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Ausgabe Januar/Februar 2006
Geomantie

Der Geomant Dr. Gregor Arzt berichtet über seine Arbeit, bei der es um den Dialog zwischen Mensch und Erde geht

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In der Geomantie geht es um das Verhältnis Mensch, Himmel und Erde an konkreten Orten und um das gemeinsame Lernen aller Beteiligten – Mensch, Tier, Engel und Elementarwesen – voneinander. Aufgabe des Geomanten ist es, den ansässigen Menschen die Sprache unserer himmlischen Erde, ihre Gefühle und Weisheit verständlicher zu machen, damit menschliches Planen und Handeln im Dialog mit ihr besser gelingen kann. Dieser Dialog ist grundsätzlich möglich, denn alle Erd- und Himmelskräfte sind ohnehin auch in uns selbst wirksam. Es geht daher darum, unser Bewusstsein wahrnehmend und denkend für sie zu öffnen.

Einsatzgebiete der Geomantie
Geomantisch gearbeitet werden kann an kleinen räumlichen Einheiten wie einem Zimmer, einer Wohnung, einem Haus oder einem Garten oder an größeren räumlichen Zusammenhängen wie einer Siedlung, einem Bauernhof, einer Stadt, einer Landschaft oder einer Nation. Typische Aufträge sind:
- Schlafplatzuntersuchungen, wenn der Verdacht besteht, dass eine Erkrankung durch einen belasteten Schlafplatz zumindest begünstigt wird.
- Wohnungs- und Hausuntersuchungen, wenn die neuen Bewohner Belastungen aus der Vergangenheit des Gebäudes spüren.
- Baugrundstücksuntersuchungen, um die optimale Platzierung eines Neubaus zu ermitteln.
Aus solchen Anliegen ergeben sich dann fruchtbare Dialoge zwischen Mensch und Erde. Manchmal schließen sich Bewohner einer Region zusammen, wenn sie gemeinsam den Eindruck haben, dass ihr Lebensumfeld energetisch belastet ist und beauftragen mich, gemeinsam mit ihnen erdheilerisch wirksam zu werden. Solche Aufträge im öffentlichen Raum beruhen meist auf Privatinitiativen, weil hierzulande das Bewusstsein für geomantischen Handlungsbedarf auf der politischen und administrativen Ebene noch nicht ausreichend entwickelt ist. Doch je mehr Menschen über entsprechende Wahrnehmungsfähigkeiten verfügen, desto mehr wird geomantische Stadt- und Landschaftsplanung Gegenstand demokratischer Entscheidungsprozesse sein können, zum Wohl von Mensch und Erde. Grundkenntnisse in der Geomantie oder beispielsweise in einfacher Notfallhomöopathie gehören längst in die Lehrpläne der Schulen und würden sich nicht zuletzt auch volkswirtschaftlich segensreich auswirken, indem sie unter anderem das derzeitige Gesundheitssystem entlasteten.
In meiner Arbeit stelle ich fest, dass es von Jahr zu Jahr auch für Menschen ohne jede Vorkenntnisse einfacher wird, Aspekte von Energieströmen, Elementarwesen oder energetischen Blockaden selbst wahrzunehmen. Entscheidend sind Aufgeschlossenheit, Vertrauen in den Prozess, gute Anleitung und die bewusste Entscheidung, für einige Stunden sich der Betriebsamkeit des Alltages zu entziehen. In meiner Arbeit mit den Orten beziehe ich die Auftraggeber daher so weit wie möglich in den Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozess mit ein. Ich möchte ihnen Herz und Sinne für ihren Ort öffnen, denn sie leben dort und prägen die Ortsenergien durch ihren Alltag.

