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Ausgabe November/Dezember 2005
Aikido

Aikido ist eine japanische Kampfkunst, die Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Japaner Morihei Ueshiba entwickelt wurde.

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Typisch sind die kreisrunden und spiralförmigen Techniken, mit denen die Angriffsenergie des Gegners nutzbar gemacht und verstärkt auf den Angreifer zurückgeführt wird. Es ist eine defensive Kampfkunst gegen bewaffnete und unbewaffnete Angreifer und enthält neben waffenlosen Techniken auch den Umgang mit dem Langstock und dem japanischen Schwert. Diese drei Grundelemente ergeben zusammen die Kunst des Aikido. Gerhard Walter vom Aikido-Zen in Berlin schreibt über die Hintergründe des Aikido.

Aikido wird zur Gruppe der japanischen Kriegskünste, der Budo, gezählt, deren ursprüngliches Ziel darin bestand, den Samurai zu befähigen, sich selbst am Rande des Abgrundes von Leben und Tod noch frei bewegen zu können. Da hierfür eine geistige und mentale Schulung ebenso notwendig war wie die des Körpers, kam es in der Kamakuraperiode von 1185-1333 zu einer Annäherung der Samurai an den Zen-Buddhismus, dessen kontemplative Schulung auch eine Auseinandersetzung mit dem Tod beinhaltet. Die absolute Dimension des Aikido, die den Menschen zur Ergründung seiner ursprünglichen Identität führt, hat im Zen ihre Wurzeln.

Als Morihei Ueshiba, der von 1883-1969 lebte, den spirituellen Aspekt zu einem zentralen Anliegen der Verteidigungskunst machte und jegliche Militanz und Gewalt ausgrenzte, entstand ein neues Budo. Der von ihm verwendete Name Aikido bedeutet dementsprechend: Weg (do) des Einklangs und der Harmoie (ai) mit kosmischer Energie (ki). Immer wieder warnte Ueshiba vor einem falschen Verständnis des Aikido und bezeichnete das an Macht und Wettkampf sich orientierende Budo als eine Angelegenheit für “verbogene Menschen”. Er sagte: “Budo ist weder ein Werkzeug, die Welt mit Waffen in die Destruktion zu führen, noch dient es dazu, Angreifer niederzuschlagen. Wahres Budo ist es, mit dem Geist des Universums in Einklang zu sein, wahres Budo ist Liebe.”
Oft vermuten Anfänger, Aikido und Meditation seien Techniken, Körper und Geist zu kontrollieren oder zu beherrschen, doch das ist ein Irrtum. Auf Körperbeherrschung lässt sich wegen der damit verbundenen Selbstunterdrückung nur eine Scheinsicherheit aufbauen, Angst und Destruktion lassen sich mit den Mitteln der Kontrolle nicht auflösen. Genau wie in der Liebe geht es im Aikido und der Meditation um die Einheit des Menschen und die Entfaltung seiner physischen wie spirituellen Möglichkeiten.
“Wenn du keine Zeit hast, mache einen Umweg”, heißt es im Zen. Dieser Umweg ist im Aikido der, ein vordergründiges Ziel zurückzustellen und statt dessen den ganzen Menschen einzubeziehen. Obwohl Aikido genau wie zur Zeit der Samurai zur optimalen Verteidigungsfähigkeit führt, muss man doch erkennen, dass Präsenz sich selbst genügt. Wie der Zenbogenschütze sich darin schult, auf die Unendlichkeit zu zielen und mit dem Geist der Absichtslosigkeit sicher die Scheibe trifft, so müssen wir im Aikido Selbst und Selbstverteidigung fallen lassen, um zu einer umfassenden Präsenz zu gelangen.
Was man im Aikido lernt, ist gleichermaßen eine Technik wie auch die Fähigkeit, ganz und gar eins zu sein mit seinem Tun. In diesem Einssein liegt der Schlüssel zum Alltag, es sprengt die Begrenzung der Übungshalle und macht die ganze Welt zum Dojo. Eins zu sein mit dem Aikido heisst, die Verteidigungstechniken zu studieren und derart zu verinnerlichen, dass am Ende natürliche Bewegung übrigbleibt. Es geht also weder darum, stärker und besser zu sein als andere, noch um Unverwundbarkeit und Unbesiegbarkeit, sondern allein um das, was man Erleuchtung nennt. Erleuchtung aber ist nicht die letzte und höchste Stufe auf einer Leiter des Fortschritts, sondern das Eintauchen in die Zeitlosigkeit des Augenblicks. Es ist, wie Lao Tse schrieb: “ Weil der Weise sich selbst vergessen kann, wird sein Selbst verwirklicht.”


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