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Ausgabe März/April 2005
Kinesiologisches Raumdesign

Wohnungs- und Arbeitsräume als persönliche Kraftorte - mit kinesiologischer Körperbefragung Räume gestalten

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Elisabeth Jaskolla hat das kinesiologische Raumdesign entwickelt. Feng Shui bot ihr an vielen Stellen nicht die Möglichkeiten zur Raumgestaltung, die sie für sich suchte. Nicht jeder Mensch kann etwas mit gekreuzten Bambusstangen oder rot-umgarnten Münzen anfangen. Das westliche Unterbewusstsein ist kulturell nicht auf diese Symbole gepolt und reagiert deswegen auch eher zurückhaltend darauf. Aufgrund ihrer Arbeit mit Kinesiologie begann sie, den Körper auf seinen Raumeindruck hin zu testen. Dabei hat sie festgestellt, dass Körper sehr genau bestimmen können, welcher Farbton an welchem Ort optimal für ihn wäre. Zahlreiche Erfahrungen mit dieser Methode überraschen immer wieder, wie kreativ ein Körper – unabhängig vom Verstand – einen Raum aus den vorhandenen Materialien und ein bisschen Farbe gestaltet.

Welche Funktion hat ein Raum?
Bei einer Wohnungsbegehung werden zuerst die Funktionen der Räume getestet: Ist dieser Raum das richtige Wohnzimmer/Arbeitszimmer/Schlafzimmer für mich? Dann wird die persönliche Ausrichtung für den Raum herausgearbeitet und kinesiologisch getestet: Wie soll z.B. das Schlafzimmer genutzt werden? Soll das ein Liebesnest sein oder ein Raum, in dem jemand schläft, der jede Nacht nur sechs Stunden Zeit dafür hat? Jeder Mensch braucht eine individuelle Gestaltung seines Schlafraums, die auf seine Wünsche (Liebesnest) und Bedürfnisse (muss mich in sechs Stunden total erholen können) ausgerichtet ist.

Welche Farbe soll es sein?
Sind die Funktionen der Räume klar, bestimmt man die Farben des Raumes und eventuell die der Teppiche oder Gardinen sowie die Platzierung der Möbel. Die meisten Menschen haben Lieblingsfarben. Bei Frauen sind es häufig sanfte Farben wie apricot, Gelb oder ein dezentes Orange, denn Frauen sind im Allgemeinen daran interessiert, ihre Umgebung möglichst harmonisch zu gestalten. Allerdings eignen sich derart gestaltete Räume nicht für jede Raum-Funktion, da diese Farben entspannen und harmonisieren. In einem Arbeitszimmer dagegen ist Konzentration und Kommunikation gefragt und dafür braucht man Farben, die den Körper eher wach und angeregt halten. Welche Farbtöne in welchen Kombinationen für welchen Bereich stimmen – das wird in jedem einzelnen Fall individuell ausgetestet. Vielleicht geht die Farbe gar nicht bis zur Decke oder ein weißer Streifen bleibt übrig oder eine Diagonale wird gezogen? Wird eine Farbe gewischt oder gewickelt oder glatt aufgetragen? Bei allen Entscheidungen steht im Mittelpunkt immer der Mensch, sein Körper und die Bedürfnisse, die der Körper an einen Raum stellt. Dadurch wird der Raum ein Kraftplatz für den Körper.

Familien und Gemeinschaftseinrichtungen
Wenn sich mehrere Menschen zusammen eine Wohnung oder ein Arbeitsumfeld teilen, kann man einen Stellvertreter für die ganze Gruppe testen. Bei der gemeinsamen Gestaltung eines Raumes müssen unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt werden. Dafür sollten sich alle Beteiligten vorher überlegen, wie sie diesen Raum nutzen möchten. So stellt sich bei einem Wohnzimmer die Frage: Soll es ein Raum der Kommunikation sein und wenn ja, welcher Art von Kommunikation? Sollen Diskussionen geführt werden, sollen dort Hausaufgaben stattfinden oder eher Spielrunden mit Freunden? In einer Gemeinschaftspraxis stellt sich zusätzlich die Frage nach dem Klientel, das die Räume aufsucht und sich dort ebenso wohlfühlen soll wie die Menschen, die dort arbeiten. Selbst der finanzielle Erfolg einer Praxis kann durch die Gestaltung der Räume beeinflusst werden.

