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Ausgabe März/April 2005
Gedächtnistraining

Normalerweise lernen wir, indem wir eine Information ständig wiederholen. Dabei fällt es uns viel leichter, etwas zu behalten, wenn wir unsere Assoziationsfähigkeit einsetzen. Christian Mesenberg ist Gedächtnistrainer und vermittelt Methoden zur Verbesser

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Implizites und explizites Lernen
Es gibt zwei grundverschiedene Formen des Lernens. Das implizite Lernen, bei dem eine Information durch stetige Wiederholung ins Gedächtnis übertragen wird und das explizite Lernen, bei dem eine Information mit möglichst vielen Reizen verknüpft wird. Dafür nutzen wir unsere Assoziationsfähigkeit: Erinnerungswürdige Informationen werden in lebhafte Bilder umgewandelt, aus denen wiederum kleine Geschichten entwickelt werden. Diese lassen sich viel leichter merken als eine zusammenhanglos im Raum stehende Information. Erinnern wird zu Kino im Kopf. Lernen wird zu einem Abenteuer auf der mentalen Landkarte.

Wie merke ich mir meine Geheimzahl?
Je lebhafter, je absurder und abwegiger solch eine Geschichte ist, desto besser lässt sie sich merken und erinnern. Es gibt eine Methode, mit der sich ein umfangreiches Ablagesystem für Zahlen, Namen, abstrakte Informationen und mentale Spickzettel im Kopf einrichten lässt. Daten aller Art können auf diese Weise sicher “abgespeichert” und bei Bedarf wieder erinnert werden. Bildhafte Vorstellungen werden dabei zu mentalen Ankern, an die beliebige Informationen angehängt werden können.Dazu ein einfaches Beispiel: Wohl jeder kennt das leidige Problem, sich die Geheimzahl seiner Bankkarte merken zu müssen. Angenommen die Nummer lautet 1745. Gehört, gemerkt – vergessen. Aussprüche wie “Es war irgendwas mit 17 am Anfang” oder “War es nun 45 oder 54?” sind sicher nicht selten. Zahlen sind eben abstrakt, also schwer vorstellbar und somit ohne eindrucksvollen Kontext nur schwierig zu merken. Hätte man sich die gleiche Information in Form der folgenden kleinen Geschichte gemerkt, so würde man zukünftig nicht mehr ratlos vor dem Geldautomaten stehen: “Auf einem Baum sitzt ein Zwerg. Irgendwann springt er herunter, direkt auf das Dach eines Autos. Dabei bricht er sich die Hand.” In diesem Beispiel steht das Bild eines Baumes für die Zahl eins, leicht vorstellbar wegen des festen Baumstammes. Der Zwerg repräsentiert die sieben in Anlehnung an die sieben Zwerge. Ein Auto hat vier Reifen, symbolisiert also die Ziffer vier. Eine Hand wird unschwer mit der Zahl fünf assoziiert – voilà!

Bildung
Solch ein Lernen unter Zuhilfenahme von bildhaften Vorstellungen entspricht dem menschlichen Gehirn weit besser als das rein logische Lernen, welches in Schule, Studium und Beruf hauptsächlich praktiziert wird. Wenn man heutzutage von Bildung spricht, so meint man in erster Linie die Fähigkeit, Sachzusammenhänge mit vielen Fremdwörtern in möglichst abstrakter und damit oft unverständlicher Weise darzustellen. Von Bildern keine Spur. Nehmen wir das Beispiel einer roten Rose, eines für sich genommen schönen, klaren und verständlichen Bildes. Spätestens im Physikunterricht lernt man dann aber, dass diese Rose zwar alle möglichen Farben in sich vereint, jedoch gewiss nicht rot ist, weil sie gerade diese Farbe ja reflektiert. Sie erscheint nur rot. Und das bitte schön in einem Wellenlängenbereich zwischen 620 und 780 Nanometern. Eine klare Vorstellung kommt dabei vielen abhanden. Zudem wird die Natur ihrer ursprünglichen Schönheit beraubt und stattdessen auf ein abstraktes System von Zahlen und Maßeinheiten reduziert.

Gedächtnistraining
Beim Gedächtnistraining wird der beschriebene Abstraktionsprozess wieder umgekehrt: Eine Information wird von der abstrakten Ebene unter Zuhilfenahme von Bildern vorstellbar und damit lernbar gemacht. Als “gehirngerechtes Lernen” könnte man die Methode bezeichnen, die anhand vieler Beispiele und praktischer Übungen präsentiert wird. Das “Um-die-Ecke-Denken”, das Herstellen von Verknüpfungen, die auf den ersten Blick absurd wirken, ein assoziatives, zwangloses, phantasievolles Denken mit Spaß und Humor sind die Voraussetzung für ein erfolgreiches Gedächtnistraining.

Christian Mesenberg, ausgebildet zum Gedächtnistrainer bei Gregor Staub, dem Begründer der Mega Memory Methode.


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