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Ausgabe Mai/Juni 2004
Wie Kinder lernen - Die sieben evolutionären Entwicklungsstufen

Über die Hintergründe anhand des Buches “Das bewegte Gehirn” von Ludwig Koneberg.

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Verhaltensauffälligkeiten und Lernschwierigkeiten von Kindern haben oft nichts mit mutwilligem Boykott zu tun, sondern sind vielfach auf neurologische Blockaden zurückzuführen. Da hilft kein Nachhilfeunterricht und kein stundenlanges Üben mit dem Kind. Ludwig Koneberg hat die Praktische Pädagogik entwickelt, mit der er moderne Formen von Problemlösungsstrategien mit neurologischen Erkenntnissen, Wissen über die Evolution und pädagogischer Kinesiologie verbindet. Das Ergebnis sind sieben kinderleichte Übungen.
Nach den neuesten Erkenntnissen der Neurologie erfolgt - ebenso wie die Bewegungsmuster - auch die Gehirnentwicklung eines jeden Menschen über sieben Stufen, die aufeinander aufbauen. Auch sie entsprechen der evolutionären Entwicklung vom Fisch über Amphibie, Reptil, Säugetier, Affe, Urmensch zum heutigen Menschen. Zu jeder dieser Gehirnentwicklungsstufen gehört das entsprechende Bewegungs- und Verhaltensmuster. Wird eine Stufe nicht genügend erfahren und durchlebt, hat das Konsequenzen für die intellektuelle, emotionale und soziale Entwicklung. Das Gute ist, dass die Bewegungsmuster zu einem späteren Zeitpunkt trainiert und integriert werden können. Dazu hat Ludwig Koneberg sieben Übungen entwickelt, die die sieben Evolutionsstufen thematisieren.

Synaptische Verschaltungen
Psychische Störungen beruhen nicht zwangsläufig auf menschlichem Versagen wie z.B. Fehler der Eltern, sondern können auch physiologischer Art sein. Störungen haben immer auch ein neurologisches Fundament. Häufig liegen die Ursachen für Probleme in der Schule nicht unbedingt in mangelnden intellektuellen Fähigkeiten, sondern in schwach ausgebildeten synaptischen Verschaltungen in den unteren Gehirnregionen. Um Verhaltensänderungen und Lernprozesse anzustoßen, sind dafür Neuverschaltungen der neuronalen Schaltkreise im Gehirn notwendig. Mit den sieben Evolutionsübungen werden im Gehirn neue “Leitungen” gelegt oder wieder aktiviert. Die Übungen helfen, Entwicklungslücken zu schließen, nachzuholen und zu integrieren. Ebenso wichtig wie die Verbindung zwischen rechtshemisphärischer analytischer Fähigkeit und linkshemisphärischer emotionaler Intelligenz ist die Interaktion zwischen vorderen und hinteren Hirnregionen, die für den sensorischen bzw. motorischen Bereich zuständig sind. Für die Bewertung von Wahrnehmungen sind im Gehirn der Neocortex (Vernunft) und das limbische System (emotionale Intelligenz) zuständig. Das Gehirn des Menschen zeichnet sich durch die starke Entwicklung des Neocortex aus. Im Verlauf der Evolution der Wirbeltiere lässt sich eine enorme Zunahme der Zahl der Nervenzellen, Dendriten und Synapsen im Neocortex feststellen, während die übrigen Hirnstrukturen sich wesentlich weniger stark entwickelt haben.

Die Übungen
Die Tatsache, dass in unserem Gehirn ebenso wie im übrigen Körper ständig Aktivität herrscht, verdeutlicht, dass Bewegung die tragende Lebenskraft ist. Mit Hilfe der sieben Übungen lässt sich schnell herausfinden, welche der sieben Evolutionsstufen gut und welche weniger gut integriert sind. Dabei wird nicht gefragt, ob der Bewegungsablauf ausgeführt werden kann, sondern ob er stressbesetzt ist, d.h. ob die Übung Unwohlsein und Angespanntheit begleiten. Die Übungen sollten als spielerisches Angebot und nicht als ein Muss gesehen werden. Grundsätzlich haben Kinder Spaß an Rollenspielen. Anfangs ist es sinnvoll, regelmäßig alle sieben Übungen zu machen, wobei jede Übung etwa eine Minute ausgeführt wird. Das dem Buch beigelegte Familienspiel eignet sich, um die ganze Familie teilhaben zu lassen. Es ist wichtig, sich gedanklich in die jeweilige Evolutionsstufe zu versetzen: Wie fühlt man sich auf dieser Ebene körperlich, wie ist die Wahrnehmung und welche Veränderungen geschehen?

Beispiel Hyperaktivität und Rechtschreibschwäche
Hyperaktive Kinder reagieren aus dem Reptiliengehirn heraus, wo es nur Aktion und Reaktion gibt. Ein emotionales Verständnis einer Situation und Empathie für das Gegenüber braucht Fähigkeiten aus dem limbischen Gehirn, aus der Säugetierstufe der Gehirnentwicklung. Der Grund sind mangelnde neurologische Verknüpfungen zwischen Großhirn und den unteren Gehirnregionen. Über die Vierfüßler-Überkreuzbewegung des Säugetiers kann die neurologische Verknüpfung aktiviert und die Blockade gelöst werden.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen Rechtschreibschwäche und Spreizhosen im Säuglingsalter. Werden bei Beckenfehlstellungen Spreizhosen eingesetzt, hindern diese die Kinder beim Krabbeln. Entsprechend kann keine ausreichende neurologische Verknüpfung zur rechten und linken Gehirnhälfte stattfinden, was für eine fehlerlose, stressfreie Rechtschreibung unbedingt erforderlich ist. Über das Vierfüßlerüberkreuzkrabbeln kann die Verknüpfung der beiden Hemisphären nachträglich hergestellt werden.
Die Praktische Pädagogik vergleicht ihre Arbeit mit dem Einstimmen eines Instrumentes: Ohne das Stimmen wird jedes Üben und Pauken nicht zum erwünschten Ziel führen. Oder anders ausgedrückt: Es ist wie beim Bau eines Hauses - das obere Stockwerk muss auf einem soliden Untergrund stehen. Es hat keinen Sinn, Risse zuzukleistern, wenn die Ursache im Fundament liegt.


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