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Ausgabe September/Oktober 2005
Auf zu neuen Ufern – was für eine Erfahrung!

Aufstellungen zur Klärung bei beruflichen Entscheidungen

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Manchmal ergeben scheinbar zusammenhanglose Aneinanderreihungen von biografischen Gegebenheiten keinen Sinn. Angelika Peaston hat bei der Diplom-Psychologin Petra Wermeling eine Aufstellung zu ihren beruflichen Fragen gemacht und erstaunliche Klarheit erlangt.

Gerne berichte ich von einer Aufstellung, die eine wichtige Weichenstellung an einer großen Gabelung in meinem Leben war und mir Kraft gibt – immer noch – mich auf mein Ziel zuzubewegen, den Weg dahin zu gehen; zwar nach wie vor nicht ohne Stolpersteine (und wo, bitte, gibt´s die nicht?), aber stetig und frohen Mutes voran.

Elemente der Aufstellung
Wie könnte ich das, was ich bisher beruflich gelernt und durchaus erfolgreich - über viele Jahre auch international erfolgreich - ausgeübt hatte, mitnehmen dorthin, wo ich mich seit geraumer Zeit auch sehe ? Hin zu einem Arbeiten mit Menschen, nicht nur mit Maschinen? Die Elektronik und die dadurch geförderte telegrammartige Befehlstonkommunikation vieler meiner selbst ältesten, angestammten Kunden hatte angefangen, mir die Freude an meiner Arbeit zu verderben, mir jeden Ansporn zu vergällen: Plötzlich war der “persönliche Touch”, das Telefongespräch und vor allem das Treffen mit dem Kunden zwecks Vorbereitung längerer Übersetzungen und Terminvereinbarungen durch das in meiner Branche leider sehr einseitig verwendete Medium E-Mail fast vollständig verloren gegangen.
Also habe ich, nebst “Fokus” - also mir selbst - das “Übersetzen” aufgestellt. Da ich auch als Konferenzdolmetscherin ausgebildet bin, stellte ich das Element “Dolmetschen” dazu. Beflügelt durch einen kleinen Literaturpreis der Stadt Graz in Österreich, wo ich lebe und vorwiegend arbeite, sowie zwei literarische Übersetzungen für just jene Autorin, die letztes Jahr dann den Nobelpreis für Literatur nach Wien bringen sollte, war mir auch “literarisches Arbeiten” ein Anliegen geworden; also fügte ich dies als viertes Element hinzu. Blieb noch “Aufstellen und Lifecoaching”, zwei Ausbildungen, die mich seit ein paar Jahren sehr beschäftigen und in ihren Bann ziehen – das fünfte Element meiner Aufstellung.

Lösungsbild
Wie sollte ich dies alles unter einen Hut bringen? Oder vielmehr: Wollte ich sie denn überhaupt alle unter einen Hut bringen? Vor allem beim Übersetzen von Gebrauchstexten hatte ich das Gefühl gewonnen, dass meine sprachliche Kompetenz, aber vor allem auch mein Menschsein in Summe, zu wenig geschätzt würden. So spürte ich nicht mehr den ursprünglichen Elan für meine Arbeit, fühlte nicht mehr das Echo, das ich für ein inspiriertes Arbeiten brauche. Wäre es da nicht sinnvoll, das “Übersetzen” über Bord zu werfen? Von Petra Wermeling als Begleiterin der Aufstellung befragt, antwortete auch prompt mein “Fokus”: “Ich kann sie nicht alle in meinem Boot halten..., aber irgendwie brauche ich sie alle.” Nach einem Bewegungsimpuls befragt, sagte das “Übersetzen”: “Ich bekomme Kopfweh, mein Kopf wird ganz heiß, am liebsten möchte ich gehen.“ Wie oft hatte ich das am eigenen Leib erfahren! Es schien Sinn zu machen, das “Übersetzen” sollte nur gehen - nicht umsonst hatte ich es als einziges Element der Aufstellung den “Fokus” nicht anschauen, sondern daneben vorbeischauen lassen. Und dann geschah es – durch Petras liebevolle, erdige und gekonnt bestimmte Intervention – dass die Dinge anfingen, sich zu fügen, sich zu verschieben und dabei neu zueinander zu finden. Sie hatte das “Übersetzen” aufgefordert, doch einfach den Versuch zu machen, sich ganz hinter den “Fokus” zu stellen – und plötzlich begann sich eine neue Ordnung zu formen und vor meinen Augen setzten sich alte Puzzleteilchen zu einem neuen Ganzen zusammen. Als ich dann letzten Endes selbst im Lösungsbild in die Fußstapfen meines “Fokus” trat, konnte ich die Dynamik und das stimmige Resultat des Prozesses, den die Stellvertreterinnen für mich durchlebt und erarbeitet hatten, deutlich nachempfinden und mit jeder Faser körperlich und emotional spüren. Das “Übersetzen” hinter mir war plötzlich eine große Stütze, mehr in Form meines Übersetzungs- und Dolmetschbüros, als Institution sozusagen. Es war mir Halt und Struktur, gleichsam die Basis für alles andere. Es schenkte mir Stärke und Zuversicht. Das “Dolmetschen” hatte während des gesamten Aufstellungsprozesses schon immer selbstbewusst gesagt: “Ich kann das, ob die Angelika mich nutzt oder nicht, das ist ihre Sache. Aber ich bin da und stehe fest auf dem Boden.” Und zwischen dem “literarischen Arbeiten” und dem “Aufstellen und Lifecoaching” war ein heftiger Flirt entbrannt. So viel Bewegung! Welche Leichtigkeit! Alle waren sie da – nur anders. …
Dabei war ich vor der Aufstellung schon fast im Begriff gewesen, das, was mich nährt und stützt und der Urgrund unter meinen Füßen ist, über Bord zu werfen! Dass ich das nicht getan habe, das verdanke ich dieser wunderbaren Arbeit. Danke Petra! Und weiter? Ich habe mein Ziel vor Augen. Ich gehe meinen Weg. Mein Weg ist mein Ziel.
Petra Wermeling: Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die gemeinsame Erarbeitung von Lösungsstrategien. Grundlagen bilden Konzepte aus der Gesprächstherapie, dem Organisations- und Familienstellen, der Systemischen Familientherapie, dem NLP sowie der Körpertherapie.


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