Arbeitsbeispiel
Die Besitzerin eines Ladens für Gesundheitsmöbel wie Kniestühle und Wasserbetten rief mich einen Tag vor der Geschäftseröffnung an: Alles sei rechtzeitig fertig geworden, perfekt eingerichtet und renoviert, doch hätten Freunde und Bekannte, die schon vorab gekommen seien und auch sie selbst den Eindruck, dass irgendetwas nicht stimme. Man fühle sich nicht wirklich wohl am Ort. Niemand wüsste aber, warum. Ob ich helfen könnte. Ich sagte ja und fuhr hin.
Das Geschäft war schön gelegen in einem Altbau im Zentrum einer liebevoll restaurierten Altstadt. Ich fand mit der Rute eine kreisrunde energetische Blockadezone, die fast den gesamten Verkaufsraum einschloss. Sie drückte stark auf das Leben der Erde an diesem Ort. Wir hockten uns hin, fragten den Ort, wie es ihm geht. Innerlich nahm ich das Bild eines gewölbten Männerbauches wahr. Im Gürtel steckte schräg ein länglicher Gegenstand, von dem ganz viel Angst ausging. “Warum hast du Angst?”, fragte ich. “Ich habe Angst, jemanden töten zu müssen.” Ich begriff, es mit einem Feuerelementarwesen zu tun zu haben, das in die Aufgabe hineingezwungen worden war, den Zündfunken einer altertümlichen Pistole zu ermöglichen. Diesen menschengebauten Mechanismus, innerhalb dessen es als Naturkraft zu dienen hatte, konnte es nicht durchschauen. Doch es hatte eine viel lebhaftere Wahrnehmung als der Schütze davon, welche Qualen das Opfer der abgefeuerten Kugel durchleiden musste. Diese Erlebnisse hatten es zutiefst traumatisiert, so dass im Gegensatz zu seiner eigenen Kleinheit eine riesige Wolke aus Angst entstanden war, die den ganzen Raum überschattete. Ich sagte dem kleinen Feuergeist, dass er keine Angst mehr zu haben bräuchte, weil es mittlerweile weder die Pistole noch den Schützen mehr gab. Dann fragte ich ihn, wo er denn eigentlich hingehöre, um sich wohlzufühlen und seiner wirklichen Aufgabe nachgehen zu können. Er sagte, eigentlich fühle er sich nahe am Menschen sehr wohl, denn es sei seine Aufgabe, kalte Hände und Füße zu wärmen. Ich begriff, dass er in die Feuer- und Wärmeprozesse des menschlichen Blutkreislaufes gehörte. Ich sagte ihm, das sei ja wunderbar, er solle einfach hier bleiben. Immer wieder würden nun Menschen kommen und sich mal probeweise langlegen oder hinsetzen, um auszuprobieren, ob sie sich in dieser Lage wohlfühlen – das sei nämlich der neue Zweck dieses Ortes. Er solle dann immer schnell dazukommen und ihnen die Hände und Füße warm machen.
Nun hatte der Verkaufsraum eine leichte, heitere Atmosphäre angenommen. Im Gespräch mit der Ladeninhaberin erfuhr ich anschließend, dass dieses altehrwürdige Gebäude vor etwa 250 Jahren eine Offiziersmesse war, d.h., es saßen vielleicht wirklich hier öfter Männer am Tisch und aßen miteinander, die Dienstwaffe in den Gürtel gesteckt. Die Ladeneröffnung am nächsten Tag war ein voller Erfolg und die Umsätze entwickelten sich in der Folgezeit wie erhofft.

