aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Mai/Juni 2005
Lehmbau - etwas Altes neu entdecken

Leichtigkeit aus Lehm - selbst bauen und gestalten

art38878
Beatrice Ortlepp schreibt über die vielen Vorteile von Lehmbau und bietet in Biesenthal bei Berlin die Möglichkeit, die Kunst des Lehmbaus kennenzulernen.
Lehm ist ein Verwitterungsprodukt von Urgestein. Die Mischung besteht aus Ton, Schluff (Feinstsand) und Sand, die auch gröbere Bestandteile wie Kies, Schotter oder Steine enthalten kann. Neben Holz und Naturstein ist er der wohl älteste Baustoff, den die Menschheit kennt und erlebt derzeit eine regelrechte Renaissance. Da er fast überall im Boden vorkommt, ist dieser Naturbaustoff ohne hohen Transportaufwand verfügbar. Es bedarf keiner thermischen oder chemischen Behandlung, um ihn für den Bau nutzbar zu machen. So ist er energiesparend und umweltschonend. In Zeiten immer knapper werdender fossiler Brennstoffe und steigender Schadstoffbelastung zwei wichtige Argumente, um mit ihm zu bauen. Auch seine Wiederverwertbarkeit spricht für ihn.

Bauphysikalische Eigenschaften
Ton, das Bindemittel im Lehm, bindet das Wasser nicht chemisch sondern rein physikalisch und somit entsteht auch keine neue Verbindung nach dem Erhärten, wie z.B. bei Gips, Kalk oder Zement. Weitere Vorteile von Lehmbauwänden sind die guten bauphysikalischen Eigenschaften. Durch seine hohe Dichte und die daraus resultierende Massigkeit der Bauteile hat er hervorragende schalldämmende Eigenschaften, was unsere Altvorderen bereits gut zu nutzen verstanden, indem sie ihn z.B. als Füllstoff in Holzbalkendecken verwendeten. Ein weiterer Vorteil, der daraus resultiert, ist sein gutes Wärmespeichervermögen. Innerhalb von 6-8 Stunden soll die Schwankung der inneren Oberflächentemperatur nicht mehr als 7 % der Außentemperatur betragen. Dies wird beim Vollziegel bei einer Wandstärke von 36 cm, bei Lehm bei einer Wandstärke zwischen 17 und 28 cm erreicht.
Lehmwände bleiben im Sommer kühl und im Winter warm. Lehm kann schnell Luftfeuchtigkeit aufnehmen und diese bei Bedarf wieder abgeben, was die Feuchtigkeit der Raumluft reguliert und zu einem gesunden Raumklima beiträgt. Die als angenehm empfundene konstante Luftfeuchtigkeit verhindert ein Austrocknen der Schleimhäute und reduziert die Feinstaubbildung. Durch die Zugabe von Zuschlägen mineralischer oder pflanzlicher Herkunft kann die Trockenschwindung und Rissbildung verringert, die Zug-, Druck- bzw. Abriebfestigkeit erhöht oder die Wasserempfindlichkeit herabgesetzt werden. Leichtzuschläge verbessern die wärmedämmenden Eigenschaften. Besonders gut verträgt sich Lehm mit Holz, da beide ähnliche feuchteregulierende Eigenschaften besitzen und Lehm das Holz konserviert und vor Schädlingsbefall schützt. Darum ist Lehm besonders gut geeignet, um Fachwerkwände auszufachen und zu verputzen.
Methoden und Baustoffe, die man im Kurs kennenlernt:
• Ansetzen verschiedener Mischungen mit Stroh, Sand, Bims, Haaren, Leinöl, Quark, Dung...
• Herstellen von Natursteinmauerwerk mit Natursteinen und Lehm
• Verfugen und Verputzen, Verreiben des Lehms
• Ausfüllen eines Gefachs mit Staaken und Lehmstroh
• Leichtlehmsteine herstellen
• Mauern mit Leichtlehmsteinen und Grünlingen
• Anlegen einer Stampflehmwand
• Tapetenlehmen, Modellieren, Ornamente herstellen


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.