aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe September/Oktober 2005
Hawaii - Unterwegs zwischen Himmel und Erde

Vor 3 J. ist Petra G. Wegmann zum 1. Mal nach Hawaii gereist und hat innerhalb von 2 Monaten Erfahrungen gemacht, die sie gerne anderen Menschen mitteilt.

art41545
Im Oktober kommt sie für einen Workshop nach Berlin. Haidrun Schäfer hat in einem Interview nachgefragt, was Hawaii so besonders macht.

Haidrun Schäfer: Während deines Besuches auf den hawaiianischen Inseln hast du nicht in Hotels geschlafen, sondern wurdest an den unterschiedlichen Orten in das dortige Familienleben eingebunden. Wie kam es dazu?
Petra Wegmann: Ich hatte das Glück, dass ich die ersten drei Wochen bei meiner hawaiianischen Freundin Dutchie leben konnte, die ich in Deutschland kennengelernt hatte. Das erste Mal in meinem Leben machte ich eine so lange und weite Reise, ohne einen festen Reiseplan. Jojo, eine Hausmitbewohnerin von Dutchie, sagte zu mir: “Ich weiß nicht, was du suchst. Aber du musst unbedingt nach Molokai gehen, dort wohnt mein Sohn, der ist Fischer...” Und so ging es die ganze Zeit, die Menschen haben mich von Familie zu Familie einfach weitergereicht.
Wie viele Inseln gibt es insgesamt und wie bewegt man sich fort?
Hawaii besteht aus sieben Inseln. Oahu ist die Insel mit der Hauptstadt Honolulu und die größte Insel ist Big Island, auch Hawaii genannt. Hauptfortbewegungsmittel ist das Auto. Hawaii gehört zu Amerika und der Alltag auf den meisten Inseln ist mittlerweile sehr amerikanisch: mit dem Auto zum Briefkasten und der McDonald um die Ecke. Die Menschen dort gucken auch fern, telefonieren, gehen aus, arbeiten, genauso wie wir das tun. Wenn man mit den local peoples zusammenkommt, dann kann sich das Leben ein bisschen anders gestalten, wie z.B. auf Molokaii, da gibt es etwas, was anders ist: diese unbändige Freude, ein Lachen und dieses uralte Wissen ...

Was meinst du mit uraltem Wissen?
Damit meine ich die alten Weisheiten, die mündlich überliefert wurden. Viel altes Wissen ist vorübergehend verloren gegangen, weil es lange Zeit verboten war, hawaiianisch zu sprechen und das alte Huna-System zu leben.
Was bedeutet denn Aloha und Huna?
Aloha bedeutet: das freudige Teilen mit dem, was ist – es geht um das freudige Mit-teilen unserer Lebensenergie. Die Hawaiianer leben mit ihrer Geschichte, weil sie sich untereinander mit-teilen und das alte Wissen mündlich weitergeben. Huna sind zwei Wortteile: Hu sind die Kräfte von Chaos, Bewegung und Veränderung und Na ist die Kraft von Stille, Ordnung und der Form. Die Kahunas sind Meister auf einem ganz speziellen Gebiet wie z.B. Priesterschaft, Handwerk oder Schamanismus.
Ab November bis April nächsten Jahres bietest du individuelle Reisebegleitung auf den hawaiianischen Inseln an. Was heißt das?
Ich mache keine Reiseorganisation im üblichen Sinne, sondern biete eine Begleitung vor Ort an. Wenn jemand das Ursprüngliche kennenlernen möchte, gibt es auf den Inseln Molokaii, Maui oder Big Island die Möglichkeit, mit den local peoples zu sein. Durch meine Kontakte und Freundschaften mit einigen Menschen dort, kann man z.B. eine Wanderung zu einem heiligen Wasserfall machen oder an einem Luau-Fest teilnehmen, einem ganz besonderen Fest der Hawaiianer.
Was ist das für ein Wasserfall?
Er befindet sich auf der kleinen Insel Molokaii, die mir aufgrund ihrer magisch-mystischen Aura besonders am Herzen liegt. Er liegt mitten im Dschungel auf einem Weg, der im Reisebuch nicht zu finden ist und das letzte Stück braucht die Hilfe eines Einheimischen. Der Wasserfall ist ein heiliger Ort, drum herum sind alte Kahuna-Plätze, alte Tarotfelder, auf denen Kämpfe, Feste und Traditionsfeiern stattgefunden haben. Dieser Platz ist offiziell nicht zugänglich.
Hast du noch mehr Orte in dieser Art kennengelernt?
Ja, viele. Einer ist auf Big Island und offiziell zugänglich. Es ist ein riesengroßes, altes Lavafeld. Die Lavamasse hat alle Häuser, alle Bäume und alles Leben zerstört. Die Menschen haben während des Ausbruchs die Feuergöttin Pele darum gebeten, ihren Leuchtturm stehen zu lassen, denn den bräuchten sie für die Schifffahrt. Ob man es glaubt oder nicht: Um diesen Leuchtturm ist ein großer runder Kreis, um den die Lavamasse drum herumgeflossen ist.
Was verbirgt sich hinter dem bekannten Hula-Tanz?
Es ist ein Tanz, zu dem Frauen und Männer ihre Blumenketten tragen. Dabei geht es nicht nur um die Freude des Tanzens, sondern es ist eine der alten Traditionen, durch die Wissen weitergegeben wird, verstärkt durch so genannte gesungene Chants. Dazu gibt es diese Bewegung aus der Hüfte heraus, die für uns Europäer verdammt schwierig ist, und die Bewegungen mit den Armen und Händen, die etwas beschreiben wie Sonne, Regen, Mond oder Wasser. Das Wissen wurde nicht aufgeschrieben, sondern mit den Tänzen und den Chants weitergegeben.
Gibt es gar keine Aufzeichnungen?
Mittlerweile gibt es Schriftmaterial durch uns Europäer, die angefangen haben zu fragen und zu stöbern. Während meines Aufenthalts in dem “Rockhouse in the mountain” habe ich Eddy kennengelernt. Dieser Eddy hat mich an seiner Geschichte teilhaben lassen: Seine Urururtante war eine der größten Kahuna-Frauen Molokaiis. Er hat sich daran erinnert, während ich ihm einfach immer wieder Fragen nach dem Ursprung des Ganzen gestellt habe. Schon immer war mein persönliches Thema: Wie funktioniert die Urkraft der Weiblichkeit? Ich habe als Kind davon geträumt, ich müsste zu einem großen Feuer gehen, an dem viele alte weise Frauen sitzen, um mir mein Wissen abzuholen. Als ich Dutchie zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, mir einen Teil der Geschichte wieder schenken zu lassen.
Es geht also um eine gegenseitige Befruchtung,
So ist es. Das Besondere, was ich mit den Hawaiianern erlebt habe, ist die Art, Familie zu leben – Ohana. Mich haben hawaiianische Menschen auf ihre Weise adoptiert - ich bin ein Teil ihrer Ohana, ihrer Familie, ohne mit ihnen blutsverwandt zu sein. Daraus entstand der besondere Kontakt und die Möglichkeit, anders dort zu sein, als ein normale Urlauber.
Vielen Dank und weiterhin viele bereichernde Begegnungen.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.