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Ausgabe Januar/Februar 2006
Der Weiße Weg - ein Film über den Schamanismus der Urvölker Amerikas.

Alexandra Clara Giray sprach mit Eva von Linde, der Regisseurin des Filmes.

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Alexandra Giray: ’Der Weiße Weg’ ist ein Film, der auf beeindruckende, einfache und berührende Art und Weise das Wissen und die Prophezeiungen der indigenen Völker Nord- und Südamerikas vermittelt und gleichzeitig jeden Einzelnen von uns auffordert, den Weißen Weg – den Weg des Sac be – den Weg zu uns selbst zu gehen in Einklang mit allem und jedem, was ist. Sie haben diesen Film zusammen mit Michael Springer und Ihrem Team 2003 gedreht und waren Teil einer Zeremonie: der Wiedervereinigung von Adler und Kondor, von Nord- und Südamerika, von Herz und Verstand. Wie ist die Idee entstanden zum Film und wie hat er sich realisiert?

Eva von Linde: Im Frühjahr 2002 sah ich den Film “Aufbruch in die 5. Dimension” von Clemens Kuby, der mir zeigte, dass man heute nicht unbedingt mehr ein professioneller Filmemacher sein muss, um Botschaften über die Leinwand zu transportieren. Ich wollte über Kraftorte erzählen und als ich einen Adlertraum hatte, in dem ich aus den Engen eines Schweizer Bergtals in die unermessliche Weite über einem Eismeer flog, wusste ich: Das ist es. Im Traum bahnte sich ganz klein von rechts ins Bild ein Eisbrecher neue Wege, die ich nun auch gehen wollte. Michael Springer, ein Kameramann und Freund, war sofort bereit, bei diesem Abenteuer mitzumachen. Das Projekt entwickelte sich dann fast selbständig in Richtung Mexiko - was eine Sequenz in dem ganzen Film werden sollte - nachdem mein Mann mit der Nachricht ankam, dass zum ersten Mal bei einem bedeutenden Zusammentreffen von nord- und südamerikanischen Indianerstämmen in Merida in Mexiko auch Weiße eingeladen werden. Fieberhaft suchte ich nach einem Sender, den dieses Thema interessieren könnte und der uns vorfinanzieren würde. Ich hatte einen Monat Zeit und bekam nur Absagen. Das wäre das Aus gewesen, wenn meine Freundin Ines Queisser Fröschl nicht eingesprungen wäre und sich entscheidend bei der Finanzierung beteiligt hätte.

Wie kam es zu dem Kontakt mit den Indigenios People?
Wir, die kleine vierköpfige Crew mit Michael Springer, Daniel Loher, Ines und ich, sollten die Reunion der Indigenen begleiten und filmen dürfen mitsamt ihren Zeremonien an den Mayakraftorten im Herzen von Yukatan. Es gab große Hindernisse und organisatorische Schwierigkeiten, die nur erwähnenswert sind, weil sich aus einer gemeinschaftlichen Überwindung derselben eine Öffnung der Herzen entwickelt hat, die zu dem Ergebnis der Filmaussage geführt hat. Die Energie und Tiefe in den Interviews mit den indigenen Schamanen, Priestern und Ältesten hätte es sonst nicht gegeben. Auch die gemeinsame Freude und der gemeinsame Tanz bei der Wiedervereinigungszeremonie von Kondor und Adler in Mayapan hätten ohne diese Überbrückung nicht stattfinden können.

Was ist die Botschaft des Films?
Die Botschaft ist klar: Lasst uns alle, alle Hautfarben und Nationen gemeinsam an einem neuen Weltmuster weben, das uns ein Überleben auf unserem Planeten Erde ermöglicht. Dazu, so die Indigenen, muss sich unser Bewusstsein öffnen für eine neue Sichtweise, die gleichzeitig eine sehr alte ist. Ihr Weißer Weg, der Weg unserer spirituellen Evolution, bedeutet in erster Linie, dass wir mit allem verbunden sind: Du bist in mir, wie ich in dir bin. Wir müssen die Ausgrenzungen, das Abgetrenntsein des Individuums von allem, was es umgibt, vergessen – etwas, das in unserer Kultur weltweit zu eskalieren droht. Respekt vor unserer Mutter Erde und der gesamten Schöpfung, das ist es, was uns abhanden gekommen ist. Wir und unser ganzes Leben sind aus der Balance geraten. Die indigenen Völker erinnern uns daran, dass wir alle im selben Boot sitzen.
Vielen Dank für das berührende Gespräch. 



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