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Ausgabe Januar/Februar 2006
Der Jahreskreis: Imbolc – im Bauch von Mutter Erde

Thomas Herbst schreibt über das erste Jahreskreisfest im Jahr: Imbolc oder Maria Lichtmess.

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Acht heilige Feste unterteilen den Jahreskreis in unseren Breiten, vier Sonnen- und vier Mondfeste. In sechswöchigem Abstand folgen sie aufeinander und begleiten uns durch den Wechsel der Jahreszeiten: Imbolc, Ostara, Beltane, Litha, Lammas, Mabon, Samhain und Jul geben uns Gelegenheit innezuhalten, rückzublicken und uns neu auszurichten. Sie laden uns ein, in Kontakt zu treten mit der Welt der Spirits, die an diesen Fest-Zeiten besonders zugänglich ist und erinnern uns daran, dass alles den immerwährenden Zyklen von Mutter Erde unterworfen ist.

Imbolc
Imbolc, auch Brigid oder Lichtmess genannt, liegt genau in der Wintermitte zwischen der Wintersonnenwende und der Frühlingstagundnachtgleiche. Traditionell wird es am 1. oder 2. Februar begangen. Da es sich bei Imbolc jedoch um ein Mondfest handelt, wird es von vielen auch am Neumond gefeiert. Der Name Imbolc leitet sich vermutlich aus dem Gälischen ab und bedeutet “in the belly”, also “im Bauch”. Es ist die Zeit des tiefen Winters, das Leben ruht unter einer weißen Schneedecke im Bauch von Mutter Erde und wartet darauf, wiedergeboren zu werden. Gleichzeitig sind die ersten Vorboten des neuen Jahres schon sichtbar. Hier und da lugen die ersten Krokusse und Schneeglöckchen unter der Schneedecke hervor, die Tage werden jetzt wieder merklich länger, das Licht kehrt zurück und die Lämmer geben die erste Milch. Imbolc ist ein Fest des Neubeginns. Im Innen wie im Außen heißt es jetzt, sich darauf zu besinnen, was im kommenden Jahr wachsen soll. Es ist die Zeit für den Frühjahrsputz, das Alte wird ausgemistet, das Haus aufgeräumt. Körper und Seele können durch Fastenkuren, Saunen und rituelle Bäder gereinigt werden. Auch die rituelle Austreibung des Winters, deren Reste noch in den Karnevalsaktivitäten zu finden sind, wurde zu diesem Fest betrieben.

Brigid – Göttin des Lichts
Imbolc ist das Fest der Brigid, der Göttin des Lichts und Patronin der Schmied-, Dicht- und Heilkunst. Brigid, deren Name soviel wie „die Erhabene“ bedeutet, ist die Jungfrau, die neugeboren nach einem langen kalten Winter in neuem Gewand auf die Erde zurückkehrt. Als Bride oder Braut erwartet sie die Ankunft ihres Bräutigams, der Sonne. In vielen Gegenden Europas wurde zu Imbolc eine lebensgroße Brautpuppe aus Stroh durch das Dorf von Tür zu Tür getragen. Noch heute erinnern kleine aus Stroh geflochtene Puppen zu Imbolc an diesen Brauch. Auch die in England und Irland noch heute sehr verbreiteten ebenfalls aus Stroh geflochtenen Brigid Crosses erinnern an diese Tradition. Imbolc ist ein weibliches Fest. Es ist das Fest für die Belange der Frauen, der Familie und des Heimes. Das Fest des Herdfeuers, dem Herzen des Hauses.

Mariä Lichtmess
Während der Christianisierung wurde Brigid dann durch Saint Brigid, die Heilige Brigitta, ersetzt und die Christen benannten das ihr geweihte Fest passenderweise nach Maria, einer anderen Heiligen Jungfrau. Die Bezeichnung als Mariä Lichtmess oder Candlemass trägt dem Umstand Rechnung, dass Imbolc vor allem ein Fest des Lichtes war und ist, und auch der Brauch, an diesem Tag die Kerzen für das gesamte Kirchenjahr zu weihen, ist wesentlich älter als das Christentum. So wurden in früheren Zeiten sowohl die Kerzen und das Wachs als auch die Bienenstöcke traditionell geweiht und man sagte den an Lichtmess geweihten Kerzen eine zehnmal höhere rituelle Kraft nach als gewöhnlichen Kerzen. Auch gab es in vielen Dörfern Lichterprozessionen, um die Felder symbolisch zu reinigen und den Göttern zu danken.

Ein Imbolc-Ritual
Imbolc eignet sich für alle Rituale des Neunfangs, so auch Initiationen jeglicher Art. Es ist außerdem ein idealer Zeitpunkt zum Weissagen. Wer gerne selbst Kerzen herstellen mag, kann dies jetzt tun.
Das folgende kleine Ritual erdet die Ideen für das vor uns liegende Jahr:
Bereitet einen heiligen Raum, legt ein Tuch in die Mitte oder schmückt einen Altar. Die traditionellen Farben für Imbolc sind Weiß, Grün und Gelb. Als Blumen können Krokusse, Narzissen oder Schneeglöckchen dienen. Auch eine Figur von Brigid, Maria oder einer anderen jungfräulichen Göttin eignet sich sehr gut. Stellt nun eine mit Erde gefüllte Schale in eure Mitte und lasst jeden Teilnehmer eine Kerze nehmen. Nun besinnt euch auf das, was in diesem Jahr in eurem Leben wachsen soll. Setzt eure Kerzen nun reihum in die Erde, während ihr laut aussprecht, welche Idee oder Vision eures Lebens ihr damit erdet. Da Brigid auch die Göttin der Poesie ist, könnt ihr euch jetzt gegenseitig Gedichte vorlesen, bevor ihr zum anschließenden Festmahl übergeht.
Ein gesegnetes Imbolc-Fest!


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