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Ausgabe Mai/Juni 2005
Heilung offenbart sich

Was ist eine “Arzneimittelentwicklungsaufstellung”, kurz AMEA? - Nadja Salah im Gespräch mit Andreas Krüger von der Samuel-Hahnemann-Schule.

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Nadja Salah: Die Idee, Aufstellung und Homöopathie und damit zwei grundsätzlich verschiedene therapeutische Disziplinen zusammenwirken zu lassen, kam bereits vielen anderen vor dir in den Sinn. Die AMEA ist aber ein neues Format, das von dir entwickelt wurde und bereits jetzt auf großes Interesse stößt. Würdest du noch einmal erklären, was eine Arzneimittelentwicklungsaufstellung (AMEA) ist?Andreas Krüger: Eine AMEA ist der Versuch, in relativ kurzer Zeit – etwa zwei Stunden – die Dynamik eines Arzneimittels, sprich den Weg einer Heilung, eines Heilwerdens, mit den Mitteln der Aufstellung aufzuzeigen. Man wählt hierzu die Leitsymptome eines Mittels, das dann von einem Mitglied des Aufstellerteams, das zu dem Heilmittel eine besonders enge Beziehung hat, aufgestellt wird. In der Regel wähle ich jemanden aus, der das Mittel als Therapeut schon oft mit Erfolg verschrieben hat oder es als Patient für seinen Prozess schon über längere Zeit eingenommen hat. Nacheinander werden im Folgenden homöopathische Potenzen des Arzneimittels in das Feld geschickt. Auf diese Weise wird der Weg der Heilung bildhaft: Die Heilungsdynamik wird lebendig und hautnah verstanden und erlebt, nicht nur für die Stellvertreter, sondern auch für die vermeintlich passiven Zuschauer, denn der ganze Raum scheint schon nach kurzer Zeit von der Energie des Mittels erfüllt.

Wie wandeln sich denn die Leitsymptome einer Arznei in einer AMEA?
Die Symptome erfahren eine Transformation, in deren Verlauf sie immer mehr als Ressource erkennbar werden. Ein Suchtverhalten etwa, das für mehrere Arzneimittelbilder sehr typisch ist, stellt z.B. das heftige Verlangen nach Süßigkeiten dar. Dieses Symptom wandelte sich schon nach der ersten Gabe (einer C40) in “feurige Erotik” und in eine “Warnung vor zu wenig Sex”. Das ist aber nicht nur amüsant, sondern zeigt auch, dass die AMEA der Königsweg ist zu erfahren, welche Ressource in einem Symptom, einer Krankheit, einem arzneilichen Archetypus verborgen liegt. Die AMEA lehrt uns aber auch, dass Krankheit vor allen Dingen eines ist: fehlgeleitete Energie. Jedes Krankheitssymptom ist ein abgespaltenes, mit negativem Vorzeichen versehenes Energiepotenzial, das nach einem Mittel ruft – um mit Hahnemann zu sprechen – welches eine ihrem Wesen nach energetische Transformation und Heilung bewirken kann. Hier erleben wir wirklich explizit, dass die Homöopathie etwas völlig anderes ist als eine die Symptome unterdrückende und wegmachende Schulmedizin. Wir erleben in der AMEA die Anwendung der geistartigen Arznei als einen Weg der Wandlung vom Leid in die Ressource.
Was ist für das homöopathisch interessierte Publikum das Aufschlussreichste, der Brennpunkt des Interesses?
Die AMEA ist ein Medium, das in der Lage ist, Symptome in Beziehung zu setzen. Eine Arzneimittellehre – wie ausgearbeitet sie auch sein mag – listet die Symptome lediglich auf und evaluiert, d.h. wertet Symptome anhand der Häufigkeit ihres Erscheinens. Im gestellten Feld dagegen erkennen wir sofort, welche Symptome zentral sind und die Wurzel der Problematik ausmachen, etwa daran, dass sich alle anderen Symptome um sie herum gruppieren.
Ist die AMEA ein Quantensprung in der Homöopathie?
Lass mich dir so antworten: Jede AMEA ist ein kleines Kunstwerk und Beuys hat einmal gesagt, dass Kunst wie Sexualität ist. “Es gibt keinen Fortschritt in ihr”, betont er. “Es gibt nur unterschiedliche Wege, sie auf die Beine zu stellen.” Beuys hat Recht und auf die AMEA bezogen bedeutet das: Sie ist nur eine Art unter vielen, Homöopathie auf die Beine zu stellen.
Gehört es nicht auch zu deinen Eigentümlichkeiten als Therapeut, die Heilung in ein Bild zu bannen? Reizt dich die AMEA nicht auch, weil sie ein Arzneimittel-Bild ist?
Ìch banne Heilung in ein Bild – das hast du schön gesagt. Sicherlich, ich stelle eine Ikone als heilendes Bildnis in die Seele des Patienten, zumal in die kranke oder sich auf Irrwegen befindliche. Man könnte auch sagen, ich bebildere die Seele der Kranken. Das Bild ist sicher eines der wirkungsmächtigsten Heilungsinstrumentarien überhaupt. In der Tiefe der Seele entfaltet es eine unaufhaltsame, fast schon magische Wirkung. Solch ein magisches Bild stellt für mich das gemeinsame Heilungsritual dar, das am Ende der AMEA durchgeführt wird und in dem sich jeder Zuschauer, der möchte, in das Feld der geheilten Symptome stellt, die sich in Urkräfte verwandelt haben, diese berühren kann und sich von ihnen segnen lassen darf.
Wie stark ist deiner Erfahrung nach die therapeutische Wirkung dieses erlösten Mittelbildes?
Meiner Erfahrung nach sind die Wirkungen im Hinblick auf Erleben und Heilwerden ganz ähnlich einer Mittelgabe. Ich wage aber an dieser Stelle – allen Mut zusammennehmend – etwas an- und auszusprechen und eine Vision zu benennen, die zurückzuführen ist auf einen Satz meines hochverehrten und geliebten Lehrers und Meisters Zalman Shalomi Schachter, der mir einmal Folgendes sagte: “Die Heilung der Welt muss eine alchemistische sein und die Homöopathie ist die Alchemie der heutigen Zeit.” Das lässt in mir die Hoffnung aufkeimen, dass eine AMEA sehr viel mehr sein könnte als ein prachtvolles didaktisches Medium oder eine kraftvolle individual-therapeutische Intervention. Eine AMEA ist immer auch Arbeit an dem morphogenetischen Feld unseres Planeten und seinen Krankheiten. Mit jeder AMEA heilen und lösen wir und stellen eine Ikone des Friedens in dieses Feld.
Andreas, wenn man dich so hört, ist man bereit zu glauben, dass trotz Krieg und Hunger, trotz Elend und Not doch noch alles gut werden kann auf diesem Planeten.
Lasst uns daran glauben. Vor allen Dingen aber: Lasst uns daran arbeiten!
Danke für dieses Gespräch.


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