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Ausgabe November/Dezember 2004
Wahrsagen mit den Lenormand-Karten

Die professionelle Kartenlegerin Kira gibt Einblick in ihre Kunst

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Wer war Mlle Lenormand?
In den Wirren der französischen Revolution sagte eine 21jährige den Führern ihres Landes die Zukunft Frankreichs voraus. Robespierre und Polizeipräsident Fouché erfuhren, dass ihre Sterne aufgehen werden. Napoleon prophezeite sie zwar gewonnene Schlachten und eroberte Königreiche, allerdings auch seinen schrecklichen Untergang und die Vergiftung im Exil. Marianne Lenormand, “die Seherin von Paris”, führte ein bewegtes Leben und musste häufig um ihr Leben bangen. Wahrsagerei war verboten und so wusste sie bei ihren zahlreichen Verhaftungen nie, ob die Anklage auf Hochverrat oder auf Hexerei lautete. Von Kindheit an waren ihre überaus erstaunlichen seherischen Fähigkeiten vielen Menschen ein Dorn im Auge, da diese Angst vor den stets eintreffenden Visionen der kleinen Marianne hatten. Auch Napoleon hasste die hellsichtige Mlle. Lenormand, ließ sich von ihr aber die Karten legen. Mit Josefine Beauharnais, der späteren Gemahlin Napoleons, verband sie eine lebenslange Freundschaft. Sie war die berühmteste Wahrsagerin des 18. Jahrhunderts und vielleicht eine der größten aller Zeiten: Mademoiselle Marie-Anne Lenormand, die von 1759 bis 1813 lebte.

Eine Karte – viele Interpretationen
Die 36 Karten ermöglichen der erfahrenen Deuterin einen Überblick über das gesamte Leben des Fragestellers. Die einfachen Kartenbilder erlauben dem Anfänger einen schnellen Einstieg in das Kartenlegen. Erste Erfolgserlebnisse lassen sich schon nach einem Wochenendkurs erzielen. Wie beim Erlernen einer Fremdsprache eröffnen sich dann aber mit der Erfahrung weitere Ebenen und Deutungsmöglichkeiten. Jede Karte kann in Kombination mit jeder anderen Karte neben ihrer Grundbedeutung zusätzliche Bedeutungen haben. Die Kombinationsmöglichkeiten von 36x36 Karten vermitteln die Größenordnung, die sich die professionelle Kartenlegerin erarbeiten muss. Außerdem hat jede Karte eine andere Bedeutung, je nachdem für welchen Themenbereich sie interpretiert wird.

Warum hat das Kartenlegen so einen schlechten Ruf?
Kartenlegen wird oft mit Hokuspokus und Scharlatanerie in Verbindung gebracht. Das ist schade, denn die Karten machen nur sichtbar, was im energetischen Feld des Lebens ohnehin vorhanden ist. Alles ist mit allem verbunden und kann holographisch von jeder Stelle der Existenz gesehen und gedeutet werden. Das ist nicht neu und wurde bereits durch die Erkenntnisse der Physik des letzten Jahrhunderts nachgewiesen. Die Schwierigkeit besteht nicht darin, die Karten zu legen, sondern sie zu deuten. Die Karten haben immer Recht. Die Kunst liegt in der Deutung der Kartenbilder. Die Kunst des Kartenlegens wurde schon immer zugleich geachtet und gefürchtet. Kartenlegerinnen wurden jahrhundertelang verfolgt und ermordet. Zu gefährlich war das Wissen, zu mächtig konnten wenige dadurch werden. Die Kunst des Kartenlegens konnte dadurch zwar in Misskredit gebracht, aber nicht völlig verbannt werden.

Kann man aus den Karten wirklich die Zukunft lesen?
Es heißt, große und auch kleine Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Jeder kennt die Hochrechnungen im Fernsehen bei großen Wahlen. Den ganzen Wahltag über erfährt jeder über die Medien den wahrscheinlichen Wahlsieger mit prozentualer Sicherheit. Und tatsächlich: Mit nur wenigen Prozentpunkten Abweichung stimmt der Wahlsieger mit den Hochrechnungen überein. So ähnlich kann man sich die Zukunftsdeutung auch vorstellen. Im Grunde sind die Weichen in eine bestimmte Zukunft längst gestellt, nur werden sie bewusst noch nicht wahrgenommen. Die Karten helfen, das zu erkennen, was bereits wirkt, aber noch nicht sichtbar ist.

Ist die Zukunft unveränderlich?
Das ist eine Frage, die mir oft gestellt wird. Ich antworte dann immer: “Wenn alles genauso weitergeht wie bisher, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit so eintreffen, wie es die Karten andeuten. Aber wenn Sie heute etwas verändern, kann das Morgen schon anders aussehen.” Die Frage sollte nicht sein “Ist die Zukunft unveränderlich?”, sondern “Bin ich in der Lage, mich zu verändern?” Es ist erstaunlich, wie wenige Menschen sich wirklich verändern wollen. Oder glauben Sie, dass jemand sein Leben verändern kann, wenn er es nicht einmal schafft, mit dem Rauchen aufzuhören?

Was unterscheidet die Lenormand-Karten von den Tarot-Karten?
Die Tarotkarten beziehen sich auf das esoterische Modell des kabbalistischen Lebensbaums und stehen mit verschiedenen esoterischen Weisheitslehren in Verbindung, beispielsweise mit der Astrologie. Die Lenormand-Wahrsagekarten wurden aus “dem Alltag für den Alltag” geschaffen. Jeder kann mit diesem Deck ohne esoterisches Vorwissen arbeiten. Die Qualität der Interpretation wächst mit der Praxis und der Fähigkeit, die Karten über mehrere Ebenen zu deuten und verschiedenen Fragestellungen anzupassen. Dass kein intellektuelles Gerüst als Unterbau dient, mag dafür verantwortlich sein, daß diese Karten gerade für Menschen sehr ansprechend sind, die lieber mit ihrer Intuition arbeiten, als mit ihrem rationalen Verstand. 70 % der Kartenleger sind Frauen.


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