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Ausgabe September/Oktober 2004
Das Schöllkraut - Geschenk des Himmels

Svenja Zuther über die geschätzten Wirkungen der “Gottesgabe”, wie das Schöllkraut auch bezeichnet wurde.

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Das Schöllkraut ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Mauerblümchen. Recht unscheinbar wächst es zwischen Pflastersteinen, in Mauerritzen oder auf schuttigen Abfallplätzen. Oft sind das Orte, die wir nicht sehr schätzen, die wir gar als unangenehm oder unrein empfinden. Zwischen dem blaugrünen, matten Blattwerk strahlen nur die kleinen goldgelben Blüten hervor, die aber auch schnell vergehen. Auf den ersten Blick ist es keine Pflanze, die uns zur Bewunderung einlädt. Ältere Namen des Schöllkrauts wie “Himmelsgabe” oder “Gottesgabe” zeugen jedoch von einer großen Hochachtung, die dieser Pflanze entgegengebracht wurde. In der Pflanzenheilkunde wird sie sehr geschätzt, interessanterweise vor allem für ihre Fähigkeit, den menschlichen Körper bei Reinigung und Entgiftung zu unterstützen, indem sie die Leber- und Gallefunktion anregt. Das erinnert an eine alte Weisheit, die uns von Paracelsus überliefert ist: “Ubi malum - ibi remedium” - Wo die Krankheit, da auch das Heilmittel! Auch die Alchemisten sollen es sehr geschätzt haben und nannten es “Goldkraut”, wohl wegen seiner Sonnensignatur, möglicherweise aber auch wegen dieser stark reinigenden und damit “veredelnden“ Kraft.

Die Laus über der Leber
Die Signaturenlehre sieht im Schöllkraut Zeichen der Einflüsse von Sonne, Mars und Jupiter. Diesen Planetenenergien sind im menschlichen Körper die Organe Herz, Galle und Leber sowie auch ihre entsprechenden geistig-seelischen Funktionen zugeordnet. Das Herz gilt als Sitz der Seele, es ist der Ort, den wir mit unserem Ich-Bewusstsein identifizieren. Es verbindet uns mit anderen Lebewesen, aber auch mit unserer “Herzensweisheit”, der Eingebung, Intuition oder Inspiration, die in wichtigen Lebensfragen unerlässlich ist und die wir vielleicht tatsächlich als “Geschenk des Himmels” bezeichnen könnten. Eine Schöllkrautwurzel, als Amulett getragen, galt früher als Mittel, um Choleriker, nämlich solche, denen die Galle zu schnell überläuft, zu beruhigen und sollte jenen, denen eine “Laus über die Leber” gelaufen war, die gereizt und missgelaunt sind, Licht und Frieden bringen.

Richtige Dosierung
Das mit dem Schlafmohn verwandte Schöllkraut gehört zu den stark wirksamen Heilpflanzen. Bei innerlicher Einnahme muss es unbedingt richtig dosiert werden! Zu den wichtigsten Inhaltsstoffe gehören Alkaloide, die eine entspannende Wirkung auf die glatte Muskulatur, insbesondere im Verdauungstrakt und im Bereich der Atemwege haben. Im Falle einer Überdosierung kann es zum Tod durch Atemlähmung kommen. Heute werden in der Regel standardisierte Extraktpräparate verwendet, die sich vor allem bei krampfartigen Verdauungsbeschwerden und Funktionsstörungen des Galleflusses bewährt haben. Der orangerote, scharf und bitter schmeckende Milchsaft, Zeichen der Marssignatur, wird seit alters her äußerlich angewandt, um Warzen und Hühneraugen zu bekämpfen.

Augenkraut
Ein weiteres traditionelles Anwendungsgebiet des Schöllkrauts sind vielerlei Augenerkrankungen sowie die Stärkung der Sehkraft. Diese Anwendungen sollen auf eine alte Legende, die sich seit über 2000 Jahren in fast allen Heilpflanzenbeschreibungen findet, zurückgehen. Dort heißt es, dass die Schwalben ihren blinden Vogelkindern Schöllkrautsaft verabreichen, um diese sehend zu machen. So lauten weitere Namen für das Schöllkraut “Schwalbenkraut” und “Augenkraut”. Die Schwalben werden sprichwörtlich mit Sonne und Sommer assoziiert. So ist es nur verständlich, dass sie und das Schöllkraut den Augen “Licht” bringen mögen, wiederum ein Geschenk des Himmels.


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