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Ausgabe September/Oktober 2005
Geist und Seele für die Medizin

Dr. S. Alexander Alich, Direktor des FoxFire-Institutes, schreibt über die Notwendigkeit, das Wissen der beiden Bereiche von Wissenschaft und Schamanismus zu vereinen. Übersetzt von Ute Alich.

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Die Idee von Foxfire
“...Ich verbrachte meine letzte Nacht des Sonnentanzes unter dem großen Zeremonienbaum sitzend. Die Zeremonie war beendet und die Menschen packten langsam ihre Autos und bereiteten sich auf ihre teilweise sehr langen Heimreisen vor. Ich war erfüllt mit Dankbarkeit für alles, was ich erfahren hatte und ich wusste, es würde lange brauchen, das, was hier unter diesem Baum stattgefunden hatte, in seinem ganzen Ausmaß zu erkennen. Und mit allem, was mir geschenkt wurde und was ich gesehen habe, stellte sich mir folgende Frage: In meiner Arbeit in einem Krankenhaus in San Francisco stellte ich jeden Tag fest, dass es zwischen der sogenannten westlichen Medizin und dem Spirit einen Bruch gibt. Wie kann ich diesen Bruch überwinden und heilen und wie kann ich die Idee dieser Arbeit in diese Welt bringen?”
Das Konzept von Lebenskraft ist nicht neu. Vor weniger als 100 Jahren gab es noch das allgemeine Wissen um diese einzigartige belebende Kraft, die durch jedes Leben rinnt – das, was wir Chi oder Spirit nennen können. Heutzutage jedoch wird an vielen medizinischen Schulen gelehrt, dass diese Kraft nicht existiert - es kann sogar passieren, dass du ausgelacht wirst, wenn du diese Möglichkeit nur erwähnst. Wo haben wir den Gedanken des Spirits verloren? Was ist aus dieser Idee geworden? Wie wirkt sich dies auf unsere Gesundheit aus?

Das menschliche Wesen
Glücklicherweise haben viele indigene Kulturen diese Idee nicht verworfen. In ihrem Weltbild gibt es fünf Aspekte des menschlichen Wesens. Es sind dies der Verstand, der Körper, das Herz und der Spirit, die es uns ermöglichen, in dieser Welt zu leben und die Seele, die die menschlichen Erfahrungen umsetzt. Krankheit wird als etwas gesehen, das zunächst als ein Zustand der Unausgeglichenheit des Spirits angesehen wird. Erfahrene und angesehene Heiler, die den Spirit wahrnehmen und mit ihm arbeiten können, genießen hohes Ansehen in ihren Gemeinschaften. Sie sind der Auffassung, dass wenn diese Instabilität des Spirits nicht behandelt wird, sie in den Verstand, das Herz und gegebenenfalls in den Körper wandert, wo sie sich als Krankheit manifestiert und großes Leid und Angst verursachen kann. Heilung wird als der Weg gesehen, auf dem dieses Ungleichgewicht die Person verlassen kann – und zwar auf dem umgekehrten Weg, wie sie hineingekommen ist.

Spirit
Indem wir den Gedanken von Spirit verworfen haben, haben wir das verworfen, was bei meinen indianischen Lehrern in den USA unter Medizin verstanden wird und die Möglichkeit der ganzheitlichen Heilung. Viele Menschen, die mir begegnen und mit denen ich arbeite, haben einen außerordentlichen physischen und psychischen Heilungsprozess durchlaufen, haben die herausfordernsten Krankheiten überwunden und fühlen sich dennoch nicht vollständig heil oder ganz. Meistens stellt sich heraus, dass ihr Spirit nicht geheilt wurde oder gar völlig aus diesem Heilungsprozess ausgeschlossen war.

Wissenschaft und Schamanismus
Die Wissenschaft und ihr Denken sind dazu geschaffen, die natürliche Welt zu erforschen. Sie hat mit ihren analytischen Untersuchungen dazu beigetragen, Aberglaube und viele Formen des Leids zu überwinden. Jedoch war es nie ihr Anliegen, die unsichtbare oder übernatürliche Welt zu erforschen. Das Geschenk der Wissenschaft hilft uns, unser tägliches Leben und unsere Arbeit zu hinterfragen, zu studieren und Antworten zu finden. Sie kann uns helfen, theoretische Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.
Schamanen – ebenso wie Künstler – sind von ihrem Ursprung die Erforscher der übernatürlichen und unsichtbaren Welten. Wie ihre wissenschaftlichen Gegenüber versuchen Schamanen, zu neuen Erkenntnissen zu kommen und Wege zur Problemlösung zu finden - bezogen auf alles, was den Spirit betrifft. Es ist die große Aufgabe der nächsten Generation von Menschen, die in Heilberufen arbeiten, diese beiden Gebiete in einer Weise zusammenzubringen, dass sie dem Wohle aller dienen. Die Herausforderung besteht darin, nicht nur wissenschaftlich korrekt zu arbeiten, sondern auch der Humanität, die vor vielen Jahren verlorengegangen ist, wieder einen Platz einzuräumen.


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