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Ausgabe September/Oktober 2004
Die Hara-Awareness-Massage

Hara ist das Zentrum unserer Lebenskraft. Hara Awareness bedeutet, sich dieses Zentrums bewusst zu werden.

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“Hara” kommt aus dem japanischen und heißt “Bauch”. Der in östlichen Kulturen bekannte Harapunkt befindet sich drei Finger unter dem Bauchnabel: In sämtlichen Kampfsporttechniken, in der Teezeremonie oder in der Kalligraphie und auch beim Bogenschießen weiß man um seine zentrale Bedeutung und schöpferische Kraft. Beim Harakiri-Selbstmord wird ein Messer in den Harapunkt gestoßen - eine sichere Methode, sich vom Leben zu verabschieden. In unserer westlichen Kultur kennen wir den “Nabel der Welt” als Quelle des Lebens - der Harapunkt ist eher unbekannt. Die Hara-Awareness-Massage wurde von Anando Würzburger entwickelt und ist eine einfache Möglichkeit, sich dieses Kraftzentrums bewusst zu werden.

Die Massage
Ein Orangen-Ingwer-Tee wärmt den Bauch beim Vorgespräch von innen. Die Massage beginnt am Rücken, um den Bauch aus der Ferne zu öffnen. Dabei verwendet Andrea Drohla Energiepunkte und Shiatsutechniken. Das erste Energietor befindet sich am unteren Rücken und ist das “gate of life” - das Tor des Lebens. Ich merke, wie warme Wellen mit meinem ruhigen Atem durch den Körper fließen. Meine ewig kalten Füße sind warm. Manchmal murmeln Bauchgeräusche in der Stille. Entspannung spüre ich auch im Beckenboden, als Andreas Hände zwei Punkte an meinem Po halten mit der Aufforderung, den Po zerfließen zu lassen - funktioniert. Die Hände wandern nach unten über Oberschenkel, Waden bis zu den Füßen, wo sie etwas länger am Nierenmeridianbeginn verweilen. Entspannt drehe ich mich auf den Rücken. Andrea berührt meinen Bauch mit einer Hand, während die andere am Rücken liegt. Jetzt kommt zu den Berührungen die Kommunikationsebene der Worte: “Wie fühlt sich der Raum zwischen meinen Händen an?” Weit, immer weiter, weit über die Hände hinaus - Bilder vom Meer, von Himmel und Horizont - viel Raum zwischen zwei Händen, zwischen Himmel und Erde. “Wie fühlt es sich an, diese Weite zu bündeln?” Ich sammel die Weite wieder ein, konzentriere sie auf den Raum zwischen ihren Händen. Die Weite bündelt sich in dem Bild einer Kirsche: rot und rund. “Kannst du in die Kirsche reinbeißen?” Ja, sie ist knackig und saftig. “Wie fühlt es sich an, wenn du diese Kraft zur Verfügung hast, z.B. in Form von Entschlossenheit?” Die spüre ich vor allem in meinen Händen: Tatkraft, die sich gut anfühlt. Asterix fällt mir ein, wie er vor Kraft strotzt, nachdem er den Zaubertrank getrunken hat. “Geht die Energie auch in die Beine, zur Erde?” Weniger, da ist es schwieriger - da scheint es nicht so leicht zu fließen und meine kalten Füße fallen mir wieder ein. Langsam schicke ich Schritt für Schritt mit Hilfe von Andreas Anleitung die rote Energie über Oberschenkel, Knie und Waden in die Füße. Mit diesem Bild darf ich noch einen Moment unter einer Decke alleine ruhen. Vor meinem inneren Auge funkelt ein Feuerwerk: Lichtvolle Energie sammelt sich zu Kugeln oder Sonnen und explodiert in farbenfrohen Strahlen. Ich bin dankbar über die Erfahrung, so “einfach” Kontakt mit meinem ganz eigenen Kraftzentrum aufgenommen zu haben.

Motivationen
Andrea Drohla ist “nur” Begleiterin. So sieht sie ihren Part bei sämtlichen Sessions: Sie unterstützt Menschen, ihre eigenen Kräfte und Selbstheilungspotentiale zu aktivieren. Manche kommen zu ihr, weil sie einfach Kontakt zu diesem Kraftzentrum aufnehmen wollen. Andere haben einen Stein oder Brett im Bauch. Wieder andere fühlen sich völlig abgeschnitten und wünschen sich eine Begleitung. Manche Frauen haben Operationen hinter sich, bei denen die Gebärmutter entfernt wurde oder bekommen keine Kinder, manche hatten Missbraucherlebnisse. Gerade Schocksituationen wie Operationen oder Unfälle sitzen im Bauch wie eingefroren. Auch Männer finden den Weg zur Hara-Awareness-Massage. Der Bauch kann sprechen und bei der Massage findet ein Zwiegespräch statt. Für Andrea Drohla ist der Bauch wie ein See: Alles landet auf dem Grund und wenn die Zeit reif ist, steigen Erfahrungen oder Emotionen wie Seerosen nach oben an die Oberfläche. Dabei ist es nicht notwendig, negative Erlebnisse noch einmal zu durchleben. Es geht darum, das Phänomen zu spüren, es im Körper zu lokalisieren, zu beobachten und zu beschreiben. In dem Moment kann sich das Gefühl entladen - also Schocks oder Traumata, die im Körper steckengeblieben sind und die damals nicht gefühlt werden konnten oder durften. Etwas kann zu Ende gebracht werden, kann abfließen, was in der vergangen Situation nicht ging - das können Tränen von kleinen Jungs sein, die tapfer sein mussten bis hin zu Überlebensfragen bei manchen Geburten.

