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Ausgabe März/April 2005
Glück im Bauch

Colon-Hydro-Therapie und Fasten als Frühjahrskur

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Unser sogenanntes Glückshormon Serotonin entsteht zu 90 % in speziellen Zellen der Darmschleimhaut. Dies ist ein Grund von vielen, um sich seine volle Funktionsfähigkeit zu bewahren. Haidrun Schäfer hat sich bei Elke Wiget über die Colon-Hydro-Theapie informiert und es auch ausprobiert.

Unser Verdauungssystem ist so groß wie eine ausgewachsene Riesenschlange: etwa acht Meter lang. 30 Tonnen Nahrung und über 50000 Liter Flüssigkeit passieren im Laufe eines durchschnittlichen Lebens den Körper. Billionen Bakterien leben im Dickdarm: Das sind 1600-mal mehr Lebewesen, als derzeit Menschen auf der Erde wohnen. 70 % der Abwehrzellen sitzen im Darm. Außerdem steuert er unsere Wahrnehmungen und Gefühle und nimmt Einfluss auf unser Denken und Urteilsvermögen. Heute ist Darmkrebs bei Männern nach Lungen- und bei Frauen nach Brustkrebs die zweithäufigste Todesursache, an der jährlich 30.000 Menschen in Deutschland sterben.

Bauch und Psyche
Kein anderes Organ reagiert derart stark auf psychische Belastungen und lässt sich so schnell aus dem Gleichgewicht bringen wie der Magen-Darm-Trakt. Die 100 Millionen Nervenzellen unseres enterischen Nervensystems oder Bauchhirns führen ein Eigenleben und regulieren die Ausschüttung vieler Hormone und Botenstoffe. Unser Darm ist unser zweites Gehirn, das völlig eigenständig agiert: Er nimmt wahr, korrigiert und lernt. Von diesem ganzen Bereich ist heute erst ein Bruchteil seiner Funktionen bekannt.

Abwehrsystem
Heute weiß man, dass 70 % aller Immunzellen ihren Sitz im Darm haben. Der Darm ist der wichtigste Teil der Immunabwehr, denn er ist die größte Kontaktzone des Körpers mit der Außenwelt. Sie ist nicht nur viel größer als die Nasenschleimhäute oder Bronchien, sondern auch rund 200 x umfangreicher als die Oberfläche unseres Körpers. Die körpereigene Mikroflora hat ihren Sitz im Dickdarm. Die Billionen von Bakterien helfen bei der Verdauung und gleichzeitig wehren sie körperfremde Bakterien ab. Versagen sie, können sich fremde Mikroorganismen vermehren und zu schweren Krankheiten führen.

Intuition
Auch unsere Intuition sitzt im Bauch. Die Mitte informiert den Kopf, umgekehrt lässt sie sich jedoch von der Zentrale im Kopf nur wenig sagen: Weit mehr Nervenstränge führen von der Mitte unseres Körpers aus zum Gehirn als wieder zu ihr zurück.

Instandhaltung
Dies alles sind Gründe, um sich ein paar Gedanken über die Instandhaltung zu machen. Unsere Darmwände sind weder glatt noch gerade. Stattdessen schlängeln sie sich in zahlreichen Windungen und Krümmungen und bilden unzählige Falten, in denen dementsprechend viel Platz ist, um Altlasten aufzubewahren, die im Laufe der Jahre die Funktionen des Darmes behindern. Entsprechend dem Ernährungsverhalten lassen Nahrungsreste einen mehr oder weniger festen Schleimüberzug auf den Darmwänden, der die Funktion einschränkt: Nährstoffe werden nicht mehr gut aufgenommen, das Immunsystem wird geschwächt, Giftstoffe häufen sich an und die Produktion von Hormonen geht zurück. Die Darmschleimhaut ist wie unsere “andere Hautseite” – so, wie wir unsere Haut regelmäßig reinigen, so kann man auch die Darmschleimhaut mit Wasser und Massage pflegen. Früher machte man Einläufe, heute gibt es moderne Geräte.

1. Sitzung
Eine Colon-Hydro-Behandlung ist schon eine intime Angelegenheit – normalerweise schließe ich die Tür, wenn ich die Toilette aufsuche. Und jetzt geht es in fünf Sitzungen um die Schlacken meines ganzen Lebens. Ich vertraue mich Elke Wiget an, die diese Behandlungen schon seit 15 Jahren macht. Nach einer Anamnese geht es los. Das Unangenehmste der ganzen Kur ist das erste Einführen des Röhrchens – Elke macht es so sanft und behutsam, dass es weder weh tut noch besonders unangenehm ist. Dann wird während 45 Minuten Wasser in drei unterschiedlichen Temperaturstufen phasenweise in den Darm gespült. Diese kneippsche Anwendung regt zusätzlich die Darmbewegung an. Das ganze Gerät ist ein geschlossener Kreislauf, bei der wir an keiner Stelle mit meinen Altlasten in Berührung kommen. Ein durchsichtiger Schlauch macht sichtbar, was sich gelöst hat und abtransportiert wird. Während der ganzen Zeit bleibt Elke bei mir, kontrolliert die einlaufenden Mengen samt Temperatur und massiert sanft meinen Bauch, während wir uns unterhalten. Mehr und mehr gefällt mir die Vorstellung, mit einfachem Wasser mal im Darm zu “wischen”.

Loslassen
Was auf der körperlichen Ebene eine Befreiung von handfesten Rückständen bedeutet, kann auf der emotionalen Ebene ebenfalls die Verabschiedung von emotionalen Themen beinhalten. Da unsere Gefühle im Bauch sitzen, ist es durchaus möglich, dass unterdrückte Emotionen an die Oberfläche kommen. Das löst keine langwierigen psychotherapeutischen Prozesse aus, sondern es kommt zu einem kurzen Aufleben vergangener Emotionen, die dann losgelassen werden können – so, wie die Schlacken aus dem Darm. In der Regel hat das einen erlösenden Charakter. Auch Depressionen können einen Zusammenhang zu einem verschlackten Darm haben – einfach, weil die stimmungsaufhellenden Hormone weniger produziert werden.

Fazit
Nach fünf Sitzungen, die sich über zwei Wochen verteilen, gefällt mir die Vorstellung ausgezeichnet, dass ich diese schwarzen Gebilde nicht mehr mit mir herumtrage. Das macht sich natürlich auch am Gewicht bemerkbar: schön, wenn die alten Hosen wieder passen. Bei mir sind während der Sitzungen keine emotionalen Schlacken aufgetaucht, aber ich habe das Gefühl, dass meine Grundstimmung einen Ton heller geworden ist.


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