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Ausgabe Juli/August 2004
Die Königskerze

Die HP Lydia Schend über Heilwirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Königskerze - eine Heilpflanze mit vielen Namen.

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Jetzt, wenn der Sommer Hoch-zeit feiert, leuchtet uns die Königskerze von weither mit ihren goldgelben Blüten, die wunderbar duften, lecker schmecken und mit sonniger Heilkraft durchflutet sind. Ausgewachsen ist die ”Löwenfackel”, aus der man früher auch Fackeln herstellte, oft größer als ein Mensch, denn sie kann sogar über zwei Meter hoch werden und ist somit nur schwer zu übersehen. Wir begegnen dieser ”Goldblume” auch in der Stadt noch oft, besonders auf verwilderten Brachflächen, an Baustellen, Böschungen, Bahndämmen und Straßenrändern, denn sie liebt sonnige, heiße und trockene Standorte. Sie ist zweijährig und entwickelt zuerst eine schöne, weich behaarte Blattrosette und wächst dann kerzengerade gen Himmel, bewachsen und gekrönt von hunderten gelbleuchtenden Blüten - daher rührt ihr Name “Himmelsbrand”. ”Unsere liebe Frau geht über das Land, sie trägt den Himmelsbrand in ihrer Hand”, so lautet ein alter Segensspruch, der vor allem zur Zeit der Kräuterweihe am 15. August zu Maria Himmelfahrt Anwendung fand. An diesem Tag wurde ein Kräuterbüschel gesammelt und geweiht, bestehend aus 9, 15, 77 oder 99 Kräutern, wobei es sich um alte, magische Zahlen handelt. In der Mitte dieses Büschels thronte immer die ”Marienkerze”, was ihre zentrale Bedeutung anzeigt, die sie einst innehatte. In manchen ländlichen Gegenden hat sich dieser uralte Brauch bis heute erhalten und auch unter Heipflanzenkundigen ist er ein wichtiger Tag geblieben, denn er leitet eine besonders günstige Zeit zum Sammeln von vielen Heilkräutern ein: den ”Frauendreißiger”, der bis zum 8. September (Maria Geburt) währt. Unsere Altvorderen sahen in der Königskerze nicht nur eine heilkräftige Pflanze, sondern auch ein hilfreiches Geistwesen, welches sie in verschiedener Hinsicht beschützte, wie z. B. vor Gewitter, bösem Zauber oder vor Unholden - deshalb hieß sie auch ”Unholdenpflanze”.

Heilkundlicher Hintergrund
Die heilkundliche Anwendung der Königskerze ist uns schon durch die griechischen Ärzte Hippokrates und Dioscorides überliefert, die die beruhigende Wirkung der Königskerze hervorhoben und sie zur Wundbehandlung, bei Durchfall, Husten, Krämpfen und Geschwüren einsetzten, während die Heilige Hildegard sie jenen empfahl, die ein ”schwaches und trauriges Herz” haben - und zwar gegessen z.B. im Kuchen. In der Volks- und Naturheilkunde gehört sie zu den zentralen ”Brustpflanzen”, die bei Reizungen und Erkrankungen der Atemwege eingesetzt werden. Als solches ist sie inzwischen auch offiziell vom Bundesgesundheitsamt anerkannt und gemeinsam mit Spitzwegerich, Eibisch, Thymian, Huflattich, Schlüsselblume u.a. Bestandteil von Hustentees und Hustensäften. Als erster Wirkstoff wurde von der Forschung Schleim entdeckt, der reizlindernd und einhüllend wirkt. Dann fand man die Saponine, die den festsitzenden Schleim in den Bronchien lösen und das Abhusten erleichtern. Weitere Inhaltsstoffe sind Rutin, Hesperidin (Flavonoidglycosid), Phenolcarbonsäuren, Wachs, Harz, Gerbstoffe, Bitterstoffe und ätherisches Öl, deren Wirkstoffkomplexe und volksheilkundlichen Anwendungsgebiete vielleicht irgendwann einmal auch wissenschaftlich belegt werden. Aufgrund der beruhigenden und krampfstillenden Wirkung ist der ”Himmelsbrand” neben den genannten Indikationen in der Volksheilkunde u.a. Bestandteil von Kräutermischungen zur Behandlung von Nervosität, Angstzuständen, Depressionen, krankem Herzen, Asthma, Neuralgien, insbesondere Trigeminusneuralgie, Schleimhautreizungen und Koliken. Bei Hämorrhiden ist der Absud aus den Blüten und besonders aus der Wurzel hilfreich als Sitzbad.

Anwendungsmöglichkeiten
Tee: Verwendet werden in erster Linie die Blüten (Verbasci FLOS), welche beim vollen Aufblühen um St. Johanni, der Sonnenwende, und im Frauendreißiger gesammelt, schnell getrocknet und vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden. 3 Teelöffel pro Tasse werden überbrüht und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann filtern, um die Staubfäden zu entfernen, die unter Umständen reizen können.Blattauflagen sind hilfreich bei Augen- und Hautentzündungen, denn die Blätter machen das Gewebe weich, lindern und fördern die Abheilung.
Das aus getrockneten Blüten und Blättern hergestellte Pulver zeigt gute Wirkung bei Hautkrankheiten und es kann bei Erkältungen geschnupft werden, so dass die Atmung erleichtert wird. Aus den Blüten kann auch eine Heilsalbe oder Heilöl hergestellt werden.
Das Königsöl wird ebenfalls äußerlich verwendet mittels eines öldurchtränkten Wattebausches bei Entzündungen der Haut, besonders der Ohren, z.B. Ekzemen und Schmerzen der Ohren, auch bei chronischen Mittelohrentzündungen und Vereiterungen. Herstellung: Eine Handvoll frisch gesammelter Blüten in ein helles Glas mit 100 ml Olivenöl oder Mandelöl geben, verschließen, in die Sonne stellen und jeden Tag einmal gut durchschütteln, nach 3 Wochen abseihen und in ein dunkles Gefäß gießen, verschließen und kühl aufbewahren.Pflanzenheilkundliche Führung mit Sammlung eines Kräuterbüschels und Ansetzen von Königsöl zusammen mit Heilpraktikerkollegin Jeanette Trantow, dazu leeres Schraubglas mit hochwertigem Olivenöl mitbringen.


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