Hara-Awareness-Massage und Familienstellen
Manchmal sind es auch Erlebnisse der Vorfahren, die der Bauch preisgibt. Eine Klientin von Andrea sprach bei einer Massage von einer Bitterkeit im Bauch. Auf die Frage, was die Bitterkeit neutralisieren könnte, kam die Antwort: “Ein Blumenstrauß.” Im Moment der Massage hat das Unterbewusstsein viel einfacher die Möglichkeit, Bilder an die Oberfläche zu senden. Es stellte sich heraus, dass der Strauß auf ein Grab gehörte. Die Vermutung lag nahe, dass jemand nicht betrauert wurde. Hier sind die Grenzen der Massage und die Möglichkeiten des Familienstellens werden einsetzbar. In Einzelsitzungen wurden die Familiengeschehnisse erforscht und brachten einen Großonkel, der erfolgreicher Zeitungsverleger und in der Blüte seines Lebens im Krieg gefallen war, ans Licht - die Klientin war im Medienbereich tätig. Nachdem der Kontakt bei der Aufstellung gewürdigt wurde, löste sich einiges. In einem Familiensystem will immer ein Gleichgewicht herrschen und wenn irgendwer nicht geachtet wird oder etwas Schlimmes geschehen ist, entsteht ein Vakuum. Dieses energetische Vakuum wird von einem anderen Familienmitglied aus Liebe ins Gleichgewicht zu bringen versucht. Da es sich um unbewusste Vorgänge handelt, sind sie real keine Lösung. Wenn man die Konflikte beim Familienstellen sichtbar macht, kann die gebundene Energie fließen und Verstrickungen können sich auflösen, so dass das ganze System zur Ruhe kommt. Danach kann die Unterstützung wieder durch Körperarbeit mit der Hara-Massage stattfinden, um die Veränderungen in der Materie zu erden.

Eine zweite Massage
Wieder begebe ich mich in die Obhut von Andreas warmen Händen, wieder berührt sie an meinem Rücken Energietore, zu denen auch das “gate of fire” gehört, dem rückwärtigen Herzchakra. Bei vielen Menschen ist die Verbindung zwischen Herz und Hara unterbrochen - durch die Massage kann sie wieder hergestellt werden. Ich genieße den Druck der Hände und beobachte, was passiert. Ein Gefühl von Freude taucht auf - draußen fährt die S-Bahn vorbei und ich freue mich. Es ist erstaunlich, was für Emotionen diese behutsamen Berührungen auslösen. Nachdem ich mich auf den Rücken gedreht habe, massiert Andrea meine Knie und hält sie zwischen beiden Händen. Ich fühle mich ganz leicht und schwebe über der Erde - ich, mit meiner Angst vorm Fliegen, bzw. vorm Runterfallen... Keine Angst, nirgends - dagegen Vertrauen und Leichtigkeit. Später erklärt Andrea, dass sie sich ganz intuitiv meinen Knien zugewendet hat. Überhaupt lässt sie sich jedesmal ein Stück weit von ihrer Intuition leiten. In den Knien wird viel gehalten: Gefühle wie Angst und auch die Angst vorm Fallen. Durch die Massage können sich Spannungen lösen und die Knie werden wieder beweglicher. Erst jetzt - nach dieser langen Vorbereitungsphase - beginnt Andrea, meinen Bauch ganz sanft zu massieren. Ich soll meine Aufmerksamkeit auf ihn lenken und beobachte, das verschiedene Emotionen wie Angst, Freude oder Geborgenheit an unterschiedlichen Stellen sitzen. Immer größer wird der Bauchraum in rötlichen Farben - fühlt sich gut an. Zum Schluss hält Andrea zwei Finger auf meinen Harapunkt: Nach einer Weile schwebe ich immer weiter weg, raus aus diesem Raum, raus aus Berlin, raus aus der Dimension Zeit... Andrea merkt es und bittet mich, wieder Kontakt mit der Erde aufzunehmen, zu spüren, wie sie mich trägt. Ok, ich komme zurück und behalte dabei meinen Kontakt zu dieser Weite. Diese Balance im Alltag zu leben - das ist die Kunst.
Anando Würzburger praktiziert seit 1982 Shiatsu und entwickelte die Hara-Awareness-Massage, die sie seit 1990 lehrt.


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