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Ausgabe November/Dezember 2005
Die Kabbalah

Michael Gebauer gibt einen Einblick in die Lehre der Kabbalah.

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Was ist eigentlich Kabbalah?
Kabbalah ist eine Bezeichnung für die Lehren der jüdischen Mystik. Wie in anderen mystischen Bewegungen geht es auch hier um eine jeweilige direkte Erfahrung oder Offenbarung des Göttlichen. So haben auch in dieser Tradition über Tausende von Jahren hinweg Menschen mit ihren Erfahrungen des Göttlichen die kabbalistische Geschichte geprägt. So wie sich das allgemeine Wissen der Menschheit immer mehr - und in immer kürzeren Abständen - vergrößert hat, so wurden auch die Interpretationen der ursprünglichen kabbalistischen Lehre immer komplexer und tiefer. Sie wuchs also und veränderte sich mit dem zunehmenden Wissen der Menschheit. Es ist somit nicht verwunderlich, dass verschiedene Strömungen innerhalb dieser Lehre entstanden, so dass man durchaus sagen kann, dass es die Kabbalah heutzutage nicht mehr gibt, sondern inspirierte Persönlichkeiten innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinde, die ihre Sicht der Kabbalah lehren.

Worum geht es nun in der Kabbalah?
Im Zentrum der Lehre stehen die von Moses erhaltenen göttlichen Offenbarungen (nach der Kabbalah die dritte große Offenbarung Gottes), insbesondere die Schöpfungsgeschichte der Genesis, des 1. Buch Moses. Heutigen Christen werden diese Zusammenhänge immer noch in kindlich naiver Terminologie vermittelt. Die kabbalistische Essenz, die dahinter steht, ist aber hochgradig brisant. Man geht davon aus, dass die Schöpfungsgeschichte den Weg Gottes in die Manifestation beschreibt. Diesen Prozess benutzen nun einige Kabbalisten, um selbst bewusst Schöpfer zu werden. In der Theoretischen und auch Meditativen Kabbalah versucht man, sich einem Verständnis dieser essentiellen Lehre zu nähern. Die in ihrer Komplexität nicht einfach zu verstehenden Basiswerke der Kabbalah, das Sepher Jetzirah (Buch der Weltformung) und das Sepher Zohar oder einfach Sohar (Buch der Herrlichkeit), bieten genug Anlass zu tiefen Einsichten und endlosen philosophischen Spekulationen. In der Praktischen Kabbalah geht es darum, wie man das Leben und das Bewusstsein mit Hilfe der kabbalistischen Entsprechungen des Lebensbaums verändern kann.

Der Lebensbaum
Zentrales Symbol der Kabbalah ist der kabbalistische Lebensbaum. In diesem Symbol vereinigen sich die Prozesse von Schöpfung und Entwicklung, von Astrologie, Numerologie, Magie, Tarot und Engel-Lehre. Wie man sieht, haben fast alle Lehren der westlichen esoterischen Tradition ihre Wurzeln im Lebensbaum und seinen Entsprechungen. Man muss also nicht Jude oder jüdischen Glaubens sein, um Nutzen aus einer Beschäftigung mit der Kabbalah zu ziehen. Der Lebensbaum mit seinen vielfältigen Entsprechungen ist eine hervorragende Landkarte des Bewusstseins, innerhalb derer man sich gezielt in der eigenen Entwicklung weiterbewegen kann. Er bietet eine klare Orientierung, die in vielen Strömungen zeitgenössischer Esoterik fehlt. Dies ist auch der Grund, warum viele esoterische Orden der Vergangenheit und Gegenwart sich in ihren Schulungssystemen dieses Systems bedient haben.
Der kabbalistische Lebensbaum ist auch der Körper des ursprünglichen Menschen, des Adam Kadmon als Abbild Gottes. In dem Bemühen, der bewusstseinsmäßigen und energetischen Zersplitterung des modernen Menschen ein Ende zu bereiten, treffen sich Kabbalah, Chakren-Lehre, Körper-Psychotherapie und moderne energetische Medizin. Als bedeutendes Ordnungssystem für unser Bewusstsein, das auch viele praktische Ansätze bietet, findet die Kabbalah immer noch viel zu wenig Beachtung.

Buchtipps: Kim Zetter: Das Geheimnis der Kabbala, Kailash, 16,95 Euro
Dion Fortune, Die mystische Kabbala, Aurinia, 29,80 Euro.


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