Genussfähigkeit und die Lust, etwas zu tun. Das Verbundenheitsgefühl können wir aktivieren, wenn wir auf Menschen treffen, mit denen wir Gemeinsamkeiten haben: Das können gemeinsame Ziele oder Wertvorstellungen sein oder auch gemeinsame Erfahrungen. Dieses Gefühl ist nicht auf den Partner oder die beste Freundin beschränkt, sondern das geht sogar mit dem Nachbar während der Busfahrt oder mit der Arbeitskollegin oder oder oder.
Das Genusszentrum bietet auch eine enorme Vielfalt: Jeden Tag essen wir in der Regel drei Mahlzeiten und was wir essen können, ist in diesem Land paradisisch. Darüber hinaus genieße ich mein Kind, meinen schönen Mann, meine Katzen, meine Wohnung, Bücher, Freundinnen – meinen Alltag und das ist gar nicht langweilig...
Das dritte Zentrum ist unsere Lust: die Lust auf Sex, ja, aber nicht nur darauf. Lust ist unser Motor, etwas zu tun, aktiv zu werden. Deshalb sollten wir Lust auf unseren Job haben.Wenn ich allein ein Glückszentrum aktiviere, reicht das schon, um in einer schönen Grundstimmung zu schwingen. Je mehr wir den Fokus auf das Glück richten, umso stabiler wird diese glückliche Lebenseinstellung.

Glückstraining
Am schnellsten und effektivsten ist ein Wochenende Glückstraining mit Thomas Klüh. Er vermittelt einfache Werkzeuge, mit denen man eine solide Grundlage aufbauen kann, um einfach glücklicher zu werden. Thomas lebt, was er lehrt und aktiviert in jedem Seminar den Pegel seiner drei Glückszentren auf Maximum.

Buchtipp: Thomas Klüh: Mein Weg zum Glück, Rotbuchverlag, Viersen, 2004, 14,90 Euro


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