Hilfreiche Sagen
Manchmal ist es sinnvoll, sich mit den Sagen und Gründungslegenden eines Ortes zu beschäftigen, denn es gibt in ihnen immer einen wahren Kern, der hilfreich sein kann, um den Ort besser verstehen zu können. So bat mich einmal ein Landschaftsarchitekt, einen ehemaligen Gutspark in einem märkischen Dorf zu untersuchen: Er hatte den Auftrag erhalten, den Park neu zu gestalten und wollte das gerne im Einklang mit den vorhandenen Erdkräften machen. In einer Sammlung märkischer Sagen fand sich tatsächlich etwas über das Dorf. Es heißt dort, einst habe es einen Zugang zur Welt der Zwerge im Dorf gegeben und dadurch auch einen regen Austausch zwischen den Menschen und den Elementarwesen. Doch die Zwerge hätten leider gerne nachts neugeborene Menschen entführt und an deren Stelle ihren eigenen Nachwuchs in die Wiege gelegt. Um diesem Unfug ein für alle Male ein Ende zu machen, habe der Pfarrer die Bauern aufgefordert, die umliegenden Äcker kreuzweise zu pflügen, also das Zeichen zum Bannen des Teuflischen der Erde einzuschreiben. Und tatsächlich habe das Unwesen der Zwerge seitdem gänzlich aufgehört.
Am Ort nahm ich innerlich Folgendes wahr: Der Erddrachen als Bild für das Wirken der Lebenskräfte der Erde, insbesondere der Erdelementarwesen (Zwerge) war in der Vergangenheit durch einen rituellen Akt der Pfählung extrem geschwächt worden. Die früheren Mächtigen des Dorfes hatten dies veranlasst, um das gesamte Leben dort noch perfekter kontrollieren zu können. Den Preis dafür zahlten jedoch auch sie selbst durch einen Verlust an Lebensfreude und Liebe. Diese Pfählung war immer noch wirksam. Die geomantischen Systeme wie Erdchakren und Meridiane des Gutsparkes waren geschwächt und verschoben. Nach möglicher Erdheilung sah ich besonders großes Potential im hinteren Bereich des Parks, der an die umliegenden Äcker angrenzte: Vielleicht würde hier einmal ein gelungener Übergang zwischen Dorf, Park und Landschaft sein, ein Rückzugs-, Erholungs- und auch Identifikationsraum für Menschen aus dem Dorf, die sich von der repräsentativen Schauseite des Gutshauses und des Parkes eher ausgegrenzt fühlten.
Hier vermutete ich den früheren Eingang zur Zwergenwelt und sprach deshalb an dieser Stelle mit dem Bewusstsein des angrenzenden Hügels. Er leide unendlich darunter, dass ihm von irgendwelchen Metallteilen monotone Furchen eingeritzt würden – so nahm er das Pflügen, also die Folgen der industrialisierten Landwirtschaft, auf seiner Oberfläche wahr: ein viele 100 Hektar großer Acker, ohne jede landschaftliche Gliederung durch Tümpel, Wege oder Hecken. Hinter dem Gestänge, der Pneumatik und Hydraulik der riesigen Landmaschinen war für ihn der Bauer als Bearbeiter des Landes nicht mehr spürbar. So hatte ich den für mich bis heute wahren Kern der Ortssage gefunden. Praktiken von weltlicher Herrschaft und Kirche, die Macht über Mensch und Erdkräfte zu festigen, wurden in der Sage als Rettungsaktion gegenüber einer angeblich verteufelten Elementarwesenwelt kaschiert. Die Folgen des fortan unterbundenen Austausches von Mensch und Erde zeigten sich Jahrhunderte später schließlich in der Monotonie der Agrarlandschaft, im Stetig-Unfruchtbarer-Werden der Böden und in dem letzten gemeinsamen Gefühl von Erde und Mensch: sich selbst und einander nicht mehr innerlich erleben zu können. Auf diese Weise war das neugeborene und immer wieder neu zu gebärende Leben (Wortbedeutung von lat. natur) aus den Wiegen der Menschen und der Landschaft gleichermaßen entfernt worden.
Der neue Gutsherr bat mich und den Gartenarchitekten ins Gutshaus, um sich nach dem Fortgang der Arbeiten zu erkundigen. Ich erklärte ihm, dass es nun sinnvoll wäre, wenn er sich mit mir zusammen in den weiteren Erdheilungsprozess begeben würde. Mir war klargeworden, dass die energetische Blockade des Ortes solange wirksam bleiben würde, bis ein Gutsherr sich für die Seele des Ortes ganz öffnete, egal, ob er früher als kleiner Feudalherr oder heute als Geschäftsführer einer GmbH auftrete. Da er dazu noch nicht bereit war, konnte ich keine Empfehlungen für die Parkgestaltung geben, denn es wäre unsinnig gewesen, die derzeit falschen Standorte der Erdorgane gartengestalterisch festzuschreiben.

Zukunftsprojekte
Ein größeres Erdheilungsprojekt liegt im südlichen Taunusvorland. Vieles, was Frankfurt am Main kosmisch ernährt, strahlt in die nahen Taunusgipfel ein und fließt dann zur Stadt. Auf dem Weg dorthin wird es durch verschiedene menschengemachte Blockaden verdunkelt. Die Themen der Blockaden sollen zusammen mit einer Seminargruppe erforscht und, wenn möglich, gelöst werden. Zugleich soll genauer wahrnehmbar werden, was uns da eigentlich kosmisch ernährt.
Ein zweites Projekt geht um die Zukunft der Stadt Bad Dürrenberg bei Halle/Saale. Diesem Ort laufen seit der Wende wie anderswo in Ostdeutschland die Bewohner scharenweise davon, weil er ihnen wirtschaftlich und emotional scheinbar nichts mehr zu bieten hat. Die bisherige Strategie der Kommune, die große Vergangenheit der Saline und des Kurbetriebes museal zu verlängern, kann nur glücken, wenn zugleich geistig über die Heilkräfte des dortigen Salzes gearbeitet wird, d.h., wenn das, was die Erde dort zu bieten hat und wünscht, auch wirklich zeitgemäß ergriffen wird.Mit einer kleinen Arbeitsgruppe habe ich in den vergangenen zwei Jahren intensiv die Geomantie Potsdams erforscht. Daraus sind nicht nur Vorschläge zur Neugestaltung der Potsdamer Mitte erarbeitet worden, sondern auch, in Zusammenarbeit mit der Verkehrspolizei, eine geomantische Untersuchung von Verkehrsunfallschwerpunkten in Potsdam entstanden.


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