aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Januar/Februar 2005
Tantrische Berührungen

Kalinka Villhauer und Silvio Wirth leiten das Institut “Secret of Tantra” in Wiesenburg. Erfahrungsbericht über ein Einsteigerseminar.

art36104
Es ist Freitagabend, 19.40 Uhr. Ich bin mit dem Zug gut angekommen. Die Stunde Fahrt hat mir geholfen, meine Gedanken zu sortieren und meine Aufregung zu bemerken. Wir haben eingecheckt, alle Geld- und Schlafangelegenheiten geregelt. Danach haben wir zu Abend gegessen, in einem großen Raum, was mich zunächst irritierte. Doch dann tat es mir auch gut, in der Menge der Menschen etwas unauffällig abzutauchen und zu genießen, dass es da die Tische der “Tantra-Gruppe” gibt, die mir ein erstes Gefühl von Dazugehörigkeit vermitteln. Gleich sollen wir in bequemer Kleidung kommen und für später Sauna- und Massagesachen bereithalten.

1. Abend
Ca. 24 Uhr in der Nacht. Ah, mir geht’s so gut! Wir waren in der Sauna, davor gab’s eine Ankommensrunde oder “Sprechstabrunde”, wie sie es nennen. Der Raum war wunderschön hergerichtet: mit Bildern an der Wand und Kerzen. Wir haben mit Tanzen angefangen, “um anzukommen” wie Kalinka sagte. Dabei sollten wir teilweise bei uns bleiben und teilweise mal vorsichtig um uns schauen. Dann die Sprechstabrunde. Jeder sagte seinen Namen, woher er oder sie kommt und was er oder sie erwartet und wer als Paar da ist. Es waren ungefähr 1/3 Menschen als Paare und 2/3 Singles. Silvio hat was Allgemeines über Tantra erzählt: dass Tantra schon sehr alt ist, dass es um die Erweckung der Sinne geht, dass es ein spiritueller Weg ist und Erotik und bei Fortgeschrittenen auch Sexualität darin eine wichtige Rolle spielt. Danach waren wir in der Sauna. Erst alles ganz normal. Aber dann: Wahnsinn! Sie haben uns in Fünfer-Gruppen eingeteilt und uns zu fünft eine Massage machen lassen. So etwas habe ich noch nie erlebt! Ich lag da und spürte so viele Hände auf mir. Kalinka forderte uns auf, einander “liebevoll und das Göttliche verehrend zu berühren”. Das Ergebnis war wundervoll! Es war, wie wenn ich überall berührt werde, an allen Körperteilen, die ich mir wünsche - wie wenn ich endlich mal genug bekomme. “Das kann ein Mann alleine ja niemals schaffen – da hat er ja gar keine Chance”, schoss es mir durch den Kopf und genoss, dass eine ganze Gruppe für mich da war. Danach fühlte ich mich nur noch warm und dankbar und merkte selbst, wie ich übers ganze Gesicht strahlte. Und als wir danach noch in die Dorfkneipe gingen, um etwas zu trinken, kuschelten wir uns dort auf den Sofas aneinander und grinsten uns verschwörerisch an. Das war schön. Das war ein guter Tag!

2. Tag
Vormittags hatten wir Yoga. Nach der Mittagspause ging es weiter: Am Anfang wieder getanzt, schon mit mehr Augenkontakt. Hab mich mal getraut, ein bisschen zu flirten. Dann hat Silvio noch mal über Tantra gesprochen, mehr unter dem Motto: Was bringt diese alte Lehre eigentlich für uns Leute von heute? Er sagte, Tantra sei nichts für Leute, die gerne leiden, sondern für diejenigen, die Freude am Genießen haben. Es geht darum, die Sinne alle wieder wahrzunehmen und das Glücklichsein auch auf längere Zeit auszuhalten, das “Pleasure Limit” zu erhöhen. Damit meinte er, die Fähigkeit zu erlernen, sich selbst zu nähren und Glück zu empfinden, ohne dass man es gleich wieder durch Streits oder Missgunst zerstören muss, nur weil man so viel Glück nicht ertragen kann. Weil man sonst denkt, man platzt fast. Was ich auch noch spannend fand, war sein Ausspruch, dass es im Tantra um das Erzeugen von Energie geht, um diese dann im Leben für bestimmte Ziele zu nutzen. Kalinka als “weiße Hexe” betonte, dass es positive Ziele sein sollten, die niemandem schaden. Silvio sagte, durch Erotik oder sexuelle Rituale (die es dann in den fortgeschritteneren Kursen gibt) werde die Gruppenenergie stark angehoben und damit könne man dann Affirmationen, die das eigene Leben verändern und stärken sollen, ins Universum schicken. Was wir in unserem Leben mit Hilfe dieser Energie verändern wollen: unsere spirituelle Entwicklung, unsere Liebesfähigkeit, unsere Kreativität oder unsere Liebe zur Arbeit, das können wir selbst entscheiden. Danach „Bonding“: viel umarmen und umarmt werden. Oh mein Gott, diese Fülle! So viel liebevolle Nahrung für den Körper! Ich dachte es gibt nur Sex mit Männern und Kuscheln mit Kindern, aber anscheinend gibt es noch so viel dazwischen. Ich hab meinen Körper gespürt, hab mich gespürt, hab meine Gefühle gespürt – und alles war ok. Und alles angezogen und sicher. Ich weiß gar nicht, wovor ich eigentlich Angst hatte.
Später haben wir ein wunderschönes Ritual gemacht: Die Männer haben die Frauen beschenkt und wir haben die Männer beschenkt. Und sie waren mir alle so vertraut. Mit Singen und Tanz und Massage, ach ich krieg das jetzt nicht mehr zusammen, ich trag’s tief in meinem Herzen.

Abreise
Sonntag, 16.30 Uhr. Erfüllt sitze ich im Zug. Ich bin so voll, so reich und weit, spüre mich ganz und überall, fühle mich so genährt, fast als würde ich schweben. Es gibt immer größere Lücken in meinem Tagebuch, es war einfach zu intensiv, als dass ich dafür überhaupt noch die Worte finden würde. Und außerdem wollte ich auch immer mit den Menschen in Kontakt sein, es war so schön! Ich habe viele Telefonnummern ... Vielen Dank Kalinka, Silvio und Mara. Fühlt euch umarmt, ganz inniglich und warm!


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.