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Ausgabe September/Oktober 2004
Astrologie und Homöopathie

Waage - von Liebe, Harmonie und anderen Problemen

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Die homöophatischen Sonntage an der Samuel-Hahnemann-Schule haben sich um den Aspekt der Astrologie erweitert. So werden einem Tierkreiszeichen drei homöopatische Mittel zugeordnet und untersucht. Michael Antoni stellt für den Oktober das Waageprinzip mit den drei Mitteln Phosphor, Staphisagria und Carcinosinum vor.

Phosphor
Niemand verliebt sich so schnell und so leicht in einen anderen Menschen und niemand möchte so sehr von allen geliebt werden wie Phosphor. Phosphor liebt wie die Waage Schönheit, Ästhetik und Leichtigkeit und ist mit einem narzisstisch-eitlen Hang ausgestattet, der dafür sorgt, dass es selbst die leuchtend-liebevolle Leichtigkeit des Seins verkörpert und Sympathie versprüht. Wenn Phosphor den Raum betritt, werden Wunderkerzen entzündet, der Therapeut beginnt zu strahlen und muss aufpassen, sich nicht zu verlieben in diesen so schmeichelhaften, in seiner Leichtigkeit faszinierenden Patienten. Das Problem von Phosphor ist: Es kommt über den ersten Schritt der Verliebtheit nicht hinaus - zum Lieben; es bleibt in der “schönsten Neurose” der Welt hängen. Und so verlieben sich Phosphor-Menschen ständig und haben doch Angst vor zu großer Nähe und Verbindlichkeit, was ihnen viele heiße Eisen im Feuer verschafft, eine dauerhafte Beziehung oder gar eine Partnerschaft oft verwehrt. Wie die Waage möchte Phosphor das Leben schön, leicht prickelnd und beschwingt. Arbeit und Ausdauer mögen sie nicht und schon gar nicht die Probleme und dunklen Schattenthemen, die im längeren Zusammensein naturgemäß auftauchen. Wird dieser heikle Punkt erreicht, bedient sich Phosphor der liebsten aller Waage-Taktiken: Entweder alles wieder ganz schnell und schön “überschminken” oder, falls das nicht gehen sollte, dann sich doch lieber wieder dem Faszinosum des Neuen öffnen und das unbequeme, unprickelnde Alte hinter sich lassen.

Staphisagria
Diese unentwickelte Waage-Taktik verfolgt auch Staphisagria, ein Arzneiwesen, das durch die waagischen Eigenschaften der höfischen Etikette, der Kultur, Kunst und Höflichkeit herausragt, das der romantischen Dichtung und dem wohlklingenden Wort zugeneigt ist, jedoch den Konflikt, den Streit und die Auseinandersetzung meidet, wie die harmoniesüchtige Waage den streitbringenden Widder. Dementsprechend ist Staphisagria die wichtigste Arznei für unterdrückten Zorn und Wut. Hier ist die Aggression so weit verdrängt, dass sie als Verletzung von außen auf einen zukommen muss. Staphisagria ist ein wichtiges Verletzungsmittel, körperlich vor allem für Schnittwunden, aber auch seelisch: Es wird die Ehre verletzt, man fühlt sich entrüstet, aber es erscheint unter der eigenen Würde, darauf mit Zorn oder Wut zu reagieren oder gar Wiedergutmachung einzufordern. “Auf dieses Niveau lass ich mich doch nicht herab”, sagt der Intellekt - und die verletzte Seele lässt den Körper ein dickes Knie bekommen. Oberflächlich wird aber wieder auf Harmonie gemacht, was einem die freundliche Höflichkeit gebietet - schließlich hat Staphisagria Kultur. Eine Streit-Kultur wäre jedoch gesünder.

Carcinosinum
Sich ganz dem waagischen Frieden und der Liebe verschrieben hat sich Carcinosinum. Es verkörpert in der Materia medica den Archetyp des Friedens, der sich ganz nach den Bedürfnissen der Anderen richtet, auf eigene Bedürfnisse verzichtet und dabei die eigenen Wünsche irgendwann tatsächlich vergisst - es verzichtet auf eine eigene Identität. Wie die unentwickelte Waage antwortet Carcinosinum auf die Frage “Was willst du denn?”: “Ich weiß nicht, was willst denn du?”. Die eigene Identität wird auf den Partner projiziert. Intensivste Harmonie ist hier dann ein Muss, denn die waagetypische Angst, den Partner zu verlieren, bedeutet bei Carcinosinum, niemand anderen als sich selbst zu verlieren. Die Unterdrückung eigener Impulse wird dann zur alltäglichen Pflicht, die oft im Krankheitsgeschehen Krebs endet. Dem Frieden im außen steht die Zerstörung im innen gegenüber.


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