Ton in Ton
Viele Menschen haben das Bedürfnis nach Harmonie, aber: Nichts ist langweiliger für einen Körper als die totale Harmonie. Nichts ist unnatürlicher, denn auch die Natur ist nicht harmonisch – es gibt keine perfekte Symmetrie und auch keinen rechten Winkel. Der Körper braucht eine gewisse gewollte Disharmonie. Was Menschen häufig machen, um tiefen Gefühlen aus dem Weg zu gehen, ist das Thema “Ton in Ton” – alle Wände in Apriko oder in Gelb. Häufig stellt sich die gewollte Harmonie aber nicht ein. Durch fordernde und kräftige Farben wie kräftiges Grün, kaltes Türkis und dazu noch Gelb könnte sich die unterschwellige Kraft, die durch Apricot im Zaum gehalten wird, einen Weg bahnen – vielleicht in die Kreativität oder in eine leidenschaftliche Affäre.

Überraschende Beispiele
Man sollte eine gewisse Offenheit für die Farbeinfälle des Körpers mitbringen. Eine Frau hatte das marmorgefließte Esszimmer ihres Hauses auf Wunsch ihres Körpers bordeaurot gestrichen. Das Ergebnis hat nicht nur sie angenehm überrascht – einen Farbeindruck, den sie sich vorher gar nicht vorstellen konnte. Bei einer anderen Wohnung sollte ein sehr großer Raum unterteilt werden in einen Wohn- und einen Essbereich. Das Ergebnis war keine durchgehende Mauer, sondern zwei versetzte Wände, die nicht bis zur Decke hochgingen. Eine Wand hatte eine große runde Öffnung, vor der ein Sofa Platz fand. Ein Teil des Raumes wurde in einem nahrhaften Eidottergelb und der andere Teil in Grün gestrichen. Durch die versetzen Wände stellt sich ein Gefühl von Weite ein, obwohl dieser Raum unterteilt wurde. Ein vierjähriger Junge hat für die Decke in seinem Zimmer ein Rosenquarzrosa gewählt, drei der Wände gelb und eine weiß gestaltet und den Fußboden dunkelblau ausgelegt. Ein poppiges Ergebnis: Die drei Farben unterstützen sich so, dass der ganze Raum (ein Nordzimmer) dadurch strahlt.

Jacob – schlagzeugspielendes Schulkind
Um einen praktischen Eindruck zu gewinnen, gibt Elisabeth dem 12jährigen Jacob eine kinesiologische Raumdesign-Sitzung. Die ersten Fragen richten sich darauf, was Jacob in seinem Zimmer wichtig ist. „Sicherheit“ ist etwas, was immer wieder auftaucht und somit die Priorität für die Raumgestaltung darstellt. Der Schreibtisch mit dem Blick zur Tür steht “sicher“, aber sein Schubladenschrank, der steht falsch. Auf die Stelle, die Jacob kinesiologisch testet, wäre ich nie gekommen, aber sie klingt gut. Um in dem neuen Schreibtischbereich beweglicher zu sein, braucht er einen Bürostuhl mit Rollen: leuchtende Augen bei der Vorstellung. Überraschenderweise soll die Tobe- und Übernachtungsmatratze ganz aus dem Zimmer raus. Jacob schluckt, macht aber weiter. Jetzt die Frage nach dem besten Entspannungsplatz in seinem Raum – ein Ersatz für die Tobematratze, die auch Leseliege war. Auch hier eine Überraschung: In der Ecke vor dem Fenster, wieder mit “sicherem” Blick zur Tür. Ein Lesestuhl soll da hin, mit einer Leselampe – warm und kuschelig. Jacobs Augen strahlen. Aber da steht doch das Schlagzeug, wo soll das denn hin? Näher an das Regal, auch mit Blick zur Tür, da, wo die Anlage steht. Die kommt in die Nähe vom Schreibtisch. Zum Glück stehen Regal und Bett an den richtigen Stellen. Farben will er nicht an die Wände, das hat er ganz am Anfang gesagt und auch der kinesiologische Test bestätigt das. Zwei Bilder sollen weg und die Kisten auf dem Regal stören. Der ganze Test dauert eine Stunde, die Jacob mit wachsender Begeisterung gestaltet. Es macht ihm Spaß, die Einfälle klingen gut und sind umsetzbar. Zum Glück sind Ferien, so dass wir uns sofort aufmachen und eine dreiteilige, zusammenklappbare Matratze kaufen, die als Sessel in die Leseecke kommt. Für Übernachtungsbesuch und zum Toben wird sie einfach ausgeklappt. Auch einen Bürostuhl und eine Leselampe finden wir. Die Zeit ist zum Kochen zu schade, also Minipizza und voller Elan ans Aus- und Umräumen. Um 18 Uhr sitzt Jacob glücklich in seiner neuen Entspannungskuschelecke, wo auch Platz für ein paar Bücher ist. Das ganze Zimmer hat eine weichere Atmosphäre. Am nächsten Tag widmen wir uns dem Regal, sortieren mal wieder Dinge aus, aus denen er entwachsen ist und sind danach ganz schön erschöpft – schön erschöpft und sehr zufrieden.


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